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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Von "Illo′s Höhe" auf die Stadt herabblicken
Zwischenüberschrift:
Die Ortsbezeichnung geht auf Christian Geislers Künstlernamen "Illo" zurück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Große Verlegenheit im Städtischen Verkehrsamt. Ein auswärtiger Journalist hat angerufen. Er möchte seine Leser aufklären, was es mit dem seltsamen Namen Illoshöhe auf sich hat. Es ist der 15. November 1980. Papst Johannes Paul II. wird in Osnabrück erwartet, er will im Sportpark Illoshöhe unter freiem Himmel eine Messe feiern. Doch im Verkehrsamt weiß niemand Genaueres, wo der Name herkommt. Der Journalist wird vertröstet. Ob er später noch eine Antwort bekommen hat, ist nicht überliefert.

Inzwischen liegen die Fakten gut sortiert auf dem Tisch, auch dank der Heimatforscherin Ilsetraut Lindemann. Sie hat herausgefunden und aufgeschrieben, dass " Illo" der Künstlername des Bibliothekars und Journalisten Christian Geis( s) ler (1846 1901) war. Dessen Elternhaus stand am Grünen Brink Nr. 12, der Beruf des Vaters wird mit Steinhauer und Maurermeister angegeben. Christian erfährt eine höhere Bildung. Er wird Privatlehrer und Verwalter des " Wissenschaftlichen Lesezirkels".

Erstmals verzeichnet er 1886 alle Straßen und Plätze der Stadt und erforscht die jeweilige Namensherkunft. Insofern darf man ihn als Vorgänger Ilsetraut Lindemanns bezeichnen, die 100 Jahre später das Gleiche machte und die Nuss mit der Illoshöhe zu knacken hatte.

Von 1884 bis 1886 ist Geisler verantwortlicher Redakteur für den Lokalteil des gerade gegründeten Osnabrücker Tageblattes. Er berichtet nicht nur über lokale Ereignisse, sondern begibt sich auch ab und an auf das Gebiet der Lyrik. Seine Gelegenheitsdichtungen unterzeichnet er mit dem Pseudonym " Illo".

Was ihn auf diesen Namen brachte, ist nicht bekannt. Ob er vielleicht eine geistige Nähe zum kaiserlichen Feldmarschall Illo in Schillers Drama " Wallenstein" verspürte? Heutzutage begegnet uns Illo als Name für Schäferhunde oder als Abkürzung für Ilse-Lotte, was Geisler aber wohl kaum beeinflusst haben dürfte.

Jedenfalls ist Geisler alias Illo auch in der Martini-Laischaft sehr aktiv. Sie war eine der fünf Weide-Genossenschaften im spätmittelalterlichen Osnabrück, die nach den Stadttoren benannt waren, vor denen die Weidegründe lagen. Bis heute bestehen bekanntlich die Heger und die Herrenteichs-Laischaft fort und verwalten ihren Forst- und Immobilienbesitz. Die Martinianer Laischaft hatte zu Zeiten Geislers bereits ihre ursprüngliche Funktion verloren, da immer weniger Bürger in der Stadt Pferde, Kühe, Schweine oder Gänse hielten und Weiden dafür vor den Toren brauchten. Sie befand sich sozusagen in der Abwicklung, die darin bestand, den Laischaftsbesitz etwa zwischen Rheiner Landstraße und Martinistraße, immerhin 145 Hektar, unter den " Interessenten" der Laischaft zu verteilen oder an Nicht-Laischaftsmitglieder zu verkaufen.

Als heimatverbundenem Stadthistoriker gefiel es Geisler nicht, den alten Laischaftsbesitz ganz und gar zersplittert und zerstreut zu sehen. Er wollte einen Teil des Geländes der alten Gemeinschaft " für alle Zeit", wie er schrieb, erhalten, in der Zielsetzung nicht unähnlich der Heger Laischaft, die ja bekanntlich das Heger Holz als identitätsstiftenden Besitz durch die Jahrhunderte gehalten hat.

Aufmarsch ganz anders

Geisler pachtete 1891 den Kamp und die Hochlage der " Oberen Lehmkuhle", errichtete dort eine Festhalle und, ganz wichtig, einen Fahnenmast für die schwarz-weiß-rote Flagge. Die Martinianer versammelten sich dort regelmäßig, feierten und genossen den herrlichen Rundblick über die Stadt. Die Flurnamen " Illo′s Höhe" und " Illo′s Kamp" wurden ins Grundbuch eingetragen.

Für den Mai 1894 verzeichnet die Chronik eine besonders lebhafte Feier. Zuvor war im Januar-Sturm der Fahnenmast abgebrochen. Sofort begann Illo, bei Freunden für einen neuen Mast zu sammeln. Die Neuerrichtung unter Illos tatkräftiger Regie war ein Volksfest. Über 200 Personen zogen mit Kind und Kegel, Musik und Proviant auf " Illo′s Höhe".

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Illoshöhe zur Zentralen Sportanlage der Stadt entwickelt. Wobei die Planungen in das Jahr 1939 zurückreichen, beseelt vom nationalsozialistischen Monumentalismus. Professor March, der Erbauer des Berliner Olympiastadions, hatte ein Sportfeld entworfen, das noch viel mehr Fläche ein nehmen sollte, als der jetzt erreichte Endausbau aufweist.

Eine pompöse Turmanlage, ein Ehrenmal und ein Rondell-Café hätten nach seiner Planung die Zuschauer auf dem Weg in das Stadion mit 2500 Sitz- und 12 500 Stehplätzen empfangen. Die Straßenbahnlinie sollte in einer Schleife um die " Kampfbahnen" herumgeführt werden. Die Nutzung als Aufmarschgelände für politische Kundgebungen Nürnberg ließ grüßen stand stets im Hintergrund.

Der Papst erlebte 1980 einen Aufmarsch ganz anderer Art. 140 000 Pilger sahen ihn und feierten bei strömendem Regen mit ihm die heilige Messe. Dass dabei die Aschenbahn endgültig zertrampelt wurde, war dem städtischen Sportamt nicht unwillkommen. Ein Jahr später hatte das Oval eine moderne Kunststoffbahn hauptfinanziert vom Bistum.

Die Straße " An der Illoshöhe" ist eine vornehme, ruhige Wohnstraße oberhalb des Sportgeländes. Die viel gerühmte einstige Aussicht von " Illo′s Höhe" hinab auf die Stadt, wie sie ja auch das benachbarte ehemalige Kaffeehaus Bellevue versprach, ist dank Bebauung und Begrünung kaum mehr nachvollziehbar. Allenfalls aus den Dachluken einiger Häuser.

Bildtexte:
Der Namenspatron: Christian Geisler, genannt Illo.
Erst Lehmkuhle, dann Festplatz und später Stadion die Bedeutung der Illoshöhe hat sich gewandelt.

Foto:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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