User Online: 2 | Timeout: 16:23Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Schotter, Schrott und schöne Aussicht.
Zwischenüberschrift:
Mit der MS Lyra in den Osnabrücker Stadthafen.
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Kein Hafen ohne Rundfahrt. Was in Hamburg Tradition hat, darf in Osnabrück nicht fehlen. Neuerdings schippert die MS Lyra durch die Haster Schleuse bis zum Ende des Stichkanals. Es ist eine Tour quer durch den Stadtteil, dem der Industriehafen seinen Namen geben hat.

Nur Eingeweihte finden den Anleger am Süberweg auf Anhieb. Er befindet sich unterhalb einer alten Verladerampe der Piesberger Steinindustrie, die inzwischen zum Cemex-Konzern gehört. Die MS Lyra liegt abfahrbereit, Kapitän Wolfgang Bonfert steht am Steuer. Früher fuhr er mit der Handels- und Fischereiflotte zur See. Seit 2007 ist er auf dem Kanal unterwegs, und zwar mit einem ehemaligen holländischen Grachtenboot, das nur 60 Zentimeter Tiefgang hat und daher besonders wendig ist.

Mit zwölf km/ h geht es Richtung Haster Schleuse. Über hohen Spundwänden ragt links die Herhof-Anlage empor, in der seit 2006 der Restmüll aus der Stadt und dem Landkreis verarbeitet wird. Überhaupt spielen unsere Hinterlassenschaften im Stadtteil Hafen eine große Rolle. Südlich des Stichkanals liegt das Klärwerk, in dem ein Großteil des Osnabrücker Schmutzwassers gereinigt wird. Ein Stück weiter an der Hafenringstraße hat der Abfallwirtschaftsbetrieb seit 2004 sein Domizil.

Nach anderthalb Kilometern ist die Schleuse erreicht. Schiffe müssen hier einen Höhenunterschied von 4, 75 Metern überwinden, um in den Stadthafen einfahren zu können. Die Tore werden geschlossen, aus dem Hafenbecken strömt Wasser in die Schleusenkammer, die MS Lyra hebt sich. Über ein Tunnelsystem wird anschließend das fehlende Wasser aus dem unteren Kanalabschnitt wieder nach oben gepumpt. Schleusenmeister Hubert Meyer achtet darauf, dass der Wasserstand im Stadthafen konstant 59, 80 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Im Schnitt schleust er fünf bis sechs Schiffe pro Tag manchmal sind es mehr; es gibt aber auch Tage, an denen gar kein Schiff kommt.

Die Haster und ebenso auch die Hollager Schleuse sind die beiden Nadelöhre des 14, 5 Kilometer langen Stichkanals, der in den vergangenen Jahren aufwendig ausgebaut wurde. Größere Frachtschiffe (länger als 82 Meter und breiter als 9, 50 Meter) können nicht geschleust werden, sie können daher den Osnabrücker Hafen nicht ansteuern.

Das ist der Grund, dass der schiffsgebundene Güterumschlag in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen ist. Er lag 2011 bei 538 000 Tonnen (Schrott für das Stahlwerk in Georgsmarienhütte, Sand und Schotter für die Firma Bergschneider, Zellulose für die Papierfabrik Ahlstrom, etwas Mineralöl und gelegentlich auch Futtermittel), 1965 waren es über eine Million Tonnen. Weitaus mehr wird inzwischen über die Bahn abgewickelt. 2011 waren es 1, 1 Millionen Tonnen. Insgesamt entwickele sich der Güterumschlag im Hafen positiv, sagt Werner Tegeler, Geschäftsführer der Hafenbetriebsgesellschaft, und weist auf ein Gesamtplus von 17, 1 Prozent gegenüber 2010 hin.

Er schätzt, dass 2500 Arbeitsplätze direkt vom Industriehafen abhängig sind. Das sind mehr, als es Einwohner im Stadtteil gibt. Knapp 2300 Menschen leben zwischen Natruper Straße und Fürstenauer Weg, zwischen Wachsbleiche und Glückaufstraße viele davon in der Siedlung Wippchenmoor. Deren Bewohner möchten lieber Eversburger sein und fühlen sich als Opfer einer willkürlichen Grenzziehung.

Die MS Lyra hat derweil die Haster Schleuse hinter sich gelassen und fährt unter der Römereschbrücke hindurch. Es bieten sich spektakuläre Aussichten, die nur vom Wasser aus möglich sind auf leuchtend grüne Kräne und Schrottberge, auf Güterzüge und Lastwagen der Firma Hellmann, die den nordöstlichen Teil des Hafenbeckens in Beschlag nimmt.

Wolfgang Bonfert stoppt, die MS Lyra wendet und legt an. Es bleibt das schöne Gefühl, das wahre Gesicht eines Stadtteils gesehen zu haben, den viele nur von den Durchgangsstraßen kennen.

Bildtexte:

Nimm mich mit Kapitän auf die Reise: Seit Mai 2007 steuert Wolfgang Bonfert die MS Lyra über den Kanal.

Kräne dominieren das Bild: Bei der Firma Bergschneider wird ein Kanalschiff entladen.

Einfahrt in die Haster Schleuse: 4, 75 Meter Höhenunterschied müssen Schiffe hier überwinden.
Autor:
Holger Jansing/Jörn Martens


Anfang der Liste Ende der Liste