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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Am Neumarkt fehlt ein pragmatischer Ansatz"
Zwischenüberschrift:
Von innen nach außen: Osnabrücker Einzelhandels-Immbilienexperte empfiehlt organisches Wachstum
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Kay Rose ist Prokurist der Lührmann Osnabrück GmbH & Co. KG. Das in Osnabrück gegründete Unternehmen konzentriert sich seit 20 Jahren auf die Vermarktung der besten Einzelhandelsimmobilien und Ladenlokale in den frequenz- und umsatzstärksten Lagen deutscher Innenstädte und Fußgängerzonen. Es wirbt mit " exzellenten Marktkenntnissen und umfangreichen Netzwerken" und betreibt deutschlandweit sechs Standorte.
Herr Rose, Sie beobachten die Diskussion um den Neumarkt mit professionellem Interesse. Was sagen Sie zum " Rauschen-Coup"?
Wer redet denn von einem Coup? Als vor zwei Jahren das grüne Kachelhaus verkauft wurde, hat das ja auch niemand so bezeichnet. Aus fachlicher Sicht sehe ich hier zunächst nichts Überraschendes. Es handelt sich um ein sauberes Immobiliengeschäft, bei dem der bisherige Eigentümer, ein entsprechendes Gebot vorausgesetzt, die Immobilie auch an jeden anderen seriösen Interessenten verkauft hätte. Da sich allerdings die Interessen der jeweiligen Investoren diametral gegenüberstehen, haben wir hier nun eine Pattsituation. In Anbetracht dieser Blockade ist es aber doch viel interessanter, dass bislang niemand mit oder über den Eigentümer der ehemaligen Wöhrl-Immobilie spricht. Vielleicht gelingt dem am Ende ja ein wirklicher Coup.
Was meinen Sie denn jetzt damit?
Na ja, ich sage es mal so, die jetzigen Eigentümer dürften der aktuellen Entwicklung zumindest nicht abgeneigt sein. Obwohl bislang kein einziger Euro in ein funktionierendes Umnutzungskonzept investiert wurde, wird der eigentliche Schandfleck am Neumarkt derzeit immer wertvoller. Und ohne diesen schreienden Leerstand gäbe es die jetzige Situation doch gar nicht.
Nachdem der Kauf dreier Häuser in der Johannisstraße durch L+ T bekannt geworden war, hat Oberbürgermeister Boris Pistorius gesagt: Niemand in Osnabrück solle sich freuen, wenn damit ein Shoppingcenter am Neumarkt verhindert wird. Wäre das wirklich der Todesstoß für den Einzelhandelsstandort?
Selbstverständlich würde ein Scheitern der Centerpläne nicht zum Untergang des Einkaufsstandorts Osnabrück führen. Unsere Stadt besitzt einen hervorragenden Ruf in der Einzelhandelsbranche, und wir müssen uns im deutschlandweiten Vergleich nicht verstecken. Als erfolgreicher Einzelhandelsmakler für die innerstädtische Eins-a-Lage machen wir die Popularität einer Fußgängerzone regelmäßig an dem Anmietungsinteresse der erfolgreichen Filialisten fest und das ist in den besten Lagen der Osnabrücker Innenstadt seit Jahren auf einem guten und konstanten Niveau. Die derzeitige Frage ist daher viel grundsätzlicher. Es geht schließlich darum, ob ein stetiges organisches Wachstum von innen nach außen unterstützt wird oder ob der Kuchen, salopp gesagt, mit einem Schlag aufgegessen werden soll. Bauchschmerzen inklusive.
Der Planer mfi gab vor wenigen Tagen bekannt, dass Unibail Rodamco, ein großer börsennotierter europäischer Immobilienkonzern mit Hauptsitz Paris, in Kürze wesentliche Anteile an mfi übernimmt. Welche Konsequenzen könnte das für das Projekt in Osnabrück haben?
Da sollten Sie besser die mfi fragen. Der in Paris börsennotierte Immobilienkonzern Unibail Rodamco ist jedoch ein hochprofessionelles Unternehmen und genau wie die mfi nicht davon abhängig, ob das Shoppingcenter in Osnabrück nun umgesetzt wird oder nicht. Beide handeln wirtschaftlich, es geht hier ausschließlich um die Vermehrung des eingesetzten Kapitals. Ein professioneller Projektentwickler handelt nach einem klaren Schema, bei dem das Gesamtwohl eines Standortes nur so lange eine Rolle spielt, bis das Center vollständig vermietet und an einen institutionellen Großinvestor erfolgreich weiterveräußert wird.
Wäre am Neumarkt eine Lösung auch eine Nummer kleiner denkbar?
Diese Diskussion wurde ja in der Vergangenheit schon zur Genüge geführt. Aus gutem Grund, denn es gibt nun mal bei Shoppingcentern eine kritische Größe, die nicht unterschritten werden darf, zumindest wenn es wirtschaftlich betrieben werden soll. Ein kleineres Center trägt sich nicht ganz einfach. Allerdings wurde die Diskussion auch in Osnabrück bislang zu engstirnig geführt. Warum muss es denn immer ein Shoppingcenter sein, das Schrottimmobilien oder brachliegende Flächen revitalisiert? Es gibt Beispiele aus anderen Städten, die auch in Osnabrück funktionieren und dabei den Neumarkt und die Johannisstraße eben nicht auf Kosten anderer Stadtteile weiterentwickeln würden.
Was würden Sie als Immobilien-Fachmann jetzt der Politik raten?
Zunächst einmal habe auch ich als Osnabrücker Bürger ein sehr großes Interesse an der Attraktivität unserer Innenstadt. Nach meinem Politikverständnis sollte überdies das Gemeinwohl niemals eine Frage der Parteizugehörigkeit sein. Die meisten Konfliktlinien verlaufen ja heutzutage nicht mehr zwischen den Parteien, sondern sind sachzwanggebunden. In diesem Rahmen habe ich als Immobilienspezialist manche Äußerung und Entscheidung der letzten Monate nur schwerlich nachvollziehen können. Wenn etwa von einem örtlichen Angebotsdefizit gesprochen wird, nur weil eine Jugendfreizeit Bustouren in ein Outletcenter unternimmt, dann frage ich mich wirklich, was das soll. Das grenzt doch schon an Desinformation. Was derzeit wirklich fehlt, ist ein pragmatischer Ansatz. Es wird zu viel über große Träume und über das gesprochen, was nicht geht und leider zu wenig über das, was realistisch ist und mithin gut für den gesamten Einkaufsstandort Osnabrück.

Bildtext:
Kay Rose, Lührmann Osnabrück.

Foto:
Dirk Egelkamp
Autor:
swa


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