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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Stadt macht die Deponie endgültig dicht.
Zwischenüberschrift:
Piesberg: Eine 2,5 Millimeter dicke Kunststoffbahn soll den Müll dauerhaft abschirmen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. 30 Jahre lang wurde der Piesberg mit der Mülldeponie gleichgesetzt, aber dieses Kapitel geht seinem Ende entgegen. Die Stadt lässt jetzt die letzten Abschnitte der Deponie nivellieren und mit strapazierfähigen Kunststoffbahnen abdecken. Was bleibt, ist ein grüner Hügel, unter dem die Gärprozesse langsam zum Stillstand kommen sollen.
Nein, die Mülldeponie Piesberg ist keine tickende Zeitbombe mehr. Die Stadt investiert viele Millionen Euro, um den Müllkörper dauerhaft in einen stabilen Zustand zu versetzen. Das gelingt nur, wenn kein Regenwasser mehr eindringen kann. Deshalb ist eine wirksame Abdeckung der wichtigste Schritt bei der Stilllegung der Deponie.
Die Dichtungsbahn ist 2, 5 Millimeter dick fünfmal so viel wie Teichfolie, wie Projektleiter Rudolf Hellmer vom Osnabrücker Servicebetrieb sagt. Und zugleich wesentlich teurer als eine Abdeckung mit Marmorplatten, wie Bauleiter Thorsten Cramer von der Firma Köster Bau erklärt. Tonnenschwer sind die 100 Meter langen Bahnen, die über dem Müllberg ausgerollt und verschweißt werden.
Aber vorher glätten die Tiefbauspezialisten mit schwerem Gerät die Oberflächen und Böschungen, damit die Schweißbahnen möglichst faltenfrei verlegt werden können. Bis zu vier Meter Erde liegen unter der Kunststoffabdeckung. Die Raupen, die das Gelände formen, arbeiten mit Unterstützung des Satellitennavigationssystems GPS auf wenige Zentimeter genau. Zwei Sensoren, jeweils links und rechts auf dem Raupenschild befestigt, übermitteln Neigung und Höhe an einen Rechner, der dem Fahrer passend zum Geländemodell exakte Vorgaben macht.
Wenn die Kunststoffbahnen verschweißt sind, werden sie mit einem Drainagegranulat und einem halben Meter Mutterboden abgedeckt. Nur die Deponiegasschächte erinnern dann noch an das dunkle Geheimnis unter der Erde.

Das Methangas aus der Deponie, mit dem zurzeit ein Blockheizkraftwerk in der Winkelhausenkaserne gespeist wird, dürfte nach und nach versiegen, wenn kein Regenwasser mehr eindringt und die chemischen Prozesse zum Stillstand kommen. Projektleiter Hellmer schätzt, dass spätestens 2045 kein Methan mehr austreten wird.
Die Bauarbeiten, die jetzt anlaufen, erstrecken sich auf den westlichen Abschnitt der Deponie. Für die fachgerechte Abdeckung des 4, 6 Hektar großen Teilstücks kalkuliert der Servicebetrieb rund 3 Millionen Euro. Spätestens 2014 soll dieser letzte Teil der Deponie umweltgerecht eingekapselt sein. Die östlichen Abschnitte sind schon seit Jahren mit einer Kunststoffbahn abgedeckt und damit stillgelegt worden.


Geheimnis unter der Erde
So friedlich die schlummernde Mülldeponie auch scheint, sie wird der Stadt Osnabrück noch für Jahrhunderte Aufmerksamkeit und Geld abverlangen. Stadtkämmerer Horst Baier schätzt den Finanzbedarf bis 2045 auf 75 Millionen Euro. Bezahlt werden diese Summen aus Rückstellungen, zu denen die Müllabfuhr verpflichtet wurde. Es gebe zwar noch eine Lücke, sagt Baier, aber mit der Verzinsung werde es wohl reichen.
Und wie steht es um die Lebensdauer der Kunststoffbahn? Die Fachleute sind zuversichtlich, dass sie 100 Jahre halten wird, aber sie können sich nicht auf Erfahrungen berufen. Bauleiter Cramer hofft auf 200 Jahre.

Bildtexte
Schwere Baumaschinen glätten den Boden über dem Deponiekörper. Anschließend wird eine 2, 5 Millimeter dicke Kunststoffbahn aufgetragen und verschweißt.

4, 6 Hektar groß ist der westliche Bauabschnitt (beige und braun markiert) der Mülldeponie Piesberg, der jetzt mit einer Kunststoffbahn abgedeckt wird. Die grün und gelb eingezeichneten Flächen sind schon vor längerer Zeit stillgelegt worden.

Mit GPS-Unterstützung bewegen sich die Planierraupen über das Gelände. Die beiden Stangen links und rechts auf dem Schild nehmen die Signale auf.

Fotos:

Gert Westdörp

Kleine Zahlenkunde zur Mülldeponie

Am Anfang war ein großes Loch, das die Piesberger Steinindustrie hinterlassen hatte, etwa einen Kilometer lang, 250 Meter breit und bis zu 40 Meter tief. Am 1. September 1976 eröffneten Stadt und Landkreis Osnabrück die Zen traldeponie und verfüllten das Loch nach und nach mit Müll.

In den 90er-Jahren stellte sich heraus, dass Giftstoffe aus dem Müllkörper durch das klüftige Gestein ins Grundwasser gelangten. Neuere Deponieabschnitte wurden mit Schweißbahnen gesichert, Sickerwasserpumpwerke beförderten die Flüssigkeit zum Klärwerk.

Bis zum 31. Mai 2005, dem letzten Tag des Deponiebetriebes, wurden 8, 9 Millionen Kubikmeter Müll auf dem Piesberg abgekippt. Jeder Bewohner von Stadt und Landkreis hat rechnerisch 17, 5 Tonnen hinterlassen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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