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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mit Segeltuch ein Vermögen gemacht
Zwischenüberschrift:
Stiftung hilft Altenpflege und Jugendfürsorge
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ohne ihn wäre das Cabrio-Fahren bei Regen eine verdammt ungemütliche Sache. Ohne ihn wären aber auch die Osnabrücker Sozialeinrichtungen bedeutend ärmer. Julius Heywinkel war ein erfindungsreicher Textilfabrikant und ein großherziger Stifter. Der nach ihm benannte Weg zweigt bei der Markuskirche von der Natruper Straße ab. Er säumt das Land, das Heywinkel einst der evangelischen Kirche schenkte, um darauf ein neues Gotteshaus errichten zu können.

Gern hätte Heywinkel noch die Grundsteinlegung der Markuskirche am ersten Advent 1958 miterlebt. Es war ihm nicht vergönnt. Er starb im Januar 1958. Fast 81 Jahre zuvor kam er in der Leineweberstadt Bielefeld als Sohn eines Webereifachmanns zur Welt. Der berufliche Weg in die Textilfertigung war ihm sozusagen in die Gene eingeimpft worden.

In die Lehre geht er bei der Mechanischen Weberei Albert Terberger an der Lotter Straße. Anschließend sammelt er Auslandserfahrungen in Schweden, ehe er 1912 nach Osnabrück zurückkehrt. Er hat viele Betriebe kennengelernt und seinen Horizont ständig erweitert, sodass ihm das Ziel nun klar vor Augen steht: die Selbstständigkeit. Er gründet eine kleine Baumwollweberei an der Bohmter Straße in einer ehemaligen Korkfabrik. Bald wird es zu eng, er verlegt den Betrieb in die Oststraße in Schinkel.

Es ist wohl ein glücklicher Zufall, dass um diese Zeit in Oschersleben bei Magdeburg ein Segeltuchhersteller in Konkurs geht. Heywinkel kauft den Betrieb auf und nimmt Maschinen und Know-how mit nach Osnabrück. Mehr und mehr entwickelt sich die Firma Heywinkel zum Spezialisten für hoch belastbare technische Stoffe. In der Firmierung taucht der Begriff " Schwerweberei" auf. Weltweit genießen " Heywinkel-Segeltuchleinen" einen guten Ruf. Die rasch fortschreitende Technisierung weiter Lebensbereiche und insbesondere die Automotorisierung und der Freizeitsektor eröffnen eine Vielzahl neuer Anwendungen. Heywinkel produziert Zelte, Abdeckplanen, Stoffe für Autositze und Cabrio-Dächer. Der Autobauer Karmann wird Großabnehmer.

Weder Julius Heywinkel noch seine Geschwister haben Nachkommen. 1957, ein Jahr vor seinem Tod, verkauft Julius die Firma, der er 45 Jahre seines beruflichen Schaffens gewidmet hatte, an den Großkunden Karmann. Die Firma behält seinen Namen. Karmann stattet sie mit dem nötigen Kapital aus, um sich auf den Märkten der technischen Spezialgewebe auch außerhalb der Automobilbranche weiterentwickeln zu können.

Karmann selbst braucht Erweiterungsflächen im Fledder. Auch deshalb wird Heywinkel im Jahr 2000 nach Bramsche-Engter ausgelagert. Für 31 Millionen Mark ist dort auf fünf Hektar grüner Wiese ein großzügiges neues Werk für " Karmanns schönste Tochter", wie Karmann-Geschäftsführer Klaus Battenfeld sie bezeichnet, entstanden.

2007 erfolgt die Loslösung von Karmann, eine Investorengruppe aus dem Sparkassensektor wird neuer Eigentümer. Mit Tochtergesellschaften in Sachsen und in China, mit einer Produktpalette von Stoffen für Turnmatten, Großplakaten und Rettungsinseln über Innenraumverkleidungen für Autos bis hin zu kompletten Fahrerkabinen erzielt die Heywinkel-Gruppe heute 140 Millionen Umsatz und steht besser da als je zuvor.

Man darf wohl sagen, dass es manchmal auch sein Gutes hat, wenn vermögende Leute kinderlos bleiben. Jedenfalls dann, wenn sie ihr Vermögen gemeinnützigen Stiftungen vermachen und es so der Gesellschaft zurückgeben.

Julius und seine Schwester, die Kunsterzieherin Amanda Heywinkel, genannt Adda, gründen Stiftungen mit dem Zweck der Altenpflege und der Jugendfürsorge. Die Julius-Heywinkel-Stiftung finanziert den Bau des Altenheims Heywinkel-Haus an der Bergstraße. 1971 wird es eingeweiht. Zu den ersten Bewohnerinnen gehört Adda Heywinkel. Sie stirbt dort 1972.

Die Adda-Heywinkel-Stiftung fördert zu gleichen Teilen Bau und Unterhalt von Altenheimen und von Einrichtungen der Jugendpflege. Im April dieses Jahres wurde etwa die Kita an der Turnerstraße mit 15 000 Euro für einen Austausch des in die Jahre gekommenen Mobiliars bedacht.

Seit 1963 erinnert die Stadt mit der Benennung des Julius-Heywinkel-Wegs an den geradlinigen, " königlichen" Kaufmann alten Schlages und sozial gesonnenen Menschenfreund Julius Heywinkel.

Und damit auch an seine Schwester.

Bildtexte:
Der Julius-Heywinkel-Weg am Westerberg.
Julius Heywinkel

Fotos:
Joachim Dierks
Archiv
Autor:
Joachim Dierks


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