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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mit der Gemeinde Nahne verheiratet
Zwischenüberschrift:
Straßenkunde: Bürgermeister Bernhard Avermann förderte Kirchenbau und Vereine
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Eine der kürzesten Straßen im Stadtteil Nahne hat den längsten Namen. Sie verbindet den Nahner Kirchplatz rund um die St.-Ansgar-Kirche mit der Iburger Straße. Die südliche Straßenseite nimmt das Autohaus Rahenbrock (früher: Disselkamp) ein. Gegenüber liegen vier Siedlungshäuser. Das ist die Bernhard-Avermann-Straße.

Sie trägt den Namen des letzten Gemeindedirektors der bis 1972 selbstständigen Stadtrandgemeinde Nahne. Er hat den " Anschluss" an die Stadt nicht besonders geliebt, schon gar nicht gefördert und bis zuletzt für den Aufbau dezentraler Strukturen gekämpft, die bis heute den Bewohnern des Stadtteils zugutekommen.

Sohn Bernd Avermann erinnert sich daran, wie deprimiert sein Vater eines Tages von einem Termin in der Osnabrücker Stadtverwaltung zurückkam. Er hatte mit seinen Mitarbeitern einen Kastenwagen voller Gemeindeakten abgeliefert, sozusagen das Kondensat seines langjährigen Einsatzes als Gemeindedirektor. Die städtischen Mitarbeiter hätten seinen Vater herablassend behandelt, entnahm Bernd damals den Schilderungen am Mittagstisch. " Das muss so nach dem Motto gegangen sein: , Da ist die Ecke, wo ihr das hinpacken könnt, und dann haltet uns hier nicht länger auf.′ Es fiel kein einziges verbindendes Wort."

In Bernhard Avermanns Zeit als Chef der Gemeindeverwaltung fielen wichtige Großvorhaben wie der Bau der Südumgehung E 8 (heute Autobahn 30) über Nahner Gemeindegebiet, der Bau des Franziskus-Hospitals und die Errichtung des Marktkauf-Centers. Auch wenn die Gemeinde nicht selbst als Bauherr auftrat, so waren doch in allen Fällen Nahner Interessen berührt, die es sorgfältig zu wahren galt. Die unmittelbare Nachbarschaft der vierspurigen Autostraße sah Avermann wie wohl die meisten Nahner Bürger in den 1960er-Jahren nicht als Problem, sondern eher als eine Chance für die weitere Gemeindeentwicklung an. Den großflächigen Ansiedlungen des Einzelhandels stand er hingegen skeptisch gegenüber.

Bei den gemeindeeigenen Baumaßnahmen setzte Avermann sich entschieden für den Ausbau der Kanalisation und der Frischwasserversorgung ein. Auch die Anlage von Sportstätten und den Straßenbau trieb er voran. Bei seinem Amtsantritt waren die meisten der heutigen Nahner Straßen noch ungepflastert und ungeteert. Viele Wohnsiedlungen wie diejenigen um Paradiesweg und Wiesental oder die Bebauung längs der Frankfurter Heerstraße tragen seine Handschrift.

Am 3. März 1909 wird Bernhard Avermann in Nahne geboren. Er besucht die Volksschule Nahne und wird Gärtner. Von 1948 bis 1958 ist er selbstständiger Landschaftsgärtner. Er tritt in die CDU ein und entwickelt Interesse für die Kommunalpolitik, lässt sich in Gemeinderat und Kreistag wählen. Über die Politik macht er nähere Bekanntschaft mit der Verwaltungsarbeit. Die Stelle des Gemeindedirektors schließlich füllte ihn vollständig aus. Seine Witwe Lucia Avermann, heute 82, blickt zurück in das Jahr 1959, als sie den 20 Jahre Älteren heiratete, für den die Vermählung die zweite Ehe war. " Für die Abende in der Woche hatte er mir von vornherein nicht viel Hoffnung gemacht. Da war klar, dass er in den Gremien sitzen würde. Aber die Wochenenden sollten der Familie gehören. Das war sein Eheversprechen", erzählt die alte Dame belustigt, " aber da wurde natürlich meistens auch nichts draus."

Für die Söhne Thomas und Bernd waren die Sonntagsspaziergänge durch den Ort eine Qual. Alle 50 Meter wurde der Vater angesprochen und mit den Sorgen und Nöten seiner Mitbürger konfrontiert, die er sich natürlich zu eigen machte.

Bernhard Avermann wird als konservativer, fest in seinem Glauben verwurzelter Mensch beschrieben. Als Vorsitzender des Kirchenbauvereins trieb er den Bau der St.-Ansgar-Kirche voran, die 1965 geweiht wurde. Von da an brauchten die Nahner Katholiken nicht mehr den weiten Weg zur Johannis- oder zur Josefskirche auf sich zu nehmen. Die Nahner Jugend sei am besten in einem katholisch geprägten Sportverein aufgehoben, befand er. Von 1947 bis 1958 war er Vorsitzender der von ihm mitgegründeten DJK Rasensport von 1925. Genauso unterstützte er aber auch die Gründung eines zweiten, nicht konfessionell ausgerichteten Sportvereins. Am 22. August 1961 leitete er die Gründungsversammlung des TuS Nahne in der Gaststätte " Paradies" am Paradiesweg. Den letzten Tag " seiner" Gemeinde in Selbstständigkeit erlebte Bernhard Avermann nicht mehr. Er starb fünf Wochen vorher, am 27. Mai 1972, an Krebs. Er wurde nur 63 Jahre alt. Noch im selben Jahr stimmte der Osnabrücker Rat dafür, den ehemaligen Nahner Kirchweg in Bernhard-Avermann-Straße umzubenennen.

Bildtexte:
Die spätere Bernhard-Avermann-Straße (damals noch Kirchweg) zwischen 1955 und 1960. Sie zweigt rechts neben Esso-Tankstelle und Autohaus Disselkamp von der Iburger Straße ab. Die Kirche St. Ansgar gibt es noch nicht. Sie wurde erst 1965 geweiht.
Bernhard Avermann an seinem Arbeitsplatz im Nahner Gemeindebüro (um 1970).
Seit 1972 gibt es die Bernhard-Avermann-Straße.

Fotos:
Privatarchiv Familie Avermann, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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