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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Hoch und modern: Die Brandkasse
Zwischenüberschrift:
VGH setzte baulichen Akzent
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Osnabrück hat den Aufbruch in die Moderne gewagt. Das könnte man aus dieser Aufnahme des Brandkassen-Hochhauses am Neumarkt kurz nach seiner Eröffnung ablesen. Während der Wiederaufbau am alten Markt mit Rathaus und Giebelhäusernüberwiegend den historischen Vorlagen folgte, leitete der Brandkassen-Neubau am Neumarkt einen städtebaulichen Neuanfang in zeitgenössischer Architektursprache ein.

Mit dem achtgeschossigen Hochhaus bei seiner Eröffnung im November 1960 das " höchste weltliche Bauwerk" der Stadt erhielt der verbreiterte Neumarkt einen machtvollen westlichen Abschluss. Drei Jahre später fielen auf der gegenüberliegenden Seite des Neuen Grabens die Ruinen der Kornbrennerei Gosling unter den Sprengladungen zusammen, wenig später glänzte dort das Kaufhaus Hertie mit einer modernen Fassade aus Glas und blauen Glasalplatten. 1964 begann der Bau des Neumarkttunnels. Mit der " vertikalen Entflechtung der Verkehrsarten" glaubte man damals, das Nonplusultra einer zeitgemäßen Verkehrsführung im Stadtmittelpunkt gefunden zu haben.

Als der Osnabrücker Industriefotograf Georg Bosselmann vermutlich im Winter 1962 die Brandkasse fotografierte, war die städtebauliche Neuordnung in Osnabrücks Mitte noch nicht sehr weit fortgeschritten. Im Vordergrund sehen wir ein typisches Nachkriegsprovisorium: eine ebenerdige Parkfläche auf einem abgeräumten Trümmergrundstück. Erst zwölf Jahre später entstand dort ein großzügiger Busbahnhof mit drei Bussteigen. Er war einerseits eine Folge der zunehmend eingerichteten Fußgängerzonen, die den Busverkehr weitgehend aus der Innenstadt verbannten und auf den Wallring und die Ost-West-Achse Neuer Graben verwiesen. Andererseits brauchte die beginnende Verflechtung des städtischen Nahverkehrs mit den Überlandverbindungen mehr Umsteigemöglichkeiten. Der Neumarkt erwies sich hierfür als besser geeignet als der nach wie vor etwas abseits gelegene Hauptbahnhof. 1974 wurden die überdachten Bussteige am Grünen Brink eingerichtet, " jetzt auch mit Lautsprecherdurchsagen", wie die Tageszeitung verkündete, drei Jahre später für die Gegenrichtung vor dem Landgericht.

Das Hochhaus der Landschaftlichen Brandkasse nach dem Zusammenschluss mit der Provinzial-Lebensversicherung vermehrt als VGH-Gebäude (für " Versicherungsgruppe Hannover") bezeichnet geht auf einen Entwurf des Hannoveraner Architekten Professor Ernst Zinsser zurück. Dieser hat in den 1950er- und 1960er-Jahren zahlreiche Bauten in der Bundesrepublik entworfen, die später unter Denkmalschutz gestellt wurden, darunter auch das Wohnhaus für seinen Schwager Konrad Adenauer in Rhöndorf. Der Osnabrücker Verwaltungsbau ist eine recht schnörkellose Stahlbeton-Skelett-Konstruktion mit vorgehängten Fensterbändern und einem damals als sehr modisch empfundenen rastermäßig geprägten Keramikmaterial als Brüstung. Erster " Ankermieter" im Erdgeschoss war das VW-Autohaus Starke.

Schon zum Richtfest am 4. November 1959 erschienen zahlreiche leitende Verwaltungsbeamte und Ratsmitglieder. Der Rohbau war in nur fünf Monaten von einer Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmen Hake und Becker errichtet worden.

Bei der Einweihung am 22. November 1960 sprach unter anderen Landesbischof Hanns Lilje als Vorsitzender des Brandkassenausschusses. Seine Funktion verweist auf die lange Tradition der Brandkasse, die 1750 vom Abt zu Loccum gegründet und von den historischen " Landschaften" im Kurfürstentum Hannover getragen wurde. Die erste Osnabrücker Brandkasse wurde 1755 gegründet, als sich auch hier die Einsicht durchgesetzt hatte, dass Gebete und Ablasszahlungen als Feuerversicherung nicht ausreichten.

Bildtexte:

Käfer-Cabrio und Coca-Cola: das Hochhaus der Landschaftlichen Brandkasse zwischen Neuem Graben (links) und Grünem Brink (rechts) auf der um das Jahr 1962 entstandenen Aufnahme Georg Bosselmanns.

Nach umfassender Sanierung im Jahr 1998 wird die heutige Fassade als unaufdringlich-zeitgemäß empfunden. Im Vordergrund der Busbahnhof.

Fotos:

Georg Bosselmann (aus: Wochenkalender des Museums Industriekultur 2009)

Joachim Dierks

Autor:
Joachim Dierks


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