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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Geparkt wurde auf der Straße
Zwischenüberschrift:
Die Iburger Straße mit Einmündung Ravensbrink um 1955
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die heutige Zeitreise versetzt uns in eine Osnabrücker Ausfallstraße mit Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen, wie sie seit den 1920er-Jahren bis in die Nachkriegszeit hinein typischerweise aussah. Aufgemalte Fahrspurabgrenzungen waren nicht notwendig, allenfalls vor größeren Kreuzungen waren Abbiegespuren mit eingesetzten Silbernägeln markiert.

Sonderspuren für den öffentlichen Personennahverkehr, wie sie vor zehn Jahren für die Iburger Straße heftig diskutiert wurden, waren kein Thema, denn sie existierten auf ihre Art schon lange. Die Straßenbahn fuhr in der Mitte, und der eher spärliche Autoverkehr musste zusehen, wie er drum herum zurechtkam. Im Bereich der Endstation Schölerberg, etwa 200 Meter weiter links stadtauswärts, wurden die während der verkehrsschwachen Zeiten nicht benötigten Beiwagen einfach mitten auf der Bundesstraße B 51/ B 68 stehen gelassen, bis sie dann zur Mittagsbeförderung der Schüler oder für den Feierabendverkehr wieder benötigt wurden. In den Trümmerjahren bis 1948 wurden die abgestellten Anhänger nachts nicht einmal beleuchtet, wie Alfred Spühr in seinem Standardwerk " Die Osnabrücker Straßenbahn" schildert.

Unbekümmert zeigten sich 1955 auch die Motorradfahrer. Sie schienen keinen Grund zu sehen, ihr Gefährt aus dem Verkehrsraum zu nehmen, und parkten es am Bordstein. Der Verkehr war so entspannt, dass man offensichtlich keine Behinderung befürchtete. Und das, obwohl Osnabrück noch fernab des Autobahnnetzes lag, der gesamte Fernverkehr also durch die Stadt rollte. Darauf deutet auch das Schild rechts am Baum hin. " To Town Circuit" war der Wegweiser zum inneren Ring. Motorisierte Einheiten der britischen Besatzungsmacht, die beispielsweise von Münster weiter nach Minden wollten, wurden so zum Wallring geleitet, der als Verteilerkreis für das überörtliche Straßennetz damals eine größere Bedeutung hatte.

Augenfälligste Veränderung in der Bebauung sind die Tankstelle und das fünfeinhalbgeschossige Haus auf dem Eckgrundstück an der Einmündung des Ravensbrink. Die Tankstelle wurde in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre errichtet. Im Tankstellen-Boom der 1950er-Jahre setzte man verstärkt auf die Ausfallstraßen. 1965 hatte das westdeutsche Tankstellennetz mit rund 41 000 Stück seine größte Dichte erreicht. Zwischen 1970 und 1980 verschwanden die kleineren Stationen, die Gesamtzahl halbierte sich. Die Shell-Station an der Iburger Straße erlebte fünf oder sechs Pächterwechsel, hielt sich aber über all die Jahre. Damals ultramodern, gehört sie heute zu den eher kleineren Stationen, gilt aber nicht zuletzt durch das Shop-Sortiment als gut angenommener lokaler Nahversorger.

Auf der historischen Aufnahme ist das spätere Tankstellen-Grundstück noch Gartengelände, das die Weberei Hammersen verpachtet hatte. Dahinter schaut man auf den Giebel des zum " Tivoli"- Komplex gehörenden " Gesellschaftshauses" von 1852. Vor dem Krieg waren hier Hotelzimmer untergebracht, nach dem Krieg Wohnungen. Das Gebäude steht heute noch, ist aber hinter dem direkt davor gebauten Hochhaus verborgen. Hingegen ist das Bruchsteingebäude davor für den Tankstellenbau abgerissen worden. Ursprünglich beherbergte es Pferdeställe und diente als " Relaisstation" im Postkutschennetz. Die hohen Bäume dahinter säumten den Konzertgarten der Ausflugsgaststätte " Tivoli". 1955 war von der Straßenfront des " Tivoli" neben dem zweigeschossigen Hauptbau, an dem die Leitern lehnen, auch noch der eingeschossige ehemalige Konzertsaal vorhanden. Er war 1948 in ein Lichtspieltheater umgebaut worden. Zur Eröffnung wurde " Hauptsache glücklich" gegeben, ein Lustspiel mit Heinz Rühmann und Hertha Feiler aus dem Jahr 1941. Zwanzig Jahre lang bis 1968 war das " Tivoli" ein beliebtes Nachbarschafts-Filmtheater, in dem die Kassenschlager jener Zeit immer vier Wochen später als in den großen Kinos gespielt wurden. Dann wurde der eingeschossige Flügel abgerissen und machte dem viergeschossigen Neubau Platz, der lange die Stadtsparkasse und die Stadtteilbibliothek beherbergte.

Die beiden dreieinhalbgeschossigen Siedlungshäuser am linken Bildrand haben die Jahre relativ unverändert überlebt, ebenso die halb runde Treppe ganz rechts. Die vier Stufen führten damals zum Milchladen Graef hoch.

Bildtexte:

Die Iburger Straße in Blickrichtung stadteinwärts um das Jahr 1955. Links mündet der Ravensbrink ein, rechts gegenüber die Pattbrede.

Die orangefarbene Fassade des früheren Kaffeehauses " Tivoli" hat, eingezwängt zwischen Neubauten, bis heute überlebt.

Fotos:

Georg Bosselmann (aus: Wochenkalender des Museums Industriekultur 2009)

Joachim Dierks


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