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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Das älteste Gewerbegebiet der Stadt
Zwischenüberschrift:
Gartlage: Bis heute ein Quartier der großen Unternehmen und der kleinen Leute.
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Schicke Villen, hochherrschaftliche Anwesen und feudale Herrenhäuser sucht man hier vergeblich. Die Gartlage, der kleinste Stadtteil Osnabrücks, bebaut im Zuge der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist typisches Quartier der Arbeiter und Handwerker geblieben. Ein Stadtteil der großen Unternehmen und der kleinen Leute, der dennoch ganz verschiedene Gesichter hat.

Dort, wo sich heute der Stadtteil Gartlage erstreckt, wurde bereits 1873 eine Drahtfabrik gegründet. Heute beträgt die gewerbliche Fläche dort rund 65 Hektar und dient als Solitärstandort für die Kupfer verarbeitende Firma Kabelmetal Germany AG & Co. KG (KME). Die Gartlage gehört mit KME den Stadtwerken Osnabrück und der Viehauktions- und Veranstaltungshalle zum ältesten Osnabrücker Gewerbeflächenband, das sich vom Hafen im Nordwesten bis zum Fledder im Südosten hinzieht.

Es ist auch das der Altstadt am nächsten gelegene Mischgebiet von der Innenstadt getrennt nur durch den Remarque-Ring und die Bahnschienen der Ost-West-Verbindung.

Den Schlachthof, dem die Straße zwischen KME und Halle Gartlage ihren Namen verdankt, gibt es schon lange nicht mehr. Auch die Molkerei ist längst geschlossen. Dafür gibt es unter anderem einen Haushaltsgerätefachhandel, den Hauptsitz des Telefonanbieters Osnatel an der Luisenstraße und eine Reihe kleiner Handwerks- und Gewerbebetriebe: Bäcker, Friseur, aber auch zum Beispiel die Messe- und Marketingagentur Global Fairs.

Städtisch und ländlich

Aber hier wird nicht nur gearbeitet, sondern auch gewohnt, gefeiert und Sport getrieben: Haben die hohen Mehrfamilienhäuser am Anfang der Liebigstraße vom Nonnenpfad aus gesehen links – , die Ende des 19./ Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind, mit ihren markanten Gründerzeitfassaden durchaus (groß) städtischen Charakter, muten die kleinen Backsteinhäuser an der " Langen Wand" mit ihren Gärten eher ländlich an. Fast ein Idyll im Grünen, läge nicht unmittelbar hinterm Gartenzaun das KME-Werksgelände.

Für die Arbeiter des früheren Osnabrück Kupfer- und Drahtwerkes (OKD) in den 1920er-Jahren errichtet wurden auch die schmucken Backsteinreihenhäuser am oberen Ende der Liebigstraße mit ihren üppig blühenden Vorgärten damals mit Plumpsklo im Hof, aber jedes mit einem kleinen Garten. Und neben Wohnblocks und Mehrfamilienhäusern gibt es auch ein paar Einfamilienhäuser mit großen Gärten, zumeist aus den 50er- und 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts: Am Klushügel, zwischen Buerscher Straße und Bülowstraße, zeigt die Gartlage ihr bürgerliches Gesicht.

Das gilt auch für die Umgebung des einzigen Schulgebäudes im Stadtteil, der denkmalgeschützten Backhausschule an der Hackländerstraße. Die einstige Mittel- und spätere Grundschule wurde vor vier Jahren mangels Schülern geschlossen. Derzeit wird sie nur als Außenstelle der Berufsbildenden Schulen Pottgraben genutzt. Aber schon in der parallel verlaufenden Luisenstraße dominieren wieder gewerblich genutzte Zweckbauten.

Überhaupt ist das unmittelbare Nebeneinander von Alt und Neu, Schönem und Hässlichen, Industrie, Verkehrsflächen und Natur geradezu das Markenzeichen des Stadtteils. Gleich hinter KME beginnt der Wald. Hinter der Halle Gartlage erstrecken sich von Bachläufen durchzogene Wiesen und die Kleingärten entlang des Bahndamms, die aber schon zum Stadtteil Widukindland gehören. Wie übrigens auch das Haus Gartlage, ein Herrensitz aus dem 16. Jahrhundert, dessen Ursprünge ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

Geht man die Treppen von der geschäftigen Bohmter Straße hinauf zum Klushügel, empfängt eine grüne Oase mit Alleen, Obstbäumen und Schrebergartenidylle den Spaziergänger. Die zwischen Sportanlage und Bahngleise geklemmten Gärten gehören übrigens zum Kleingartenverein Osnabrück-Süd, obwohl sie doch im Osten der Stadt liegen.

Selbst an der Schlachthofstraße, gleich gegenüber der Lkw-Einfahrt von KME, dominiert das Grün. Hier hat mit dem Spielplatz und vor allem mit der großen Skater-Freianlage die Jugend ihren Tummelplatz. Zwar gibt es keinen einzigen Kindergarten, dafür aber gleich sieben Vereine, sieben Bars/ Kneipen, wobei diese Zahl ständig schwankt, zwei Diskotheken (" Virage", ehemals " Cincinnati", an der Baumstraße und " Bastard-Club", Ex-" dk Dance", an der Buerschen Straße), sieben Ärzte und vier Lebensmittelmärkte im Stadtteil. Auch die Osnabrücker Tafel hat im Eckhaus Liebigstraße/ Schlachthofstraße ihr Domizil gefunden.

Remarques " Traumbude"

Was heute kaum noch jemand weiß: Einer der berühmtesten Söhne der Stadt, der Schriftsteller Erich Maria Remarque (" Im Westen nichts Neues"), der sich damals noch schlicht Erich Remark schrieb, war 1915/ 16 häufiger Gast im Dachgeschosszimmer des Hauses Liebigstraße 31.

Dort wohnte nämlich sein Freund, der Maler, Lyriker und Musiker Friedrich Hörstemeier. Dessen " Traumbude", Treffpunkt einer Clique Osnabrücker Bohemiens, hat Remarque in seinem gleichnamigen Erstlingsroman verewigt.

Bildtexte:
Die Lkw-Einfahrt von KME an der Schlachthofstraße.

Gründerzeitliche Fassaden kurz vor der Einmündung der Liebigstraße in den Nonnenpfad.

Die schmucken Häuser der Arbeitersiedlung an der Liebigstraße.

Handskulptur im Hof der denkmalgeschützten Backhausschule.

Hinter der Halle Gartlage wird′s ländlich: das Ende der Schlachthofstraße.

Der Weg an der Sportanlage Klushügel.

Fotos:
Angelika Hitzke
Autor:
Angelika Hitzke


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