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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Ein Ort zum Abheben
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Der Stadtteil Atter steht für Wohnen, Wohlfühlen und Wirtschaften
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Eigentlich hat Atter alles. Der Osnabrücker Stadtteil steht für Wirtschaften, Wohnen und Wohlfühlen. Nur einen Supermarkt findet man innerhalb der Grenzen nicht. Und jetzt hat auch noch der Tante-Emma-Laden an der Birkenallee zugemacht.

Das Tor vor der ehemaligen Briten-Kaserne an der Landwehrstraße ist verschlossen. Das Vereinsschild des Osnabrücker Sportclubs hängt am Zaun. Der Fahrer eines Paketdienstes schaut irritiert durch die Gitter, stopft schließlich das Päckchen in einen Briefkasten und düst davon. " Normalerweise sitzt hier ein Pförtner und lässt die Leute rein", sagt Manfred Niemann. Der Vorsitzende des Bürgerforums für Umwelt und Soziales bezeichnet die Kaserne als Atters größtes Sorgenkind.

Mit 37 Hektar war die Kaserne die Quebec-Barracks der zweitgrößte Standort der britischen Streitkräfte in Osnabrück. Errichtet wurde die Militäranlage bereits im April 1941 als " Lager Eversburg". Sie diente überwiegend zur Unterbringung Kriegsgefangener, bis zu 5000 serbische Offiziere waren hier interniert. Bei einem Bombenangriff der Alliierten am 6. Dezember 1944 starben 160 Menschen.

Nach dem Krieg übernahm die britische Armee das Gelände in Atter. Zwei Anschläge irischer Terroristen schreckten die Bewohner Ende der 80er- und Mitte der 90er-Jahre auf. Mitglieder der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) zündeten im Juni 1989 eine Bombe. Weitere Sprengkörper, die neben Schlafquartieren der Soldaten lagen, brachten die Terroristen nicht mehr zur Explosion. Im Juni 1996 schossen Terroristen eine Mörsergranate auf die zentrale Tankstelle ab. " Ich stand damals draußen mit meiner Nachbarin, als es fürchterlich knallte", erinnert sich Niemann. " Dann kam die Druckwelle." Menschen kamen bei den Anschlägen nicht ums Leben.

Die Briten sind im September 2008 aus Atter abgezogen. Zurück ließen sie Baracken aus der Kriegszeit, moderne Quartiere und Panzerhalle und Sportanlagen. Die Verwaltung des Geländes obliegt der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz Bima genannt. Wie es weitergeht? Dazu gibt es bisher nur vage Äußerungen.

" Eine Spedition wollen wir hier jedenfalls nicht haben", sagt Niemann. Sein Verein setzt sich ein für eine Wohnbebauung und die Ansiedlung von Handwerks- und Gewerbebetrieben als Lärmpuffer zu den Bahnschienen, emissionsarmes Gewerbe wohlgemerkt. Glaubt man den Ausführungen auf den Internetseiten der Stadt Osnabrück, schlagen die Planungen auch grob diese Richtung ein. " Und ein Einkaufszentrum wünschen wir uns ebenfalls", sagt Niemann.

Warum haben es die großflächigen Lebensmittelhändler so schwer in Atter? Im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform ist Atter ein Stadtteil Osnabrücks geworden, der dörfliche Charakter ist dennoch erhalten geblieben. Am ausgeprägtesten ist diese Eigenschaft an der Atter-Mühle im Ortskern. Sie ist eine von drei Wassermühlen, die im Stadtgebiet an der Düte liegen. Versteckt liegende Fachwerkhäuser sind Zeugen ehemaliger bäuerlicher Strukturen.

Die Ortsmitte ist neben der Strothe-Siedlung im Norden und Atterfeld im Südwesten allerdings nur einer von drei Siedlungsschwerpunkten, auf die sich die Kaufkraft der 4164 Einwohner verteilt. Ob sich jemals ein Supermarkt in einer der drei Siedlungen niederlässt, ist fraglich: Zu klein ist offenbar das jeweilige Einzugsgebiet, um rentabel Handel zu treiben. Der Wirtschaft hat Atter ansonsten viel Platz anzubieten: An der Autobahnabfahrt Hafen und in Atterfeld liegen großzügige Industrie- und Gewerbegebiete. Hier backt das Dorf keine kleinen Brötchen. Das deutschlandweit bekannteste Unternehmen ist wohl die Konditorei Coppenrath & Wiese. An der Straße " Zum Attersee" hat der Familienbetrieb seine Hauptverwaltung und das Logistikzentrum untergebracht. Produziert werden Blechkuchen und Kirsch-Torte in Mettingen. Über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind ebenfalls die beiden Seen: der Rubbenbruchsee im Osten und der Attersee im Westen.

Das Leben im Dorf ist Fluch und Segen zugleich. 2007 hat die evangelisch-reformierte Gemeinde Osnabrück die Atterkirche an die Evangelischen Stiftungen verkauft. Schwindende Mitgliederzahlen und sinkendes Kirchensteueraufkommen waren die Gründe. Im Januar 2008 feierten die Gemeindeglieder in dem Gotteshaus den letzten Gottesdienst. Darin fand auch die Schlüsselübergabe an den Verein " Wir in Atter" statt, die als Mieter die Kirche seitdem zu einem lebendigen Stadtteilzentrum ausgebaut hat. In einem Dorf ist der Zusammenhalt der Menschen noch groß, so sagt man es jedenfalls.

Übrigens, Atter ist der Stadtteil, von dem man Osnabrück am schnellsten verlassen kann: In der Atterheide bietet der Aero-Club Charter- und Rundflüge an. Atter ist eben ein Ort zum Abheben.

Bildtext:
Impressionen aus Atter: Abheben am Flugplatz Atterheide, Badefreuden am Attersee, Torten von Coppenrath & Wiese, Terror an der ehemaligen Briten-Kaserne und Idylle am Gut Leye.

Grafik:
Matthias Michel

Name

Der Stadtteil Atter wurde 1972 nach Osnabrück eingemeindet. Woher der Name stammt, ist nicht eindeutig zu klären. In Grimms Wörterbuch findet sich die Ableitung von " Natter", ob aber auf der Atterheide oder dem Atterfeld jemals Schlangen ihr Unwesen trieben, ist nirgendwo belegt.

Zahlen

In Atter leben heute 4164 Einwohner, damit nimmt Atter den 17. Platz in der Statistik der 23 Osnabrücker Stadtteile ein. Alterszusammensetzung (Zahl der ausländischen Mitbürger in Klammern):

unter 7 Jahren = 281 (14),

7 bis 14 Jahre = 274 (11),

14 bis 18 Jahre = 174 (10), 18 bis 40 Jahre = 1011 (101), 40 bis 65 Jahre = 1408 (103), 65 Jahre und älter = 756 (21)

Um die Menschen kümmern sich fünf Arzt- und ärztliche Gemeinschaftspraxen, darunter eine für Zahnheilkunde.

Die Fläche beträgt 1075, 92 Hektar (Stadt gesamt: 11980), davon sind 78, 78 ha Wohnbaufläche, 32, 48 ha gemischte Baufläche (mit Gewerbe), 79, 26 ha gewerbliche Baufläche, 37, 01 ha Sonderbaufläche (z. B. Einrichtungen des Bundes, großflächiger Einzelhandel), 3, 44 ha für Gemeinbedarf, 60, 33 ha Verkehrsfläche (davon 37, 58 Straßen, 9, 71 ha Bahnanlagen, Luftverkehr 13, 04 ha), 2, 94 ha Sportplätze, 3, 75 ha Friedhöfe, 61, 04 ha sonstige Grünflächen, 425, 84 ha Landwirtschaft, 259, 40 ha Wald/ Forstwirtschaft, 25, 72 ha Wasserflächen.

Besonderes

Atter bietet reichlich Platz für Natur. Das Leyer Holz mit dem gleichnamigen Gutshof, der Attersee und ein Teil des westlichen Ufers des Rubbenbruchsees laden zur Naherholung ein. Der westlichste Stadtteil verfügt über den einzigen Flugplatz Osnabrücks.

Vor Ort

Am Freitag, 3. August, ist die NOZ-Redaktion vor Ort in Atter. Von 9 bis 11 Uhr bitten Till und Kollegen vor der " Gläsernen Bäckerei Wellmann",

Birkenallee 64 in Atterfeld, zum Gespräch.
Autor:
Christoph Granieczny


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