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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gretescher Turm und Türmchen.
Zwischenüberschrift:
Das ehemalige Gasthaus soll seinen Dachschmuck zurückerhalten.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Den Gretescher Turm als Bestandteil des spätmittelalterlichen Grenzsicherungssystems der Landwehr gibt es seit 1777 nicht mehr. Er muss etwa so ausgesehen haben wie der erhaltene Wulfter Turm. Also ein schlichter, dreigeschossiger, aus Bruchsteinen errichteter Bau auf quadratischem Grundriss. Zur Erinnerung an diese Beobachtungs- und Mautstation nannte Fritz Niermeyer das Gasthaus, das er Mitte des 19. Jahrhunderts gegenüber dem Turmstandort errichtete, " Gretescher Turm".

Man darf vermuten, dass er die Namensgebung dadurch sinnhaft unterstreichen wollte, dass er einen Dachreiter als kleines " Gretescher Türmchen" auf das Haupthaus setzen ließ. Den meisten Bewohnern des Stadtteils dürfte das Ensemble mit Türmchen noch vertraut sein, denn es überlebte den Krieg weitgehend unbeschädigt. Erst 1985 musste der baufällig gewordene Dachreiter, eine mit Zinkblech verkleidete Holzkonstruktion, aus Sicherheitsgründen abgenommen werden. Der heutige Eigentümer des Anwesens, Tomica Zulj, erkannte den historischen Wert des Bauteils und bewahrte es vor der Verschrottung. Aus Anlass des Ortsjubiläums 2003 hatte der Bürgerverein Anstrengungen unternommen, das Türmchen zu restaurieren. Damals blieb es bei den Plänen.

Doch nun regt sich eine neue Initiative. Heimatverbundene Bürger wie Friedhelm Broxtermann, Helmut Riecken, Dieter Raube und der ehemalige Ortsbürgermeister Frank Henning machen sich dafür stark, dem historischen Gebäude wieder sein Wahrzeichen aufs Dach zu setzen. Ein Schlosser untersucht zurzeit, ob eine Wiederaufarbeitung oder ein Nachbau wirtschaftlicher ist. Weitere Mitstreiter mit Ideen (und/ oder Geld) sind den Initiatoren herzlich willkommen und wenden sich am besten an Frank Henning.

Dieter Raube und seine Frau Irene wohnen gegenüber dem alten Gasthaus. Das, was heute die gepflegte Rasenfläche ihres Gartens ist, war früher der Standort des Gretescher Turms. Als Irene Raubes Eltern das Haus nach dem Krieg bauten, stießen sie bei den Ausschachtungen auf Reste von Bruchstein-Fundamenten. Die Landwehr folgte dem alten Verlauf des Belmer Bachs nach Süden zur Hase und nach Norden auf die Burg Gretesch zu. Der zum Turm gehörige Esch als private Ackerfläche des Türmers ist noch heute erkennbar. Es ist der von hohen Bäumen umgebene Bolzplatz nördlich der Mindener Straße.

Raubes konnten überhaupt nicht verstehen, warum ihre Straße nach der Eingemeindung 1972 den beziehungslosen Namen Beuthener Straße erhalten hatte. Sie und andere setzten durch, dass das Stück auf den historisch begründeten Namen " Am Gretescher Turm" umgetauft wurde. Es ist der uralte Verlauf der aus Melle-Buer kommenden und auf das Herrenteichstor zulaufenden Fernstraße. " Zwischen unserem Haus und dem alten Gasthaus war die Zollschranke", weiß Irene Raube aus zeitgenössischen Zeichnungen. " Manchmal wünschten wir uns, wir könnten auch wieder eine Schranke herunterlassen, denn mit dem Verkehr ist es unerträglich geworden." Aus der vormals ruhigen Wohnstraße Am Gretescher Turm sei eine lebhafte Durchgangsstraße geworden.

Ab 1908 gehörte der Komplex des Gasthauses der Firma Schoeller. Der Kneipenpächter war Vereinswirt für Schützen, Sänger und Turner. Nebenbei kochte er auch für die Werksangehörigen zu Mittag. Im Saal wurden die großen Werksfeste gefeiert. Nebenan konnten die Schoelleraner verbilligt im Werks-Konsum einkaufen. 1923 endete die Periode als öffentliche Gaststätte mit Saalbetrieb, Kegelbahn und Schießstand. Ältere Gretescher und Lüstringer werden den Saal vorwiegend als Gottesdienstraum in Erinnerung haben. Von 1930 bis 1955 nutzten ihn evangelische und katholische Christen im Wechsel. " Damals kannte noch keiner den Begriff Ökumene, aber genau das war′s, was hier schon immer friedlich nebeneinander gelebt wurde", erzählt Friedhelm Broxtermann. Nach der Kirche konnte man gleich nebenan im Lebensmittelladen von Saunus einkaufen, erinnert sich Dieter Raube.

Im nördlichen Gebäudeteil betrieb Heinz Wesch seine Bäckerei. Die großen Bleche mit Platenkuchen stellte er meistens zum Abkühlen nach draußen. Raubes Söhne hatten das oft gesehen. Und auch, wie Wesch den Kuchen mit Zucker bestreute.

Der Saal wird heute als Lager eines Marktbeschickers genutzt. Im restlichen Komplex sind Wohnungen eingerichtet. Bis auf einen kleinen Raum neben dem Saaleingang. Den haben sich die Stadtwerke als Toilette für ihre Pause machenden Busfahrer gesichert.

Bildtexte:
Das Gasthaus Gretescher Turm um das Jahr 1910. Direkt vor dem Gasthaus verlief die alte Buersche Straße als Hauptausfallstraße von Gretesch und Lüstringen nach Osten.
Der Bau steht nach wie vor, aber das Türmchen ist nicht mehr drauf. Aus der Hauptchaussee ist die Wohnstraße Am Gretescher Turm geworden.

Vier Aufrechte für die Wiederauferstehung des Dachreiters (von links): Dieter Raube, Helmut Riecken, Frank Henning und Friedhelm Broxtermann.

Fotos:
Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken/ Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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