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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Versteckt hinter Eiben.
Zwischenüberschrift:
Die Burgkapelle Maria Trost in Eversburg im Jahr 1942.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vor 70 Jahren stand die Gutskapelle Maria Trost einsam und allein auf weiter Flur. Das ist heute anders, denn der Stadtteil Eversburg ist nach dem Krieg kräftig gewachsen. Eines der beliebtesten Wohngebiete nahe bei Kanal und Hase ist mit seinen Einfamilienhäusern der Kapelle mächtig auf die Pelle gerückt. Die Ansicht der Südostseite wie auf dem historischen Bild von 1942 ist heute von einer übermannshohen Eibenhecke verdeckt.

Als wenn die Denkmalschützer das 1957 schon geahnt hätten, gingen sie damals daran, den Seiteneingang mitsamt dem halbkreisförmigen Sandsteinrelief auf die andere Gebäudeseite zu verlegen. Denn die Grundstücksverhältnisse gestalteten sich nach dem Krieg so, dass die Grenze unmittelbar an der südöstlichen Langseite der Kapelle verlief. Es musste also damit gerechnet werden, dass ein neuer Eigentümer mit seiner Gartenanlage die Tür zupflanzen würde.

Im Krieg war die Kapelle unbeschädigt geblieben. Sie diente zwischen 1923 und 1953 als Jugendheim der katholischen Liebfrauengemeinde. Als dann ein neues Jugendheim erstellt war, verfiel die 1701 im Barockstil errichtete Kirche zusehends. In einer großen Kraftanstrengung wurde sie von 1957 bis 1962 mit vielen ehrenamtlich geleisteten Helferstunden von Gemeindemitgliedern wieder hergerichtet, einschließlich des beschriebenen " Seitenwechsels", denn die Hauptorientierung war nun zu der nordwestlich daran entlanglaufenden Straße Die Eversburg geschaffen worden.

Der Innenraum erhielt eine zur Bauzeit der Kirche passende Barockausstattung einschließlich Altar und Orgel. Der Glockenturm bekam außen neue Kupferplatten und innen zwei neue Glocken. Die größere Glocke namens Maria, gestimmt auf den Ton G, trägt die Inschrift " Einst Zuflucht der Gläubigen, jetzt Trost der Bedrängten, allezeit unsere Zuversicht, Maria!" Dazu passend weihte Generalvikar Wilhelm Ellermann die Kapelle 1962 unter dem Patronatsnamen " Maria Trösterin", meist abgekürzt zu " Maria Trost". Seitdem wird sie als Außenstation der ebenfalls der Muttergottes geweihten Pfarrkirche Liebfrauen genutzt. Sie verfügt über 70 Sitzplätze.

Die Burgkapelle gehört zu den wenigen Überbleibseln der einst prächtigen Wasserschlossanlage Eversburg, die dem Stadtteil den Namen gab. Das großzügige Herrenhaus stand östlich der Kapelle, also etwa zwischen den heutigen Straßen An der Burgkapelle und Von-Kerssenbrock-Allee. Dompropst Ferdinand von Kerssenbrock (1676–1754) war in der langen Reihe von Domherren, die hier ihren Sommersitz nahmen, wohl derjenige mit dem größten Einfluss. Und einem starken Repräsentationsbedürfnis. Das wuchs abermals, als Fürstbischof Clemens August, Erzbischof zu Köln, Bischof zu Paderborn, Regensburg, Münster und Osnabrück, ihn 1747 zu seinem Osnabrücker Statthalter ernannte. Von Kerssenbrock eiferte in seiner Lebensführung seinem Herrn und Fürsten nach. Die Residenz Eversburg galt als " Klein-Versailles", ausgestattet mit 158 Gemälden bekannter italienischer und niederländischer Meister wie Tizian, Rembrandt und Breughel.

Nach von Kerssenbrocks Tod ging die Glanzzeit der Eversburg ihrem Ende entgegen. In den Napoleonischen Kriegen mehrfach ausgeplündert, verfiel das Herrenhaus zusehends, sodass es 1840 eingerissen wurde. Die Burgkapelle blieb Pfarrkirche für die wachsende katholische Gemeinde, bis sie 1923 durch den Neubau der Liebfrauenkirche abgelöst wurde.

Bildtexte:

Die Südostansicht der Kapelle Maria Trost zeigt auf dem Foto aus dem Jahr 1942 ein recht einsam vor den Hasewiesen stehendes Barock-Kirchlein. Weiter rechts befand sich bis 1840 die prachtvolle Eversburg. Hinter der Kirche verläuft die heutige Straße Die Eversburg.

Der heute gewohnte Anblick von der Straße Die Eversburg: Der Eingang mit dem halbkreisförmigen Sandsteinrelief ist auf die Nordwestseite gewandert.

Fotos:
Hans Hasekamp; entnommen aus " Bildarchiv Alt-Osnabrück" Band 3, Hrsg. Wido Spratte, Osnabrück, H. Th. Wenner
Autor:
Joachim Dierks


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