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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Untergang der Titanic
Zwischenüberschrift:
April 1912: Schiffskatastrophe, Bau des Mittellandkanals und die Osterfeuer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Nicht nur das Aprilwetter als recht wetterwendischer Geselle mit Sonnenschein, Regen, Sturm und sogar Schnee an den Ostertagen beherrschte die Berichterstattung vor 100 Jahren im Osnabrücker Tageblatt, auch die Titanic-Katastrophe stand tagelang im Mittelpunkt.

Der heutige Mittellandkanal wurde als Rhein-Weser-Kanal geplant und gebaut. Im April 1912 konnte schon abgesehen werden, wann er seiner Bestimmung übergeben werden könnte. Am 1. April 1914 sollten die ersten Schiffe auf dem Streckenabschnitt bis Wunstorf fahren. Hatte man gehofft, das Bauwerk mit 43 Millionen Mark herstellen zu können, so war schon 1912 klar, dass mindestens 18 Millionen Mark dazu- kommen würden. Das lag einerseits an der langen Planung von 10 Jahren, aber auch am Wetter. War es zum Beispiel so trocken und heiß wie im Sommer 1911, lagen die Baustellen oft still, weil die Arbeiter " ermattet" waren, wie es im Osnabrücker Tageblatt zu lesen war.

Am 17. April war auch in Osnabrück eine Teil- Sonnenfinsternis zu sehen. Fast zwei Stunden um die Mittagszeit war nur ein kleiner Sonnenkreis sichtbar.

Im April wurden zahlreiche Bauausführungen genehmigt. Sie lagen zumeist in der Wüste und in der Neustadt, aber auch mitten in Osnabrück. Die Fa. Schiermeier & Co plante ein Wohnhaus und " Kraftwagenräume" an der Goethestraße. An der Iburger Straße erweiterte die Firma Hammersen um einen Kühlturm, ein Maschinenhaus und eine Zwirnerei.

Aufmerksam mussten die Straßenbahnfahrer sein, denn es sprangen hin- und wieder Menschen während der Fahrt auf und ab. Ein junges Mädchen war mit einer Prellung davongekommen, aber ein junger " Polizeisergeant" verletzte sich schwer. Vor derartigem Leichtsinn wurde in den Tageszeitungen dringend gewarnt.

Das Osterwetter enttäuschte die Osnabrücker und schickte Sturmböen und Kälte ins Land. Der Lokalreporter des Osnabrücker Tageblattes lobte aber die uralte Sitte des Osterfeuers, das vielerorts den kalten Osterhimmel erhellt hatte. Ein weiterer " alter Brauch" war das Osterwasser-Schöpfen der jungen Mädchen am frühen Ostermorgen. Diesem Wasser wurden " mancherlei Wirkung und geheime Kraft zugeschrieben".

Für neue Gesetze und Bestimmungen war der April auch vor 100 Jahren berühmt. 1912 wurde den Barbieren und Frisören mit ihren traditionell langen Öffnungszeiten von Amts wegen ein anderer Rhythmus gegeben. An Sonn- und Feiertagen mussten die Geschäfte neuerdings um 13 Uhr schließen. Zum Umgewöhnen der männlichen Kundschaft galt eine Übergangszeit von einigen Wochen, damit die Herren ihre Bärte nicht plötzlich bis zum Montag wachsen lassen mussten.

Eine weitere Neureglung galt für blinde und taubstumme Kinder, die ab 1912 in " geeigneten Anstalten" unterzubringen waren. Die Behörden gaben vor, wie ein solches Kinderleben ab dem 6. Lebensjahr bis zur Schulentlassung abzulaufen hatte.

Ebenfalls als Neuerung gab es in Osnabrück die so genannte " Berufsvormundschaft". Der Vormund musste für alle im Stadtgebiet geborenen unehelichen Kinder bestellt werden, mit Ausnahme derjenigen, deren Großvater die Vormundschaft übernahm. Die Mütter hatten keine Rechte.

Im Vormonat waren in Osnabrück 167 Kinder lebend geboren worden. Die Zahl der Geburten überstieg die Sterberate um 95 Menschen.

Nach Ostern begann das neue Schuljahr. Die Knaben benötigten " unverwüstliche" Schulanzüge, die zwischen 4 bis 25 Mark kosteten. Natürlich gab es auch gestrickte Anzüge aus Bleyle sowie Schüler-Regenmäntel und Capes.

Am 16. April, 4 Tage nach dem Unglück im Atlantik, meldete die Osnabrücker Tageszeitung den Untergang des " englischen Riesendampfers" Titanic nach einer Kollision mit einem Eisberg. Die Reederei White Star meldete zunächst per Funk an alle Stationen, dass keine Gefahr für die Passagiere bestünde. Alle Menschen hätten das Schiff um 3 Uhr 30 verlassen und seien gerettet worden.

Diese hoffnungsvollen Nachrichten konnten nicht gehalten werden. Schon am nächsten Tag schrieb das Osnabrücker Tageblatt unter der Rubrik " Fernsprech-Mitteilungen und Telegramme", dass von den 2358 Passagieren noch 1490 fehlten. Die Suche nach weiteren Überlebenden war jedoch aussichtslos.

Die Titanic hatte nur 30 Rettungsboote für je 60 Passagiere an Bord, schrieb das Osnabrücker Tageblatt. Von den 325 Passagieren der 1. Klasse überlebten 202, sie nahmen gerade ihr Dinner auf einem hoch gelegenen Deck ein. 114 Passagiere der 2. Klasse konnten ebenfalls gerettet werden. Von den 903 Personen der Mannschaft und den 800 Passagieren des Zwischendecks gab es keine Nachricht.

Die amerikanische Presse, so berichteten die Telegramme, veröffentlichte ernste Artikel wegen des Mangels an Rettungsbooten. Nach den Berichten eines nahen Schiffes, das den Kapitän der Titanic noch gewarnt hatte, herrschte dichter Nebel in der Unglücksregion. Die Titanic sei mit unverminderter Geschwindigkeit weitergefahren. Die zu Hilfe eilende " Minia" hatte keine Menschen mehr retten können. Alle Meldungen stimmten darin überein, dass keiner der Dampfer, die den drahtlosen Hilferuf gehört hatten, rechtzeitig an der Unglücksstelle eingetroffen war. Nur das Schiff " Carpathia" fand Rettungsboote mit Überlebenden, die es aber wegen des starken Eisganges auch erst nach Stunden aufnehmen konnte.

Die Funkbeamten diesseits und jenseits des Atlantiks hatten sich tage- und nächtelang bemüht, Nachrichten von den in der Nähe befindlichen Schiffen zu erhalten. Tatsache war dann, dass die Titanic vier Stunden nach der Kollision um 2 Uhr 20 gesunken war. Nun lag das als unsinkbar geltende Luxusschiff 3000 Meter tief vor Cap Race. Nur 710 Passagiere überlebten.

In den nächsten Tagen war der Untergang der Titanic weiterhin das Hauptthema in allen Tageszeitungen. Zu schrecklich war dieses Unglück, als dass man zum Alltag hätte übergehen können.

Einige Tage später schrieb ein Reporter des Osnabrücker Tageblattes über " Die Lehren der Titanic- Katastrophe" einen Leitartikel und kam zu dem Schluss, dass " Die Grenzen der Menschheit" eindrücklich vor Augen lägen. Er befürchtete aber, dass der Erfindungsgeist der Menschen niemals innehalten würde, auch nicht, wenn Menschenleben in Gefahr seien.

Kiebitzeier galten als Delikatesse, besonders zu Ostern. Konnte man noch 10 Jahre zuvor ganze Gelege am Wegesrand für wenige Pfennige von Kindern erwerben, mussten die Restaurants 1912 bis zu 2 Mark pro Stück bezahlen. Die Kiebitze hatten auch durch die Trockenlegung der Moore ihren Lebensraum eingebüßt, und der Bestand war gefährdet.

Corty Althoffs Zirkus gastierte im April an der Alten Münze mit Elefanten, Kamelen, Lamas, Zebras, Kängurus und zahllosen Pferden. Käfigwagen wurden vom Bahnhof dorthin befördert, aber viele Tiere machten, zur Freude der Passanten, den Weg zu Fuß.

Der Plan der St.-Josephs-Kirche in der Neustadt lag vor und wurde in den späten Apriltagen 1912 genehmigt. Architekt Feldwisch-Drentrup hatte die Pläne und ein kleines Modell in der Johanniskirche zur Ansicht ausgestellt. Die Gemeindemitglieder konnten sich hier ihre Kirche vorab schon einmal ansehen.

Bildtext:
Die Provinzial-Taubstummenanstalt um 1910, Auch hier galten ab 1912 neue Regeln. Die Ansichtskarte mit dem Gebäude ist dem Buch " Alt-Osnabrück" entnommen, das im Verlag H. Th. Wenner erschienen ist.

Foto:
J. H. Evering


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