User Online: 10 | Timeout: 17:34Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bald schwarzer Rauch: Wir sind Dampflok
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Eisenbahn-Enthusiasten zuversichtlich: 2015 soll die Schinkellok wieder rollen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wenn das Licht am Ende des Tunnels nicht der Ausgang, sondern eine entgegenkommende Lok ist furchtbare Vorstellung. Nicht für die Osnabrücker Dampflokfreunde, wenn die Lok die Nummer 41052 vorne dran hätte. Dass die ihnen mal mit Volldampf entgegenkommt vielleicht nicht unbedingt in einem Tunnel darauf hoffen sie seit Langem. Aber jetzt haben sie wenigstens schon mal einen Termin: Zum Saisonbeginn 2015 soll die sogenannte Schinkellok fahrbereit sein.

Bernhard Kovermann, einer der Aktiven, die regelmäßig an der Lok arbeiten, hat keine Zweifel mehr: " Das ist jetzt nicht mehr aufzuhalten." Auch wenn die Dampflok im Moment gar nicht wie eine Dampflok aussieht, sondern so, als sei sie unter einer zu niedrigen Brücke hergefahren. Kessel und Führerhaus sind runter vom Fahrwerk. Der Kessel ist derzeit in Bruchsal und wird in einer spezialisierten Metallbaufirma überarbeitet. Hierzu sind besondere Qualifikationen und Berechtigungen nötig. An einem Kessel, der einen Dampfdruck von 16 bar aushalten muss, dürfen nur zertifizierte Schweißer arbeiten.

Aber für Bernhard Kovermann, Reinhard Rolf, Eberhard Gillich, Henning Hovermann und Dirk Breiter, den harten Kern der 41052-Sanierer, bleibt auch so noch genug zu tun. Jetzt, wo der Kessel unterwegs ist, haben sie die Achsen unter dem Rahmen hervorgeholt. Teil für Teil wird überprüft und bei Bedarf aufgearbeitet. Jeden Dienstag ist die Truppe am Zechenbahnhof. Kovermann: " Eigentlich ist das ja unser Hobby. Aber manchmal wird das richtiger Stress."

Albert Merseburger, Vorsitzender der Dampflokfreunde, ist froh, dass sich die Gruppe so intensiv um die Lok kümmert. Denn im Verein gibt es ja noch jede Menge andere Arbeit. Nur ein Beispiel: Die " Donnerbüchsen", die Personenwaggons aus den 20er-Jahren, müssen gepflegt werden. Sie werden für die Fahrten benötigt, die Geld in die Vereinskasse bringen. Ohne diese Einnahmen liefe gar nichts bei den Dampflokfreunden. Und die Restaurierung der Dampflok ganz an eine Firma zu vergeben wäre für den Verein unbezahlbar.

Ludwig Ertl, Dampflokfreund aus München, hatte im Jahr 2008 ein Gutachten gesponsert, um überhaupt zu sehen, ob eine Restaurierung der Lok sinnvoll ist. Es geht, hatte das Dampflokwerk Meiningen der DB Fahrzeuginstandhaltung dem Osnabrücker bescheinigt und gleich einen ernüchternden Kostenvoranschlag mitgeliefert: 600 000 bis 750 000 Euro hätten die Profis für die Komplettrestaurierung genommen. Jetzt wird es erheblich günstiger. Kovermann verdeutlicht das am Tender, in dem die Lok das Schweröl für die Feuerung und tonnenweise Wasser zur Dampferzeugung mitführt. 50 000 Euro hätte die Auftragsvergabe an ein professionelles Ausbesserungswerk gekostet. Die Dampflokfreunde reparieren das Fahrzeug für 7000 bis 8000 Euro. Das Geld geht im Wesentlichen für Material raus. Manchmal kommt auch ein Glückstreffer dazu: Kovermann berichtete von einer Ersatzteilsammlung in der Schweiz, die der Verein für 18 000 Euro kaufen konnte.

Hilfe bekommen die Lokbauer unter anderem auch von der Bildungswerkstatt Georgsmarienhütte. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Einrichtung erledigen in ihrer außerbetrieblichen Ausbildung Aufträge für die Eisenbahner vom Piesberg.

Seit 2001 kümmern sich die Osnabrücker Dampflokfreunde um die Schinkellok. Die Baureihe 41, zu der die Schinkellok gehört, gilt in Kennerkreisen als " typische Osnabrücker Lok", weil ein großer Teil der insgesamt knapp 400 gebauten Exemplare irgendwann einmal in Osnabrück beheimatet war. Die Räder des schnellen Güterzug-Loktyps wurden alle in Osnabrück geschmiedet. Bis 2001 hatte die Lok auf einem Sockel an der Buerschen Straße gestanden. Dort war sie schließlich einem Altenheim-Neubau im Weg. Eigentlich wollten die Dampflokfreunde die 1939 gebaute 41052 zunächst nur als Anschauungsmodell erhalten. Doch nach und nach und in vielen kontroversen Diskussionen reifte der Wunsch, die 160 Tonnen schwere Maschine, die zu ihrer aktiven Zeit mit einer Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern über die Schienen donnerte, vielleicht doch wieder zum Laufen zu bringen. Laufen, das wird die 41052 dann auch müssen, wenn das Projekt fertig ist. Die Einnahmen aus dem Betrieb brauchen die Dampflokfreunde dann, um die Restaurierung zu refinanzieren. Kovermann sieht die 41052, die Schinkellok, vor seinem geistigen Auge schon über die Schienen donnern: " Es ist Licht am Ende des Tunnels."

Bildtexte:
Den Tender überholen die Dampflokfreunde in Eigenregie. Dadurch wird das Teilprojekt deutlich günstiger, als würden sie den Auftrag vergeben.
Nachdem Kessel und Führerhaus der Dampflok demontiert sind, sieht die 41 052 momentan aus, als wäre sie unter einer etwas zu niedrigen Brücke hergefahren.
Der Kessel der 41 052 am Kran. Die Überholung des Herzstücks ist Sache für zertifizierte Experten. Deshalb wurde der Kessel zu einer Fachfirma transportiert Schinkellok 41 052, zwischenzeitlich als 042 052-1 umnummeriert, in den 70er-Jahren im Bahnhof Rheine. Wenig später kam sie auf den Sockel in Schinkel.
Bayerischer Dampflokfreund Ludwig Ertl (76)
Chef Albert Merseburger ist stolz auf seine Aktiven.

Fotos:
Gert Westdörp, Jörn Martens, Hans W. Fischbach
Autor:
Michael Schwager


Anfang der Liste Ende der Liste