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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Lust und Last des Baudenkmals
Zwischenüberschrift:
Die Dütemühle in Atter wartet noch auf eine neue Nutzung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Nur ein Buchstabe unterscheidet die Lust von der Last, und ganz dicht liegen beide Begriffe auch für die Eigentümer der denkmalgeschützten Dütemühle in Atter beisammen. Familie Ahrling-Kämper hat in den letzten Jahren mit erheblichem Aufwand das östlich hinter der Mühle liegende Gutshaus Hettlage mit Nebengebäuden denkmalgerecht saniert. Die Mühle wäre als Nächste dran. Doch wozu?

" Es drängt sich keine sinnvolle Nutzung auf", erklärt Jutta Ahrling-Kämper, " die nutzbare Fläche in der Mühle steht in keinem Verhältnis zu dem immensen Renovierungsaufwand." Der Holzfußboden über dem Düte-Durchfluss ist nicht mehr tragfähig. Als der Mahlbetrieb eingestellt wurde, verschwand zwar das Mehl, aber nicht das Ungeziefer, das bei der Mühle, solange sie noch aktiv war, stets in Schach gehalten wurde. Inzwischen sind auch Teile des Dachstuhls befallen. Kleinere Schäden im Pfannendach sind mit Zinkblech notdürftig geflickt. " Als Erstes müsste das Dach gemacht werden, aber ohne Zuschüsse gehen wir da nicht ran", sagt Ahrling-Kämper.

Sie ist die Enkelin und Erbin des Guts- und Mühlenbesitzers Giesbert Bergerhoff (1896 1979), der der Gemeinde Atter vor 1945 und von 1952 bis 1956 als Bürgermeister und nebenamtlicher Gemeindedirektor vorstand. " Ich hänge natürlich an der Mühle, ein Verkauf kommt nicht infrage", gibt sie zu verstehen. Seit 40 Jahren wohnt Ahrling-Kämper im Gutshaus, und auch davor war sie häufig bei den Großeltern zu Besuch, erlebte das große Anwesen als einen riesigen Abenteuer-Spielplatz. Die Großmutter kümmerte sich mehr um die Landwirtschaft, der Großvater mehr um den Mühlenbetrieb.

Auf der historischen Ansicht aus dem Jahr 1940 ist rechts die Sägemühle zu sehen. " Die habe ich noch in Betrieb erlebt, da haben wir als Kinder staunend zugeguckt", erinnert sich die heutige Eigentümerin. Irgendwann später wurde das Gebäude wegen Baufälligkeit abgerissen. Links daneben schließt sich das niedrige Akkumulatorenhaus an.

Das eigentliche Mühlengebäude stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist also im Vergleich zur ersten Nennung einer Mühle an dieser Stelle im Jahr 1444 noch recht jugendlich. Auch die Wasserkraftnutzung war durchaus fortschrittlich, nämlich nicht mit einem Wasserrad, sondern turboelektrisch über eine Turbine. Die ganze Mühlentechnik ist noch vorhanden, aber nicht mehr betriebsbereit. Auf der alten Aufnahme sieht man das Dütewasser aus dem Durchlass im Gebäude ausströmen, während heute der Mühlenkolk still und stumm daliegt.

Die Hauptmenge des Dütewassers wird seit 1973 südlich am Gut Hettlage vorbeigeleitet. Der zur Mühle führende Altarm ist auf den letzten 150 Metern bis zur Mühle verrohrt. Dadurch haben die Gutsbesitzer eine große durchgehende Rasenfläche gewonnen. Der großzügige Landschaftspark erstreckt sich über den alten Sägemühlenplatz mit dem Holzlager und reicht bis an die Mühlengebäude heran. Bei der Düteregulierung wurde 1973 auch die alte steinerne Bogenbrücke im Zuge der Birkenallee mitsamt dem höher gelegenen Holzsteg abgerissen. Der war 1958 für die Fußgänger angelegt worden, weil die alte Kreisstraßenbrücke bei den häufigen Hochwasserständen der Düte kein Durchkommen auf trockenem Fuß erlaubte.

Mühlen hatten im ausgehenden Mittelalter eine große wirtschaftliche Bedeutung. Die Geschichte der Mühlen ist eine Geschichte der Adelsgeschlechter. In alten Aufzeichnungen ist nachzulesen, dass der Knappe Wilhelm von Stael vom Gut Sutthausen 1444 auch Besitzer der Mühle zu Atter mit dem Erbe Mulenhus war. 1488 verkauft Dietrich von Stael sie an Bernhard von Gruben. 1529 heiratet der spätere Altstadt-Bürgermeister Jost von Hettlage ein. Die Hettlages sind alter Osnabrücker Stadtadel, der durch die Wandschneiderei (Tuchhandel) zu Reichtum und Einfluss gekommen war.

Mühlenstandorte und Staurechte boten häufig Anlass zu Streit. So auch in Atter. 1549 erbaute Ritter Otto Grothaus eine Dütemühle ganz in der Nähe, ohne sich die Erlaubnis des Herrn von Hettlage einzuholen. Jost von Hettlage ließ die Mühle zerstören, Grothaus baute sie wieder auf, Hettlage zerstörte sie ein weiteres Mal. Das löste eine längere Fehde aus, die als " Grothaus-Fehde" in die Annalen einging. Grothaus wurde vom Grafen von Tecklenburg unterstützt, Hettlage von der Stadt Osnabrück. Schließlich kam es am 21. März 1591 zum Showdown in der Nähe von Bramsche. 300 Mann starben beim " Blutbad im Gehn".

Seitdem geht es ruhiger zu rund um die Dütemühle. Nur die Düte selbst sorgt ab und zu für Aufregung. Wie zuletzt beim August-Hochwasser 2010. Da stand der ganze Park des Gutes meterhoch unter Wasser. Die Düte vergisst nie, wo sie einst hergeflossen ist.

Bildtexte:
Die Mühle in Atter im Jahre 1940. Aus dem Durchlass im Mühlengebäude strömt Dütewasser, das zuvor eine Turbine angetrieben hat.
Unverändert hat das Mühlengebäude die Zeiten überdauert, ist aber derzeit ungenutzt und bedarf einer gründlichen Erhaltungssanierung.

Fotos:
Hans Hasekamp, aus dem " Bildarchiv Alt-Osnabrück" Band 3, Hrsg. Wido Spratte, Osnabrück, H. Th. Wenner, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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