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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Inhalt:
Überschrift:
Die Nette-Auen an der Kaserne sind sein Verdienst
Zwischenüberschrift:
Straßenkunde: Jack West war von 1981 bis 1991 britischer Verbindungsoffizier in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Jack West hat seine Osnabrücker Jahre einmal als die schönsten seiner Laufbahn bezeichnet. Er mochte die Osnabrücker, mit denen er zu tun hatte, und die Osnabrücker mochten ihn. Er war von 1981 bis 1991 britischer Verbindungsoffizier zu einer Zeit, als Tiefflieger-Stress und Panzerlärm noch zum Tagesgeschäft gehörten. Er war ein Meister der Balance. Einerseits hatte er die Interessen der Streitkräfte zu vertreten, die ihren Verteidigungsauftrag in Zeiten des Kalten Krieges zu erfüllen hatten. Und dazu gehörten nun einmal auch Übungen mit allen Begleiterscheinungen.
Immer ein offenes Ohr
Andererseits machte er sich die Interessen der Zivilbevölkerung zu eigen. Er zeigte Verständnis für Beschwerden und setzte sich entschieden dafür ein, vermeidbare Belastungen abzustellen. Zu den Oberbürgermeistern Carl Möller und Ursula Flick und zum Oberstadtdirektor Dierk Meyer-Pries pflegte er kollegiale bis freundschaftliche Beziehungen. Als die Stadtspitze mit dem Wunsch an die Briten herantrat, den verwilderten Nette-Abschnitt zwischen Haster Mühle und Mühleneschweg zu einem erlebbaren Naherholungs-Grünstreifen zu kultivieren, setzte Jack West sich mit aller Energie dafür ein.
Er machte der britischen Seite klar, dass der Flusslauf in der Nachbarschaft der Roberts Barracks, der ehemaligen Winkelhausen-Kaserne an der Netter Heide, dann ja auch von britischen Soldaten und ihren Familien genutzt werden könnte. Es klappte. Pionier-Einheiten säuberten den Fluss, renaturierten einen Altarm, bändigten den Wildwuchs an Gehölzen zwischen der Nette und der Römereschstraße und legten einen Wanderweg an. Die Fertigstellung erlebte Mr. West nicht mehr. Er starb am 15. April 1991 mit nur 59 Jahren an einem Herzinfarkt. Zu seinem Gedenken erhielt der Nette-Auenweg den Namen Jack-West-Weg. Es würde ihn sicherlich freuen, dass das kleine " innerstädtische Nettetal" im Zuge der Grüngürtel-Gestaltung durch das ehemalige Kasernengelände demnächst noch weiter aufgewertet werden wird.
John Davis (Jack) West kommt am 1. März 1932 in Hull zur Welt. Seinen Wehrdienst (1952 bis 1955) leistet er großenteils bei der Royal Army in Ägypten ab. Während der Suez-Krise muss er wieder nach Ägypten. Von den Fallschirmabsprüngen über dem Nil, die eigentlich nicht seinen Wunschträumen entsprachen und wohl bleibende Eindrücke hinterließen, hat er seinen Osnabrücker Mitarbeitern später häufig erzählt.
Eine weitere Station (1958 bis 1960) ist Nairobi in der damals noch britischen Kronkolonie Kenia. Danach in Devon bei einem Fernmelderegiment wird West 1962 zum Major befördert. Bekanntschaft mit Deutschland macht er 1967 zuerst in Detmold als Ausbilder. 1975 beendet er seine Militärlaufbahn und studiert Sprachen in Lincoln, nämlich Deutsch und Spanisch. Das wiederum befähigt ihn, " SLO" (Services Liaison Officer Verbindungsoffizier) zu werden. Zwei Jahre (1979 bis 1981) füllt er diese Funktion in Verden aus, danach wird er zu der wesentlich größeren Garnison Osnabrück versetzt. " Wir mussten Mister West′ zu ihm sagen, nicht etwa Colonel West′", unterstreicht Annegret Malen die zivile Grundausrichtung des Verbindungsbüros, die der vermittelnden Brückenfunktion zur Osnabrücker Zivilgesellschaft sicherlich entgegen- kam. Malen versah 30 Jahre lang im Verbindungsbüro an der Kokschen Straße und später in der Quebec-Kaserne ihren Dienst als Assistentin zunächst von Mr. Jack West, danach von seinen Nachfolgern Jock Smith und Christopher Linaker. " Er war ein Arbeitstier", sagt sie über ihren ersten Chef. Seine große Menschenkenntnis habe ihm geholfen, die anstehenden Aufgaben einfühlsam und dabei stets geradlinig und korrekt zu bewältigen. Ob es um Panzerlärm ging oder um Anwohner-Proteste gegen den Bombenabwurfplatz in Nordhorn, ob britische Soldaten eine Kneipe zerlegt hatten oder Alimente schuldig blieben, ob eine Party zu organisieren oder einem Mitglied des Königshauses beim Truppenbesuch der Regenschirm zu halten war immer machte Jack West eine souveräne Figur und war dabei keineswegs frei von Humor. Aber eben auf die feine englische Art.
Die Witwe lässt grüßen
Ende 1990 traten bei ihm Herzprobleme auf. Im April 1991 begab er sich zu einer vorab geplanten Bypass-Operation in die englische Heimat. Drei Tage nach der OP traten Komplikationen auf, die er nicht überlebte.
Seine Witwe Vera West, 78, lebt heute in Littlebourne bei Canterbury. Sie lässt über ihre Freundin Annegret Malen den Osnabrückern herzliche Grüße ausrichten und versichert, wie gern sie sich an die Osnabrücker Zeit an der Seite ihres Mannes zurückerinnert.

Bildtext:
Jack West setzte sich dafür ein, dass britische Pioniere die Nette-Auen renaturierten.

Fotos:
privat, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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