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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Der Edinghäuser Weg erzählt aus der Stadtgeschichte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Rund um den Westerberg:
Der Edinghäuser Weg erzählt aus der Stadtgeschichte
Vom Hofe " Eenhus" zum Edinghäuser Weg - Die Umwandlung des Westerberg-Kammweges in eine Baumallee ist immer noch ein Wunsch an die Zukunft

Der Westerberg hat ein zwiespältiges Gesicht. Der östliche Teil der welligen Kuppen, angrenzend an das Heger Tor, ist längst bebaut und zu einer bevorzugten Wohngegend geworden, während im Westen, nur unterbrochen durch das sogenannte Musikantenviertel, das erst nach dem ersten Weltkrieg erstand und in den letzten Jahren durch Neusiedlungen erheblich erweitert worden ist, die landwirtschaftliche Nutzung bis heute vorherrschend geblieben ist. Als Höhenweg zieht sich der Kammweg an der Muesenburg vorbei durch Äcker und Felder dahin, bergauf und bergab, bis zum Heger Holze hin. Es ist die Edinghäuser Straße, die nur bei ihrer Abzweigung von der Bismarckstraße beim alten Judenkirchhof, der zum Park der Villa Kromschröder wurde, mit einigen Häusern besetzt ist. Nur der Anfang ist als Straße ausgebaut. Ein Reststück bis zur Höhe des Wasserturms wurde in den letzten Tagen mit einer Teersplittdecke versehen, um den Anschluß an die Zeppelinstraße herzustellen, die an dieser Stelle einige stilvolle Neubauten erhalten hat.
Die Fortsetzung aber ist ein wenig gepflegter Fahrweg, weshalb von hier an von einem Edinghäuser Weg gesprochen wird. Wenn auch hier und da Spuren einstiger Steinsetzung festzustellen sind, so hat doch der feste Felsstein des Westerberges die natürliche Packlage abgegeben. Für den Fahrverkehr, vornehmlich der Militärfahrzeuge, wurde eine kleine Strecke zwischen Blumenthalstraße und der im Vorjahre asphaltierten Albrechtstraße bis zur Kreuzung der Caprivistraße und Barbarastraße beim Wirtschaftsgebäude der Muesenburg in Ordnung gebracht. Dann aber beginnt eine Straße, die von allen Fußgängern beklagt wird und auch der Schrecken der Autofahrer ist, denen man durch Sperrschilder ein bedingtes Fahrverbot auferlegt hat.
Der Edinghäuser Weg dient nicht nur dem Verkehr zum Musikantenviertel, sondern ist auch ein beliebter Spazierweg für Ausflügler, die das Heger Holz aufsuchen wollen. Es bietet sich ein weiter Rundblick über die Stadt nach allen Seiten, nach Norden hin bis zum Piesberg mit seinen terrassenförmig abgebauten Steinbrüchen und den Höhenzügen der Haster Berge, nach Süden auf die waldigen Berge des Teutoburger Waldes, von Tecklenburg bis zum Dörenberg, vor dem sich Rauchwolken der Georgsmarienhütte sichtbar abheben. Der Rundblick zeigt, wie groß unsere Stadt flächenmäßig geworden ist. In allen Himmelsrichtungen ist der alte Stadtkern mit seinen Türmen von neubebauten Zonen umgeben, die sich als Siedlungen farbenfroh aus dem Grün der Umgebung herausheben.
" Wie liegts du dort im Sonnenglanze / Vor mir, mein Osnabrück, so schön / In deiner Gärten buntem Kranze, / Umrahmt von waldumrauschten Höh` n, - hat einst der Lokaldichter Th. Heins diese Schönheit seiner Heimatstadt besungen.
Auch die Stadtplanung hat die Westerbergkuppe schon um die Jahrhundertwende in ihren Bereich einbezogen. Die wellige Berghöhe durfte nicht bebaut werden, um den Rundblick nicht zu beeinträchtigen. Da aber viel Sonne auf der fruchtbestandenen Höhe liegt, sollte der Edinghäuser Weg mit einer doppelten Baumallee bepflanzt werden, um so einen schattigen Zugang zum Heger Holze zu haben, ein Vorhaben, das leider bis heute nicht zustande gekommen ist. Dieser Grünstreifen war auch das Hauptergebnis eines Ideenwettbewerbs, der im Oktober 1949 ausgeschrieben war, um zu einer Abgrenzung zwischen den Zonen baulicher Besiedlung und der landschaftlichen Raumgestaltung zu kommen und die Zukunft einer freien Bergkuppe zu sichern.
Angeregt war, den Kammweg als Allee für den Fahrverkehr zu sperren, dafür aber auf der Südseite wie gegebenenfalls auf der Nordseite auf halber Berghöhe neue Fahrstraßen anzulegen, also gewissermaßen als Verlängerungen der Schoeller- und Reimerdesstraße bzw. der Beethovenstraße, um auch dort Baugelände zu erschließen.
Nicht immer hatte der Edinghäuser Weg so viele Zugangs- und Verbindungsstraßen wie heute, die den Berg überqueren. Die erste und älteste Zuwegung bildete die Bergstraße, die im Mittelalter Bergstege hieß. Dort vor dem Heger Tore, inmitten von Bürgergärten, lag " in der Bergstege" das " Hospital zum   Heiligen Geist", das in unruhigen Zeiten in die Marienstraße verlegt wurde. Hier war der große Brand ausgekommen, der 1613 einen Großteil der Altstadt vernichtete.
Den Namen hat der Edinghäuser Weg von dem einstigen Gehöft " Eenhus" (Einhaus) erhalten, das als Einzelhof am Eingang zum Heger Holze gelegen war. Dem Domprobst gehörig, hatte Edinghausen die Weideberechtigung in den Laischaftsgründen. Die Heger Laischaft wollte deshalb dieses Recht aufkaufen, um für sich zu bleiben. Die dabei entstandenen Schwierigkeiten behob schließlich der Magistrat, in dem er Pohlkotten Erbe als Tausch anbot. Nunmehr konnte die Laischaft die Berechtigung ablösen und zahlte dafür im Jahre 1573 die Summe von 500 Talern. Der Verwalter des Hofes, der bis dahin " Leibeigner" gewesen war und den Namen " Hofmeister" führte, wurde, wie es in der Chronik heißt, vom Magistrat zum " freien Manne" erklärt. Er trat in die Dienste der Stadt, indem er Hausmeister des Hospitals zur Twente in der Marienstraße, die derzeit Schweinestraße hieß, wurde, wo arme Frauen Unterkunft fanden. Hier war, wie schon erwähnt, der Ausgang des Altstadtbrandes von 1613. Gehöft Edinghaus wurde vom selben Schicksal betroffen wie so manche andere bäuerliche Anwesen, es war " wöste liggen blewen". Bürgermeister Thorbecke, im Volksmunde als Polizeigewaltiger " Napoleon" genannt, kaufte die verfallenen Bauteile und verwandte sie 1804 zum Bau der " Martinsburg" als einer der vier Blumenhallen vor dem Martinitore.
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft berühren sich auf dem Edinghäuser Weg. Wer heute den Höhenweg erwandert, kann also ein Stück Stadtgeschichte erleben. - e-


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