User Online: 2 | Timeout: 05:17Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Hochzeit über religiöse Grenzen hinweg
Zwischenüberschrift:
Muslimin heiratet Christen – Ein holpriger Weg zum "Ja"
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " Willst du mich heiraten?" " Ja." Standesamt. Kirche. Das ist der traditionelle Dreischritt, der aus einer Beziehung eine Ehe macht. Schritt Nummer drei allerdings kann zum Stolperstein werden, wenn es um eine christlich-muslimische Ehe geht.
" Ein Riesenproblem" sei das gewesen, sagt Emsal Okutur und meint damit die Hindernisse, die auftauchten, als ihre Tochter Nurhan und deren Mann Sascha Brune beschlossen, kirchlich zu heiraten. Denn Nurhan ist Muslima und Brune evangelischer Christ. Das Paar und die Brautmutter hatten vor der Hochzeit in mehreren Gemeinden gefragt, ob eine Trauung möglich sei. In einer Moschee hieß es: Hier nicht. In einer anderen: Nur, wenn der Mann Moslem ist. Ein befreundeter katholischer Pastor im Ruhestand sagte: Ja, gerne. Bis ein evangelischer Pastor sagte: Aber nicht in unserer Kirche. Genau dort aber wollte sich das Paar trauen lassen. Später sagte er: Alles ein Missverständnis. Aber da hatte das Paar schon eine Kirchengemeinde und die dazugehörige Pastorin gefunden, die schlicht " Ja, klar!" sagte: Gesine Jacobskötter aus Bad Rothenfelde im Landkreis Osnabrück.
Für sie spiele es keine Rolle, dass die Eheleute in Hannover wohnten und lediglich die Braut aus der Region komme und Muslima sei, sagt Jacobskötter. " Ich gehe da als Seelsorgerin ran." Und das heißt für sie: Ich lasse einen Christen mit seinem Wunsch nach einer kirchlichen Hochzeit nicht alleine. Außerdem gebe es in der evangelischen Kirche sowohl Gottesdienstabläufe als auch Formulare, die eine Hochzeit zwischen Christ und Nichtchrist regeln.
Seit acht Jahren ist Sascha Brune mit seiner Nurhan zusammen. Wenn er über sie spricht, dann meist als seine bessere Hälfte. " Die Hochzeit ist ein intimer Moment", sagt er, und dass dabei alles so sein sollte, wie man es sich wünscht. Jetzt ist das so. Es wird einen Gottesdienst nach evangelischem Ritus in der Dissener Kirche geben. Trausegen inklusive. Für ihn und für seine bessere Hälfte. Doch bis das geklärt war, musste das Paar einige Rückschläge hinnehmen. " Der größte Kracher", wie Brune es nennt, passierte auf der Suche nach einer Kirche. Einige Absagen hatte das Paar schon erhalten, da rief Nurhan bei einer Gemeinde mit Kapelle an. Prinzipiell kein Problem, hieß es dort. Das änderte sich, als Nurhan ihren türkischen Geburtsnamen nannte. " Ne, so was trauen wir hier nicht", lautete die Antwort. Dann war das Gespräch beendet.
" Da prallen zwei Welten aufeinander", sagt Ahmet Savci von der Türkisch-Islamischen Gemeinde (DITIB) Osnabrück. Er habe häufig miterlebt, wie christlich-islamische Paare sich trennen, weil sie sich zwischen den Gegensätzen von Sprache, Kultur und Religion aufgerieben hatten. Das sei jedes Mal schlimm gewesen, besonders für die Kinder. Natürlich, sagt Savci, wünsche man es den Paaren anders, und natürlich gebe es Ausnahmen, in den meisten Fällen aber gelte: " Verstellen, verbiegen und Spagat machen das kann keiner auf Dauer durchhalten."
Nurhan und Sascha Brune ist das egal. Sie respektierten solche Meinungen, sagen sie. Nur wissen sie, dass es anders geht. Nurhans Zwillingsschwester Nurcan hört seit 2003 auf den wenig islamischen Nachnamen Grothaus. Damals heiratete sie einen evangelischen Christen an der Rundheide in Hesselteich während einer Andacht, weil kein Platz für sie war in der Kirche. Ja, auch sie hätten mit Schwierigkeiten und Vorbehalten zu kämpfen gehabt, erzählt Nurcan. Bei der Suche nach dem richtigen Ort für die Zeremonie, nach dem Geistlichen und später als es um die Taufe ihrer Tochter ging. Immer wieder kam ein Nein dazwischen, immer wieder hieß es: Das geht so nicht. Es war ermüdend und ernüchternd. Manchmal ist das noch immer. " Aber wir hatten immer die Unterstützung von Freunden und Familie."
Auf Nurhan und Sascha Brune werden auch harte Zeiten zukommen: Vielleicht werden sie sich eines Tages mit der Frage konfrontiert sehen, ob sie ihr Kind taufen lassen wollen. Sie werden Menschen begegnen, die ihre Liebe nicht verstehen, und solchen, die sie dafür verachten. Aber sie gehen diesen Zeiten in der Gewissheit um den Segen des Allmächtigen entgegen, ob sie ihn nun Allah nennen oder Gott. Außerdem haben ihre Freunde und Familien Routine darin, Gegensätze von Kultur und Religion zuüberwinden. Und nicht zuletzt haben Nurhan und Sascha Brune " Ja" zueinander gesagt auch zu ihren Gegensätzen.

Bildtext:

Kreuz und Halbmond: eigentlich zwei Symbole, die sich schön kombinieren lassen. Doch viele Anhänger der Religionen, für die sie stehen, sehen das anders.

Foto:

dpa

Autor:
Michael Schiffbänker


Anfang der Liste Ende der Liste