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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Inhalt:
Überschrift:
Seine Budgets hielt er stets penibel ein
Zwischenüberschrift:
Straßenkunde: Stadtbaumeister Emil Hackländer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Er hätte allen Grund gehabt, sich über die zunehmende Arbeitsverdichtung in seinem Job zu beklagen. In die Amtszeit des Osnabrücker Stadtbaumeisters Emil Hackländer von 1870 bis 1896 brach mit voller Wucht die Industrialisierung ein. Die Stadt dehnte sich in alle Richtungen aus. 1871 ging das Stahlwerk in Betrieb, 1873 das Kupfer- und Drahtwerk, hinzu kamen die expandierenden Werkstätten der Reichsbahn. Der Ansiedlung von Betrieben folgte natürlicherweise die Ansiedlung der Arbeitskräfte mit ihren Familien.

In Schinkel vervierfachte sich die Bevölkerungszahl von 1875 bis 1910. Osnabrück hatte bei Hackländers Amtsantritt 1870 rund 21 000 Einwohner. Als er 1896 ausschied, waren es 47 000, also auch hier deutlich mehr als eine Verdoppelung. Was das für die kommunale Daseinsvorsorge bedeutet, lässt sich leicht ausmalen: Neue Wohngebiete mussten erschlossen, das Straßennetz an das vervielfachte Verkehrsaufkommen angepasst, Schulen und Sportanlagen gebaut werden. Die Kanalisation stand vor ganz neuen Herausforderungen, Frischwasser, Gas und Elektrizität waren bereitzustellen.

In diesen Zeiten gewaltiger Umwälzungen bewies Hackländer eine erstaunliche Weitsicht. Als Stadtbaurat hatte er alle städtischen Baumaßnahmen zu planen und darauf abgestimmt die Eckpunkte für private Vorhaben zu setzen. Das, was wir heute als Städtebau und Stadtplanung bezeichnen, gab es noch nicht als Studiengang. Wer wie Hackländer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Architektur studierte, der lernte, einzelne Gebäude zu entwerfen. Die planende Gesamtschau auf eine Stadt mit all ihren Funktionen eignete er sich schrittweise durch Praxis an – " learning by doing" würden wir das heute nennen.

Dass Hackländer neben den Aufgaben als städtischer Baumanager auch noch Zeit für eigene Entwürfe fand, muss uns heute umso mehr erstaunen. Das Museum am Kanzlerwall (heute Heger-Tor-Wall) trägt seine auch gegenwärtig noch lesbare neoklassizistische Handschrift. Dabei schaffte er das, was vielen großen Masterplanern und Projektsteuerern heute nicht gelingt: Er hielt die veranschlagten Baukosten ein. 150 000 Mark lautete die Vorgabe für das Museum. Die Schlussrechnung, die Hackländer vorlegte, endete bei 149 680 Mark.

Weiterhin entwarf er das Kriegerehrenmal auf dem Neumarkt, das 1928 zum Straßburger Platz verlegt wurde. Und er zeichnete die Gebäude des städtischen Schlachthofs im heutigen Stadtteil Gartlage. Vielleicht war das der Grund, ganz in der Nähe eine Straße nach ihm zu benennen. Die Hackländerstraße verbindet die Liebig- mit der Alten Poststraße. Manche vermuten, dass die Backhausschule als markantestes Gebäude an der Straße aus Hackländers Feder stamme und deshalb die Straße so heiße. Dem ist aber nicht so: Die im Jugendstil gehaltene Backhausschule wurde erst elf Jahre nach Hackländers Tod unter seinem Nachfolger Friedrich Lehmann 1913 fertiggestellt.

Zurück zu Emil Hackländer. Er kommt am 8. November in Hagen/ Westfalen zur Welt. Sein Vater wird als evangelischer Pfarrer nach Osnabrück versetzt. Emil besucht bis 1846 das hiesige Ratsgymnasium und danach ein halbes Jahr die Noellesche Handelsschule. Bis 1849 ist er als Student der Polytechnischen Schule Hannover eingeschrieben, der Vorläuferin der heutigen Leibniz-Universität Hannover. Es folgen Lehrjahre im Architekturbüro von Oberbaurat Bürklin in München.

1852 besteht Hackländer die Erste technische Staatsprüfung. Er findet Anstellung im technischen Büro der Eisenbahndirektion Hannover. 1856 wird er zum Stadtbaumeister in Harburg berufen. Er heiratet Amalie von Bandel, Tochter des Hermannsdenkmal-Erbauers Ernst von Bandel. In Harburg gestaltet er ein Mausoleum und den Schillerbrunnen gemeinsam mit seinem Schwiegervater. 1870 krönt der Wechsel in die Position des Stadtbaumeisters der größeren Stadt Osnabrück seine Laufbahn. Im Juni 1890 wird er zum Königlichen Baurat ernannt. Seinen Ruhestand ab 1896 kann er sechs Jahre genießen. Er stirbt am 15. August 1902, genau vier Wochen nach seiner Frau.

Bei seinem Amtsantritt war, städtebaulich gesehen, das Mittelalter in Osnabrück noch nicht zu Ende. Die Stadt umgab ein weitgehend geschlossener Ring von Wehranlagen. Von 1872 bis 1876 dirigierte Hackländer den Abriss der Stadtmauern und die Öffnung des eingeschnürten Straßennetzes. Die ehemaligen Wallanlagen wurden nach dem Muster der Wiener Ringstraße zu einer breiten Promenade mit gestalteten Grünanlagen ausgebaut. Wenn es nur nach Hackländer gegangen wäre, dann hätte er den Herrenteichswall nicht ausgespart und genauso plattgemacht. Er wollte keine halben Sachen hinterlassen. Doch mit diesem Ansinnen stieß er auf erheblichen Widerstand in den städtischen Gremien und in der Bürgerschaft. Sie sorgten dafür, dass der erhöhte Spazierweg längs der Hase mit Blick auf die Kirchtürme der Stadt erhalten blieb. Deswegen grollte Hackländer seinen Widersachern bis an sein Lebensende.

Aus heutiger Sicht kann man vielleicht verstehen, dass ihn bei den gewaltigen Infrastrukturaufgaben, die er zu bewältigen hatte, das kulturästhetische Fingerspitzengefühl ab und zu mal verließ. Eine weitere seiner Entscheidungen erscheint heute wenig nachvollziehbar: Die Kapelle des Johannisfriedhofs ließ er mit Glockenzügen ausstatten, die von der Aufbahrungshalle aus zu bedienen waren. Für den Fall, dass ein Scheintoter wieder erwacht.

Bildtexte:
Emil Hackländer, Stadtbaumeister von 1870 bis 1896.
Die Hackländerstraße verläuft zwischen der Alten Poststraße (am oberen Bildrand) und der Liebigstraße. Knapp oberhalb der Bildmitte: das (nicht von Emil Hackländer geplante) Gebäude der Backhausschule.
Der nördliche Beginn der Hackländerstraße.

Foto:
Gert Westdörp, Dierks
Autor:
Joachim Dierks
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