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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Blitzlicht und 22 bunte Schultüten
 
Guter Beitrag zur religiösen Toleranz
Zwischenüberschrift:
Großes Medieninteresse am ersten Tag in der neuen Drei-Religionen-Schule
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück. Gestern Vormittag begann für die ersten 22 Erstklässler der neuen Drei-Religionen-Grundschule in Osnabrück der Unterricht. Das große Medieninteresse steigerte die Aufregung der Jungen und Mädchen noch einmal. Ab Donnerstag steht wieder ganz unspektakulär Lesen, Schreiben und Rechnen auf dem Programm.

Es wird getrennt unterrichtet. Das gehe auch gar nicht anders, sagt Annett Abdel-Rahman, unter anderem Lehrerin für den islamischen Religionsunterricht. Für die Kinder jeder Religion sei es wichtig, sich zunächst der eigenen Wurzeln zu vergewissern. Gemeinsame Projekttage stehen aber auch auf dem Lehrplan. Auch die jeweils andere Art, Feste zu feiern, sollen die Kinder erleben. Ihr Eindruck vom ersten Tag: " Er war in vielerlei Hinsicht besonders." Kinder und Eltern verschiedener Religionen seien sich mit großer Offenheit begegnet.

Sebastian Hobrack, jüdischer Religionslehrer, sieht es ähnlich. Geistliche Vertreter aller drei Religionen hätten bei der Einschulungsfeier zu Beginn Segensworte gesprochen. Morgen gehe es jedoch so weiter wie in jeder anderen ersten Klasse auch. Der erste Religionsunterricht findet auch erst in den nächsten Tagen statt.

Ganz normale Hausaufgaben verteilte auch Schulleiterin Birgit Jöring gleich am ersten Schultag. Alle Kinder bekamen den Auftrag, den Inhalt ihrer Schultüte zu malen, damit sich die Lehrerin ein Bild von den Geschenken machen kann. Zekeriya Soydmir freut sich, dass er eine Grundschule für seine Tochter Emine wählen konnte, in der die Religion eine große Rolle spiele. Ihm ist wichtig, dass sich alle Kinder trotz unterschiedlicher Glaubensüberzeugungen als gleichwertig und auf Augenhöhe erleben können. Maria Gadoashvili, die ihre jüdische Nichte Herakli am ersten Schultag begleitete, sieht einen weiteren Vorteil. Die jüdischen Kinder könnten ihre Hebräischkenntnisse vertiefen: " Ich bin sicher, dass sich die Schule für die Kinder gut entwickelt."

Neun der 22 Erstklässler sind katholisch, acht muslimisch, zwei jüdisch und je ein Kind ist evangelisch, griechisch-orthodox oder ohne Religionszugehörigkeit. Alle Kinder werden gemeinsam unterrichtet, für die jüdischen, islamischen und christlichen Kinder wird jeweils eigener Religionsunterricht erteilt.

Die Grundschule wird von der Schulstiftung des Bistums Osnabrück getragen, die dabei mit der jüdischen Gemeinde Osnabrück, dem islamischen Landesverband Schura Niedersachsen e. V., dem DiTiB-Landesverband Niedersachsen und Bremen e. V. und der Stadt Osnabrück kooperiert. Die Drei-Religionen-Schule wurde im Vorfeld kontrovers diskutiert. Alle 13 Lehrer der Johannisschule lehnen die Drei-Religionen-Schule ab.

Bildtext:

Der erste Schultag an der neuen Drei-Religionen-Schule für Lehrer und Kinder.

Foto:
Michael Hehmann

Kommentar

Guter Beitrag zur religiösen Toleranz

Lassen wir eine Frage einmal ausgeklammert: Können staatliche Grundschulen Kinder unterschiedlicher Religionszugehörigkeiten genauso gut zu gegenseitigem Respekt erziehen? Die neue Drei-Religionen-Schule stellt dieses Ziel jedenfalls bewusst in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Es ist von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Das zeigen die jüngsten antisemitischen Vorfälle in Berlin und Rostock. Und das machen auch die Warnungen von BKA-Chef Jörg Ziercke vor eskalierender Gewalt zwischen rechten und islamistischen Scharfmachern deutlich.

Kinder aus religiösen Familien lernen zu Hause: Mein Glaube ist wichtig, seine Regeln sind zu beachten. Dass Jungen und Mädchen anderer Religionen diese Regeln nicht kennen, dafür jedoch andere befolgen, kann auf Kinder zunächst verstörend wirken. Früh zu lernen, dass das aber nichts Ungewöhnliches ist oder gar bekämpft werden muss, ist im von Zuwanderung inzwischen geprägten Deutschland unverzichtbar. Das Osnabrücker Pilotprojekt leistet dazu einen guten Beitrag.
Autor:
Michael Schwager


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