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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Sie wollen kein Meer von Solarzellen
Zwischenüberschrift:
Anwohner des Tongrubenweges wehren sich gegen geplante Fotovoltaikanlage der Stadtwerke
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Nein, sie haben nichts gegen Solarzellen, solange sie auf Dächern installiert sind. Aber sie wehren sich gegen das geplante Sonnenkraftwerk vor ihrer Haustür. Die Mitglieder der Bürgerinitiative Tongrube Hellern wollen, dass die ehemalige Mülldeponie grün bleibt und nicht mit 9000 Modulen zugepflastert wird.
Der Boden am Tongrubenweg ist verseucht. Von 1951 bis 1965 kippte die Stadt Osnabrück ihren gesamten Müll in die Löcher, die vom Tonabbau zurückgeblieben waren. In Hellern wird auch von geheimnisvollen Fässern mit giftigem Inhalt erzählt, die in einer hinteren Ecke der Deponie lagern sollen.
Über die Müllhalde ist Gras gewachsen, und wer an nichts Böses denkt, könnte dem Trugschluss verfallen, hier sei die Welt noch in Ordnung. Aber sobald an der Oberfläche gekratzt wird, wie gerade kürzlich beim Bau eines Krötenschutzzauns, kommt das vergessene Erbe aus der Wirtschaftswunderzeit wieder zum Vorschein. Zum Beispiel Glasflaschen, Plastikmüll und Damenstrümpfe, dazu die aufsteigenden Methandüfte, die nichts Gutes erahnen lassen.
Wegen dieser Altlast im Boden musste die Stadt in den 80er-Jahren ihre Pläne von einer neuen Wohnsiedlung aufgeben. Jetzt wollen die Stadtwerke auf dem 5, 6 Hektar großen Deponiegelände südlich des Tongrubenweges eine riesige Fotovoltaikanlage bauen. Groß genug, um 440 Haushalte mit Strom zu versorgen.
Auf diesem Areal gebe es noch Rehe, Hasen und Eichhörnchen, aber auch seltene Vögel wie die Gabelweihe und den Schwarzen Milan, sagt Anwohnerin Monika Hohenstein. Sie sorgt sich, dass es damit vorbei sein könnte, wenn das Solarkraftwerk erst steht und mit einem hohen Zaun eingefriedet ist. Vor allem befürchtet sie aber, dass die Tonschicht unter dem Müll beim Aufstellen der Modulständer Schaden nimmt, sodass giftige Stoffe ins Grundwasser und damit auch in ihr Brunnenwasser gelangen könnten.
Weg vom Atomstrom
Sie und ihre Nachbarn wollen weiterhin auf eine Wiese schauen und nicht auf ein " Meer von Solarzellen", das sie als Fremdkörper in der Landschaft empfinden. Ulrich Becker hat das Altlastgelände von seinem Wohnzimmer im sechsten Stock direkt im Blick. Er glaubt nicht, dass der Gesetzgeber so etwas gemeint hat, als er verfügte, dass für Fotovoltaikanlagen auf Deponieflächen die erhöhte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gezahlt werden muss.
Dass die Stadt mit dem geplanten Solarpark ihrem Klimaziel näher kommen will, lassen die Anwohner der Tongrube nicht gelten. " Ein Totschlagargument", sagt Kay Rose, der nebenan am Tulpenpfad wohnt. " Natürlich müssen wir vom Atomstrom weg", räumt er ein, aber etwas Falsches könne nicht mit etwas Falschem wiedergutgemacht werden. " Solaranlagen gehören auf Dächer", bekräftigt Nachbar Frank Carré. Für eine Solaranlage in dieser Größenordnung werde normalerweise ein Mindestabstand von 100 Metern zum nächsten Wohngebiet eingehalten. Am Tongrubenweg sei es nur die schmale Straße mit einem drei Meter breiten Grünstreifen.
Die Stadt hat angekündigt, dass die Frage der nachbarschaftlichen Verträglichkeit geprüft werde. Außerdem soll untersucht werden, ob der Solarpark die Vogelwelt und die Amphibienlebensräume beeinträchtigen könnte.

Information:

Planer laden ein zum Info-Abend

Eine Informations- und Erörterungsversammlung zur Planung von zwei Solarparks in Hellern veranstaltet der Fachbereich Städtebau der Stadt Osnabrück am Mittwoch, dem 8. Februar, um 19.30 Uhr in der Alten Kasse an der Großen Schulstraße 38. Interessierte haben Ge legenheit, Fragen zu stellen und Stellung zu beziehen.

Bis zum 24. Februar läuft die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung für die beiden Planvorhaben Solarpark Schneppersche Tongrube und Ströher Heide. Die Entwürfe für die entsprechenden Bebauungs- und Flächennutzungspläne werden im Internet unter www.osnabrueck.de veröffentlicht und liegen im Dominikanerkloster, Hasemauer 1, öffentlich aus.

Vorschläge und Einwendungen nimmt der Fachbereich Städtebau entgegen. Sie fließen in das Verfahren ein und werden vor einer Entscheidung vom Rat erörtert.

Bildtexte:

Solarmodule, so weit das Auge reicht: Einen Anblick wie hier im sächsischen Brandis wollen die Anwohner des Tongrubenweges nicht hinnehmen.

Sie wollen keinen Solarpark vor ihrer Tür: Kay Rose, Ulrich Becker, Monika Hohenstein und Frank Carré.

Wer buddelt, stößt sofort auf die Hinterlassenschaften der alten Mülldeponie.

Fotos:

Archiv/ dpa/ Egmont Seiler/ Bürgerinitiative Tongrube Hellern
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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