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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Schöner wohnen in der Wassermühle.
Zwischenüberschrift:
Die "richtige" Sutthauser Mühle liegt südlich des Gasthauses im Gutsbezirk.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Um 1915 klapperte munter die Mühle, und es rauschte der Bach, wie die kolorierte Ansichtskarte zeigt. Heute leitet die Düte nach wie vor ihr Wasser an der Sutthauser Mühle vorbei, aber das Mühlrad ist nicht mehr betriebsbereit. Bis 1959 wurde hier gemahlen, dann verfiel die Mühle. Ihre Grundmauern stammen aus der Zeit um 1407.

" Wir haben das Mühlrad 1983 instand gesetzt und neue Schaufelbleche einschweißen lassen", sagt Thomas Biege, " weil wir Strom erzeugen wollten, aber die Fließgeschwindigkeit reichte nicht aus." Seine Frau Beate ist die Enkelin des letzten Müllers Gottfried Voss. Als der 1981 starb, erbte sie das total heruntergekommene Anwesen und machte sich mit ihrem Mann an die Restaurierung. Ihr Ziel: Wohnen in der Mühle. " Wer hat das schon?", so Thomas Biege, " es war ein Riesen-Abenteuer."

Am Ende der dreijährigen Restaurierungsphase war ein Traum von einem Wohnhaus im denkmalgeschützten Ensemble entstanden, den das Ehepaar für sich und die beiden kleinen Kinder wahr gemacht hatte.

Das ökologische Sahnehäubchen oben drauf, die regenerative Energieerzeugung durch Wasserkraft, fiel jedoch bald in sich zusammen. " Das Mühlrad drehte sich so langsam, dass wir aufwendige Getriebe dazwischensetzen mussten, damit der Generator ausreichend auf Touren kam. Und dann war das furchtbar laut, und das ganze Gebäude schüttelte sich und ächzte, da haben wir doch lieber davon Abstand genommen", begründet Thomas Biege das nachfolgende Einmotten der Antriebstechnik.

Hinzu kam, dass die Mühle keinen richtigen Stau als ausgleichendes Reservoir hat. " Wenn wir das Wehr schließen und nicht aufpassen, dann steht der ganze Park des Marienheims unter Wasser", erinnert Biege an unliebsame Ereignisse, die der Schlosspark auch ohne sein Zutun in der jüngeren Vergangenheit erleben musste, als nach Starkregenfällen das Dütebett nicht ausreichte, um die Wassermassen geordnet abzuführen.

Auch ohne drehendes Mühlrad sind die Eheleute gut beschäftigt. Beate ist Lehrerin, Thomas Diplom-Pädagoge und Trainer für Neuro-Linguistisches Programmieren. Für sein Coaching-Institut hat er moderne Seminarräume in die ehemalige Remise neben der Mühle eingebaut. Eine Woche, nachdem alles fertig war, fällte im Januar 2007 der Orkan " Kyrill" eine Fichte, die den Giebel der Remise durchschlug. Aus dem Tagungsraum konnte man in den Himmel gucken. In einer Nacht- und Nebel-Aktion gelang es den Bieges mithilfe der Freiwilligen Feuerwehr Sutthausen, das Dach abzudichten, bevor der nächste Regen kam und den guten Fußboden und die Kommunikationstechnik vernichtet hätte.

Auf der alten Ansicht sieht man im Vordergrund einen Holzschuppen mit einem quer zur Fließrichtung der Düte angebrachten Mühlrad. " Das war die alte Ölmühle", weiß Thomas Biege, " deren Rad wurde von den Fischteichen gespeist." Mit der Statik war es wohl schon damals nicht zum Besten bestellt, wie der schräg ins Flussbett getriebene Stützbalken verrät. Jedenfalls war der Anbau längst weg, als Biege vor 35 Jahren nähere Bekanntschaft mit der Mühle schloss.

Über dem Schuppen erhebt sich die Turmspitze der Magdalenenkapelle. Zusammen mit der Mühle und dem Herrenhaus von 1696, in dem sich heute die von Thuiner Schwestern geleiteten Berufsfachschulen befinden, gehört die neuromanische Kapelle von 1894 zu den historisch bedeutsamen Gebäuden des Gutes Sutthausen.

Wenn auf dem aktuellen Foto der Turm nicht zu sehen ist, so liegt es einfach nur daran, dass der Mühlenkolk unterhalb des Wehrs heute dermaßen dornröschenhaft zugewachsen ist, dass aus exakt der gleichen Position nur Blattwerk zu sehen wäre.

Wenn von der " Sutthauser Mühle" die Rede ist, denken viele Osnabrücker an das Gasthaus dieses Namens 150 Meter weiter nördlich, Vereinslokal des MGV " Sängerlust" und Austragungsort der jährlichen " Sutthauser Mahlzeit" des Bürgervereins. Um die Verwirrung noch zu steigern, trägt das Gasthaus die Postanschrift An der Sutthauser Mühle 1. Dort ist aber gar keine Mühle.

Der Eigentümer der " richtigen" Mühle, Postanschrift Gut Sutthausen 4, kann das Rätsel auflösen. Biege: " Der Fachwerkbau stand als Müllerhaus, also Wohnhaus des Müllers, direkt gegenüber der Mühle an der Düte. Der Müller hatte eine Schankkonzession. So konnte er den auf Abfertigung wartenden Bauern die Zeit verkürzen. Doch das passte dem Gutsherrn von Korff nicht, der damit verbundene Trubel wurde ihm zu viel. Er ließ 1889 das Müllerhaus samt Schankbetrieb kurzerhand aus dem engeren Gutsbereich entfernen und an den heutigen Standort umsetzen." Der das damals mit sich geschehen lassen musste, ist der Urgroßvater von Beate Biege, Fritz Voss. Sein Name ist bis heute auf dem Originalschild aus jener Zeit über dem Eingang zur Gaststätte zu lesen.

Bildtexte:
Wassermühle und Turm der Magdalenenkapelle im Gutsbezirk Sutthausen waren um 1915 ein beliebtes Fotomotiv so wie auf dieser zeitgenössischen Postkarte.

Dichter Bewuchs hindert den Fotografen heute, die Perspektive von 1915 einzunehmen.
Fotos:
Joachim Dierks/ Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken
Autor:
Joachim Dierks


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