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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bima macht keine Ausnahme für Baracke 35
Zwischenüberschrift:
Vermarktung für Kasernengelände in Atter soll beginnen – Investor muss Baudenkmal erhalten
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Sie steht zwar unter Denkmalschutz, die Baracke 35 auf dem Kasernengelände an der Landwehrstraße. Aber für sie will die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) keine Ausnahme machen, wenn die ehemaligen Quebec-Barracks demnächst vermarktet werden. Eine entsprechende Bitte der Stadt hat die Bima in Oldenburg jetzt abgelehnt.
Die Baracke 35 war im Zweiten Weltkrieg Bestandteil des Gefangenenlagers für serbische Offiziere (Oflag VIc). Wegen der historischen Besonderheiten hat sich der Verein Antikriegsbaracke Atter für eine Erinnerungsstätte auf dem ehemaligen Lagergelände eingesetzt.
Historisch gesehen ist es zumindest sehr ungewöhnlich, dass unter den serbischen Kriegsgefangenen 400 Offiziere jüdischen Glaubens bis 1944 fast unbehelligt ihre Gottesdienste begehen durften. Das geschah in einer Zeit, als Juden aus ganz Europa in die Vernichtungslager deportiert wurden. Viele der serbischen Offiziere blieben nach dem Krieg in Osnabrück und gründeten die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde.
Die historischen Zusammenhänge sind nur zu einem kleinen Teil aufgearbeitet. In diesem Jahr soll mit Unterstützung der Stadt und der Universität ein Expertenworkshop stattfinden, um den Forschungsstand zu dokumentieren.
Absage an OB Pistorius
Nach dem Krieg übernahmen die britischen Streitkräfte das Lager Eversheide und nutzten es bis 2008 unter der Bezeichnung Quebec Barracks. Der Abzug der Briten bietet nach Ansicht des Vereins Antikriegsbaracke Atter die einmalige Chance, einen Lernort zu schaffen, um an das historische Geschehen zu erinnern und die Zusammenhänge mit Hitlers Vernichtungskrieg deutlich zu machen. Um sein Vorhaben voranzubringen, forderte der Verein nicht nur den Erhalt einer Baracke, sondern eines ganzen Ensembles. Doch das erschien der Stadt Osnabrück überzogen. Im Dezember appellierte der Rat mit einem einstimmigen Beschluss an die Bima, die Baracke 35 mit einem 2000 qm großen Areal zwei Jahre lang von der geplanten Vermarktung auszunehmen.
" Ihrer Bitte nach einer Zurückstellung der Veräußerung dieser Teilfläche kann ich leider nicht entsprechen", heißt es in einem Schreiben von Roger Schiffer aus der bundeseigenen Immobilienverwaltung an Oberbürgermeister Boris Pistorius. Es bestehe die große Gefahr, dass nach Ablauf der zwei Jahre ein Verkauf an den Verein Antikriegsbaracke Atter nicht zustandekomme und eine Restfläche zurückbleibe, die sich nicht mehr verwerten lasse.
Christine Grewe vom Büro für Friedenskultur der Stadt Osnabrück sieht dennoch eine Chance, die Baracke zu erhalten. Das Gebäude stehe ja unter Denkmalschutz, sagt sie. Darauf habe ein zukünftiger Investor Rücksicht zu nehmen. Und die Kulturverwaltung sei nach wie vor offen für eine projektbezogene Unterstützung. Insofern sei der Zug für eine Nutzung der Baracke nicht abgefahren.
Der Verein Antikriegsbaracke Atter ist da weniger zuversichtlich. Mit nur einem Gebäude ließen sich die Ziele kaum erreichen, erklärt der Vorsitzende Walter Gröttrup. Deshalb habe der Verein immer auf ein Ensemble von Baracken gesetzt.
Gröttrup weist darauf hin, dass es weitere Vereine und Initiativen gebe, mit denen über eine gemeinsame Nutzung gesprochen werde. Dazu gehörten der Bürgerverein Eversburg, die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde, die Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft, die Hans-Calmeyer-Initiative und der Reservistenverband.

Bildtext:

Ist der Zug für eine Gedenkstätte abgefahren? Die Baracke 35 auf dem ehemaligen Lagergelände in Atter.

Foto:

Klaus Lindemann

Kommentar:

" Die Deutschen spielten mit dem Leben der Kriegsgefangenen"

Als historische Einmaligkeit gilt zwar, dass jüdische Gefangene im Lager Eversheide relativ unbehelligt ihren Glauben ausüben durften. Gleichwohl wurden im Nürnberger Prozess schwerwiegende Misshandlungen und Willkürakte festgestellt.

Hier einige Beispiele aus einer Dokumentation: " Die Deutschen spielten mit dem Leben der Kriegsgefangenen und schossen oft auf sie aus reinstem Übermut . . . Am 22. Juli 1942 schoss ein Posten auf eine Gruppe von Offizieren. Am 2. September 1942 schoss wieder ein Posten, diesmal auf den jugoslawischen Oberleutnant Vladislav Vajs, welcher infolge der Verwundung dauernd invalide blieb . . . Am 11. März 1942 schoss ein Posten auf einen kriegsgefangenen Offizier nur deshalb, weil dieser rauchte. Am 11. März 1943 schoss ein Posten durch die Tür in eine Baracke hinein und tötete den kriegsgefangenen General Dimitrij Pavlovié . . ."
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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