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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Einzelhandel will Beirat für Center-Bau
Zwischenüberschrift:
Positionspapier der Initiative "Lebendiges Osnabrück": maximal 18 000 Quadratmeter am Neumarkt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die Initiative " Lebendiges Osnabrück" würde ein Einkaufszentrum mit 18 000 Quadratmetern am Neumarkt akzeptieren. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das das Bündnis von City-Kaufleuten während eines Gesprächs mit den Ratsfraktionen von SPD und Grünen vorgelegt hat.

" Diese Kröte würden wir schlucken, sagte Sprecherin Herlinde Fohs. Die 18 000 Quadratmeter schließen Gastronomie, Lebensmittel und Dienstleistungen ein. Die Initiative schlägt die Bildung eines Beirates mit Vertretern des Handels vor, der die Centeransiedlung kritisch begleiten soll. Einen solchen Beirat gab es auch beim Bau der Kamp-Promenade. Die Vertreter von SPD und Grünen nahmen den Vorschlag positiv auf.

Grundsätzlich bleiben die Kaufleute bei ihrer Kritik an dem geplanten Center. Es gebe keinen Bedarf an zusätzlichen Verkaufsflächen in Osnabrück, heißt es in dem 20-seitigen Papier. Denn der stationäre Einzelhandel stagniere seit Jahren und sei auch wegen des steigenden Internethandels keine Wachstumsbranche mehr.

Die Centergegner gehen davon aus, dass die Zahl der Innenstadt-Besucher in den kommenden Jahren sinken wird. Zusätzliche Verkaufsflächen würden daher nur zu einer Umverteilung der Passantenströme und des Umsatzes führen. Ein Center am Rande der Innenstadt würde die Erosion des Einzelhandels in den City-Randzonen beschleunigen. Daher sollte es das Bestreben der Politik sein, sich " auf den Erhalt bestehender Einzelhandelslagen im Kernbereich der Stadtmitte" zu konzentrieren, so die Initiative.

Das Center hätte " nur einen Punktkontakt" zur gewachsenen City und eine geschlossene, nach innen gerichtete Architektur. " Da helfen auch die von den Entwicklern versprochenen Hintertüren der Erdgeschossflächen nicht. Diese sind in der Praxis, weil schwer zu überwachen, immer geschlossen."

Für die städtebauliche Aufwertung des Neumarktes wäre ein Center in der vom Investor gewünschten Größenordnung gar nicht nötig, heißt es weiter. Das Ziel könnte auch mit einem " angemessenen Einkaufscenter" mit 15 000 Quadratmetern Verkaufsfläche erreicht werden.

Der Stadt würde ein Center keinen wirtschaftlichen Gewinn bringen, sondern eher schaden, so die These der Centergegner. Sie schätzen, dass jährlich zehn Millionen Euro der Wertschöpfung aus dem Handel aus Osnabrück abfließen würden.

Diese Schätzung basiert auf der Annahme, dass in einem Einkaufszentrum zu 98 Prozent Filialbetriebe angesiedelt werden, die überwiegend Teilzeitkräfte auf 400-Euro-Basis beschäftigen. Laut Positionspapier liegt der Filialisierungsgrad in der Innenstadt von Osnabrück zurzeit bei 63 Prozent. Gut bezahlte Jobs gebe es nur in den Firmenzentralen, so die Centergegner. Und dorthin flössen auch zum großen Teil die Steuereinnahmen. Bei ortsansässigen Einzelhändlern blieben etwa 75 Prozent der Wertschöpfung in der Stadt. Bei Filialisten nur 25 Prozent. Es müsse aber das Ziel der Politik sein, einen möglichst großen Teil der Kaufkraft der Einwohner als Wertschöpfung vor Ort zu halten. Zu berücksichtigen sei auch, dass durch das größere Flächenangebot ein Rückgang der Mieteinnahmen zu erwarten sei.

Vom Bau eines Centers würde die heimische Baubranche kaum profitieren. Im Positionspapier heißt es: " Es wird ein Baukonzern als Generalunternehmer bestellt, der dann die eigentlichen Bauarbeiten durch einen osteuropäischen Baubetrieb durchführen lässt." Von den 180 Millionen Euro, die der Bau kosten soll, würden " 95 Prozent" an Osnabrück vorbeigehen.

Der Investor mfi strebt ein Center mit 22 800 Quadratmeter Verkaufsfläche an. Hinzu kommen Flächen für Gastronomie und Dienstleistungen. Das ist die Größenordnung, die das Cima-Gutachten über die Verträglichkeit eines Einkaufszentrums als Obergrenze definiert. Die untere Grenze liegt laut Cima-Gutachten bei 18 000 Quadratmetern Verkaufsfläche (plus Gastronomie und Dienstleistungen). Ein kleineres Center würde keine zusätzlichen Kunden aus der Region anlocken.

Kommentar:

Fragwürdige Argumentation
Wer Argumente braucht, nehme eine Statistik. Es findet sich gewiss eine Zahl, die geeignet scheint, die eigene These zu stützen. Zur Not lässt sich auch etwas Unwiderlegbares hineininterpretieren. Wer sich das Positionspapier der Initiative " Lebendiges Osnabrück" genauer anschaut, kann zu dem Schluss kommen, dass auch hier Zahlen passend zusammengefügt wurden.
Beispiel Passantenfrequenz: Das Positionspapier greift auf die Zählung der Cima-Gutachter von 2004 und 2010 zurück. Die Zahl der Passanten ist demnach in der südlichen Großen Straße um acht Prozent zurückgegangen. Aber: Zum Zeitpunkt der Zählung 2004 gab es die Kamp-Promenade noch nicht, und die Gutachter weisen im Begleittext ausdrücklich darauf hin, dass sich die Passantenströme seither an der Hamkenstraße aufspalten. Insgesamt sei die Frequenz gestiegen. Ein wichtiges Argument der Centergegner verliert dadurch seine Grundlage.
Beispiel Bauinvestition: Dass von der Investition von 180 Millionen Euro nur 8 Millionen in Osnabrück für Abrissarbeiten und Lieferung von Sand, Kies und Beton bleiben, ist reine Spekulation, wird im Positionspapier aber als Fakt präsentiert.
Beispiel Betreiber: Die Gegner sagen, das Objekt werde zu 80 Prozent an einen Immobilienfonds verkauft. Was sie ausblenden: Das Geschäftsmodell der mfi stützt sich im Gegenteil auf die Entwicklung und den langfristigen Betrieb von Centern.
Die Sorgen der Kaufleute sind ernst zu nehmen. Auch ihre Beteiligung in einem Beirat ist eine gute Idee. Aber die Argumentation, wie sie im Positionspapier niedergelegt ist, bleibt in Teilen fragwürdig.

Bildtext:

Die Initiative " Lebendiges Osnabrück" legt in einem Positionspapier ihre Argumente gegen ein Einkaufszentrum am Neumarkt vor.

Foto:

Michael Hehmann
Autor:
Wilfried Hinrichs


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