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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Es war einmal die reichste Gemeinde.
Zwischenüberschrift:
Darum/Gretesch/Lüstringen: Der Stadtteil an der Grenze zum Dorf.
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Gretesch war einmal eine der reichsten Gemeinden Deutschlands. Das behauptet jedenfalls das Internetlexikon Wikipedia. " Das stimmt", sagt Friedhelm Broxtermann. Als Mitglied des letzten Gemeinderates der einst selbstständigen Gemeinde Gretesch muss er es wissen.

Als das 1815-Seelen-Dorf Gretesch am 1. Oktober 1966 mit Darum (604 Einwohner) und Lüstringen (3255) verschmolz, war es aus der Rückschau betrachtet der untaugliche Versuch, langfristig die Eigenständigkeit zu bewahren. Die Einheitsgemeinde mit dem langen Namen und zwei Schrägstrichen wurde in der großen Gebietsreform 1972 Osnabrück eingegliedert. Die Gewerbesteuer der Papierfabrik Schoeller ergoss sich fortan in die Osnabrücker Stadtkasse.

Die Reihenfolge im Namen ist nicht egal: Darum/ Gretesch/ Lüstringen heißt der Stadtteil. Streng nach dem Alphabet, auch wenn sich die evangelische Petrusgemeinde darum nicht schert und in ihrem Namen Darum nach hinten setzt.

In Darum leben Reinhard und Erika Heckmann schon seit 42 Jahren. Der 80-Jährige trug 33 Jahre das Mitteilungsblatt der Petrusgemeinde " Kontakte" aus und kennt deshalb eine Menge Leute. Täglich macht er zweimal die Runde am Schledehauser Weg, schaut nach dem Rechten, informiert den Osnabrücker Service-Betrieb, wenn jemand wieder die waldigen Winkel zur Müllentsorgung missbraucht hat.

Reinhold Heckmann war 1961 einer der Mitbegründer der Sportfreunde Darum. Ja, es gibt den Verein noch, auch wenn er heute nur selten in Erscheinung tritt. Der Club hat noch 25 Mitglieder, die Fußballabteilung ist aufgelöst, gespielt wird nur noch Tischtennis. Den Vorsitz führt Norbert Broszeit, die Tischtennisabteilung leitet Lothar Frye der Schwiegersohn von Reinhold Heckmann. Der Kreis schließt sich ganz, wenn man weiß, dass Erika Heckmann viele Jahre die Damengymnastik bei den Sportfreunden geleitet hat.

Sportlich ist Reinhold Heckmann immer noch. Jeden Donnerstagmorgen trifft er seine früheren Kollegen beim Schoeller-Seniorensport. 40 Jahre arbeitete der gelernte Tischler in der Papierfabrik und genießt noch heute die sozialen Angebote des Unternehmens. Schoeller, so sagt er, sei immer mehr gewesen als Fabrik und Steuerzahler: " Vater, Opa, Onkel aus fast jeder Familie hier hat da doch einer gearbeitet."

Schoeller ist mit 950 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im Stadtteil. Seit 115 Jahren wird am Mühlenbach Papier produziert. Von Gretesch aus griff die Felix Schoeller Group auf den Weltmarkt aus und produziert heute an acht Standorten mit 2200 Mitarbeitern hochwertige Foto- und Dekorpapiere. Durch den Siegeszug der Digitalkameras sank die Nachfrage nach Fotopapier in den vergangenen Jahren erheblich. Schoeller reagierte darauf, machte die Papiermaschinen flexibler und erweiterte die Produktpalette. Doch Probleme bleiben, zum Beispiel die hohen Energiekosten. " Wir müssen zusehen, dass solche energieintensiven Unternehmen sicher durch die Energiewende kommen", sagt der frühere Ortsbürgermeister von Darum/ Gretesch/ Lüstringen, Frank Henning.

Schoeller ist das industrielle Herz des Stadtteils, die Mindener Straße das kaufmännische. " Wir haben hier einen erstaunlichen Mix", sagt Eva Töpfer-Lübbert, Inhaberin des Kinderfachgeschäfts Piccolini und Sprecherin der Werbegemeinschaft an der Mindener Straße. Na ja, Werbegemeinschaft sei etwas dick aufgetragen, meint die 45-Jährige, es sei eher ein Netzwerk von Selbstständigen, das sich bei der 750-Jahr-Feier Lüstringens gefunden habe. Zwei- bis dreimal im Jahr trifft man sich, plant den Weihnachtsschmuck, das Maibaumaufstellen oder die eine oder andere Aktion wie das 1. Lüstringer Herbstfest mit Weinprobe, das am Samstag, 23. September, gefeiert wird.

Die Mindener Straße sei eine " gute Lage" für ein Gewerbe, findet Eva Töpfer-Lübbert. Der Durchgangsverkehr bringe eine Menge Kunden, und das Parken sei in der Regel kein Problem: " Rechts ran und rein ins Geschäft." Die geparkten Autos am Straßenrand sind zugleich die billigste Form der Verkehrsberuhigung.

Bildtexte:
Darum ist (es) so schön.

An der Mindener Straße schlägt das kaufmännische Herz von Darum/ Gretesch/ Lüstringen, bei Schoeller das industrielle.

Fotos:
Michael Hehmann
Autor:
Wilfried Hinrichs


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