User Online: 3 | Timeout: 05:37Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Energiewende: Warten auf neue Stromtrasse
Zwischenüberschrift:
Gemeinde Bissendorf hat Änderungswünsche und wird seit Wochen vertröstet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Dass der Stromnetzausbau wegen der Energiewende dringlich ist, heißt nicht, dass es schnell geht. Diese Erfahrung macht derzeit die Gemeinde Bissendorf. Der Netzbetreiber Amprion will seine Hochspannungsleitungen auf dem Gemeindegebiet massiv ausbauen, damit der Strom von den Windkraftanlagen an den Küsten ins Landesinnere gelangen kann. Bissendorf hat Änderungswünsche am geplanten Trassenverlauf geäußert und wird seit Wochen von diversen Behörden vertröstet.

Um welche Trassen geht es?

Die Verbindung zwischen den Umspannwerken in Bad Essen-Wehrendorf und Osnabrück-Lüstringen soll ausgebaut werden, um die Energie dann weiter nach Gütersloh zu leiten. So ist es im Energieleitungsausbaugesetz vorgesehen. Derzeit führen zwei Hochspannungsleitungen durch Bissendorfer Terrain: Eine nördliche 110-Kilovolt-(kV)- Trasse befindet sich im Besitz der RWE und führt durch Jeggen. Eine südliche 220-kV-Leitung verläuft von Wehrendorf durch Krevinghausen nach Astrup, um dann nach Westen zu schwenken durch Schledehausen und Wissingen nach Lüstringen.

Diese Leitung gehört der Firma Amprion, einer ehemaligen RWE-Tochter. Amprion ist eines von vier Unternehmen, die mit dem Netzausbau in Deutschland beauftragt sind. Amprion plant den Neubau einer 380-kV-Leitung in der Trasse der bestehenden südlichen 220-kV-Leitung. Die Masten würden dann von 35 bis 40 Meter Höhe auf bis zu 65 Meter Höhe wachsen, und die Schutzstreifen müssten verbreitert werden. Im Februar hatte das Unternehmen seine Pläne in Bissendorf vorgestellt.

Was will die Gemeinde Bissendorf?

Die Ratsgruppe CNI/ FDP hat einen Alternativvorschlag erarbeitet: Aufrüstung der RWE-Leitung im Norden und Wegfall der südlichen Amprion-Leitung. Bernhard Henkelmann und Uwe Bullerdiek (beide CNI) betonen, dass sie die Energiewende befürworten. " Uns geht es um den direkten Weg", sagen sie. In der Tat ist die RWE-Trasse kürzer und betrifft weniger Anwohner.

Die Gemeinde Bissendorf hat aus dem Vorschlag ein Schreiben erarbeitet, das unter anderem an Amprion, RWE, den Landkreis Osnabrück, die Ministerien für Landwirtschaft und Umwelt sowie an die Bundesnetzagentur ging.

Bürgermeister Guido Halfter klagt nun, dass keine der angeschriebenen Behörden bislang zu seinen Vorschlägen Stellung genommen habe. Der Schriftwechsel, der unserer Zeitung vorliegt, besteht vor allem aus folgenden Antworten: " Wir leiten Ihr Anschreiben weiter", " Wir bitten um Geduld" oder " Wir sind nicht zuständig."

Was sagt Amprion zu den Vorschlägen?

Amprion hat sehr wohl geantwortet. Im Herbst werde es eine Antragskonferenz mit allen Betroffenen geben, bei der die Gemeinde Bissendorf ihre Wünsche vortragen könne. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte Amprion-Sprecher Andreas Preuß, dass die Firma im Gespräch mit RWE sei und RWE sei grundsätzlich damit einverstanden, die nördliche 110-kV-Leitung auszubauen. Das Problem dabei: " Die Schutzstreifen dort sind wesentlich schmaler", sagt Preuß. Ein Ausbau dieser Trasse könne neue Betroffenheiten erzeugen. Das Genehmigungsverfahren würde dann komplizierter werden.

Und die RWE?

" Die 110-kV-Leitung ist so, wie sie ist, momentan in einem Top-Zustand", sagt Sprecherin Ruth Brand. " Es besteht überhaupt kein Bedarf, die anzupacken." Das müsse aber die zuständige Behörde entscheiden.

Wer entscheidet über den Trassenverlauf?

Die Regierungsvertretung Oldenburg ist zuständig für die raumordnerische Prüfung. Einfach ausgedrückt heißt das: Diese Behörde zeichnet am Ende einen Strich auf die Landkarte und legt damit fest, wo die neue Starkstromtrasse verlaufen soll. Wie genau diese letztlich aussieht, wird dann in einem Planfeststellungsverfahren festgelegt. Dabei wird beispielsweise entschieden, wo die einzelnen Masten stehen.

Doch zurück zur Entscheidung über den Trassenverlauf: Die betroffenen Kommunen und Organisationen das Spektrum reicht von den Naturschutzbehörden bis zur Bundeswehr werden angehört, sobald die Firma Amprion einen Antrag auf den Neubau der Trasse gestellt hat. Erst dann gebe es diese sogenannte Antragskonferenz, erklärt Bernhard Heidrich von der Regierungsvertretung Oldenburg. " Momentan ist also alles noch völlig offen und alles möglich", betont Heidrich.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Beteiligten dem ersten Vorschlag von Amprion ohne Weiteres zustimmen werden. " Es deutet einiges darauf hin, dass es unterschiedliche Auffassungen gibt", sagt Heidrich vage.

In einem nächsten Schritt wird es also vermutlich ein Raumordnungsverfahren geben, bei dem Amprion verschiedene Varianten des Trassenverlaufs untersuchen lassen muss.

Warum dauert das alles so lange?

" Das hängt an Amprion", sagt Bernhard Heidrich von der Regierungsvertretung Oldenburg. Bislang habe das Unternehmen bei der Behörde nämlich noch gar keinen Antrag gestellt. Deshalb gab es noch keine Antragskonferenz, und deshalb hat Bürgermeister Halfter auch noch keine Antwort auf seine Vorschläge erhalten.

" Bislang haben wir nur Gespräche mit Amprion, der Stadt und dem Landkreis Osnabrück geführt", sagt Heidrich. " Erst muss Amprion seine Hausaufgaben machen", so Heidrich. Das Unternehmen solle klären, welcher Trassenverlauf für die Anwohner am verträglichsten sei.

Wie ist der Zeitplan der Bundesnetzagentur?

Mag sein, dass die betroffene Gemeinde Bissendorf ungeduldig wird, weil Entscheidungen anstehen, die die Gemeinde direkt betreffen. Die Bundesnetzagentur sieht das anders. Bei ihr laufen die Planungen für alle auszubauenden Leitungen im Bundesgebiet zusammen. Auf der Homepage der Agentur steht, " dass ein Großteil der geplanten Leitungen später als erwartet in Betrieb gehen wird". Zur Trasse zwischen Wehrendorf und Lüstringen ist hier aber zu lesen, dass die Leitung " zwei Jahre vor dem ursprünglich verkündeten Inbetriebnahmetermin" fertig werden soll, nämlich 2017.

Was sagt eigentlich Bad Essen dazu?

" Man muss der Firma Amprion die Zeit geben, das ordentlich zu planen", sagt Bürgermeister Günter Harmeyer. " Wir kennen das Thema hier seit Jahrzehnten." Die Wehrendorfer Umspannanlage sei eine der größten in der Region, so Harmeyer. Fünf große Leitungen laufen darauf zu. Zum geplanten Ausbau sagt er: " Wenn wir die Energiewende wollen, werden wir damit leben müssen."

Wozu überhaupt der Ausbau der Hochspannungsleitungen?

Hintergrund ist die Energiewende. Der Strom, der in den Winkraftanlagen an den deutschen Küsten erzeugt wird, muss in den Süden der Republik transportiert werden. Das geht nur über Hochspannungsleitungen. Und die müssen nun zügig gebaut werden so steht es im Energieleitungsausbaugesetz, das der Bund 2009 beschlossen hatte. 24 Projekte sind darin vermerkt Nummer 16 betrifft die Strecke zwischen Wehrendorf und Gütersloh.
Autor:
Sandra Dorn


Anfang der Liste Ende der Liste