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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Hauptbahn, Nebenbahn, Kleinbahn
Zwischenüberschrift:
Eisenbahngeschichtlich eine Besonderheit: der Bahnhof Eversburg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Am Ende einer Sackgasse und flankiert von der ebenfalls mehrgleisigen Bahnstrecke Oldenburg–Bramsche–Osnabrück liegt das Schmuckstück: der Bahnhof Eversburg.
Umschlossen von Schienensträngen, liegt er wie auf einer Insel. Wer ihn erreichen will, muss entweder als Fußgänger unter den Gleisen der viel befahrenen Strecke Osnabrück–Rheine gleichsam " durchtauchen" was mittels eines Fußgängertunnels von der Atterstraße aus problemlos möglich ist oder als motorisierter Verkehrsteilnehmer einen etwas größeren Bogen schlagen und hinter der Grundschule in ein kleines Industriegebiet einbiegen.
1906 neben seinem Vorgängerbau errichtet, beeindruckt er durch eine attraktive Kombination von Bruchstein und Fachwerk. Bewusst unsymmetrische Giebel, großzügige Rundbogenfenster und typische Jugendstilelemente unterstreichen die außergewöhnliche Erscheinung des denkmalgeschützten Gebäudes.
Ein Weiteres: " Der Bahnhof Eversburg ist eisenbahngeschichtlich der interessanteste Bahnhof der Region", befindet Lothar Hülsmann, als Fotograf, Erforscher der lokalen Eisenbahngeschichte und Autor zahlreicher Fachbücher eine Koryphäe auf diesem Gebiet. " Die Logistik von Hauptbahn, Nebenbahn, Kleinbahn und Industrieanschluss sowie das Aufeinandertreffen zweier Länderbahnen machten Eversburg zu einem bedeutenden Knotenpunkt", erläutert er.
Das Eisenbahnzeitalter hatte in Osnabrück 1856 mit der Eröffnung der Hannoverschen Westbahn (Han nover–Osnabrück–Rhei ne) begonnen. Zwar hielten die Züge damals noch nicht in Eversburg, doch für die städtischen Kohlegruben am Piesberg gab es schon früh einen Gleisanschluss. Eine Zechenbahn transportierte die Kohle aus dem Hasestollen zum Haltepunkt Eversburg. Und die Bergarbeiter konnten von hier aus mit der Bahn zur Arbeit in den Piesberg fahren. Heute nutzen die Osnabrücker Dampflokfreunde diesen Anschluss.
Ganz ohne Eile
Besondere Bedeutung erhielt Eversburg 1876 als Endstation der neu erbauten Oldenburger Südbahn, die in Kooperation zwischen dem Großherzogtum Oldenburg und dem Königreich Preußen den preußischen Kriegshafen Heppens (später Wilhelmshaven) an dasübrige preußische Staatsgebiet anschloss. Die " Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn", abgekürzt GOE und im Volksmund als " Ganz ohne Eile" verspottet, übernahm den Betrieb auf der gesamten Strecke, und auch das Bahnhofspersonal des auf preußischem Staatsgebiet befindlichen Eversburg war bei der GOE angestellt.
Schnittpunkt
In Eversburg als dem Schnittpunkt zweier Länderbahnen wurde die Wagenübergabe zwischen GOE und Königlich Preußischer Eisenbahnverwaltung im Güterverkehr abgewickelt. Entsprechend großzügig waren die Gleisanlagen gestaltet. Während der Güterverkehr hier endete, fuhren Personenzüge der GOE bis in das Stadtgebiet Osnabrück, zunächst zum Hannoverschen Bahnhof am Berliner Platz, später zum 1895 fertiggestellten Hauptbahnhof.
Noch lebendiger wurde der Bahnhofsbetrieb, als nach der Jahrhundertwende eine Schmalspurbahn zwischen Eversburg und Rheine, die spätere Tecklenburger Nordbahn, den Betrieb aufnahm. Die Züge dieser privaten, von Aktionären finanzierten 1000-mm-Bahn endeten in Eversburg, Reisende nach Osnabrück mussten auf die GOE umsteigen.
Florierende Zeiten
In dieser Zeit florierenden Eisenbahnverkehrs errichtete die GOE den Bahnhofsneubau. Doch schon bald wurde es ruhiger im Eversburger Güterverkehr. Ob man in Oldenburg nicht bedacht oder nicht gewusst hatte, dass Preußen in Osnabrück-Fledder einen zentralen Verschiebebahnhof plante?
Ab 1913 wurden sämtliche Güterzüge dort zusammengestellt. Entgegengesetzt verlief die Entwicklung im Personenverkehr: Ab 1942 hielten die Personenzüge auf der Strecke von Osnabrück nach Rheine endlich auch in Eversburg. Bedeutsam war der Bahnhof bis in die 1960er-Jahre vor allem für Berufspendler und Schüler. Von den 160 täglich durchfahrenden Zügen hielten 1952 immerhin 70 Personenzüge.
Wie an vielen Bahnhöfen begann in den 70er-Jahren der Niedergang, und als Anfang der 90er-Jahre auch die Nahverkehrszüge aus Rheine und Oldenburg nicht mehr in Eversburg hielten, war, so Lothar Hülsmann, " das Aus für den Bahnhof besiegelt".
Das Gebäude wurde von der Bundesbahn an private Investoren verkauft. " Es folgten mehr als 20 traurige Jahre", erinnert sich Hülsmann, " Konkursverfahren, Pläne für das größte Kartoffelhaus Deutschlands′, Rotlichtgerüchte während der Bahnhof immer weiter verfiel".
Die glückliche Wende gelang ab 2006 mit der gründlichen Sanierung des Hauses und der Eröffnung eines Feinschmecker-Fischrestaurants 2010.
" Natürlich möchten wir gerne, dass wieder Züge am Bahnhof halten", wünscht sich Küchenchef Peter Scheibe mit Bezug auf Bestrebungen, die " Tecklenburger Nordbahn" für den Personenverkehr zu reaktivieren, und stellt für den Frühsommer schon mal die Eröffnung eines Biergartens in Aussicht.

Bildtexte:

Zwar hält seit über 20 Jahren kein Zug mehr in Eversburg, aber Eisenbahnkenner Lothar Hülsmann freut sich, dass das schöne Bahnhofsgebäude erhalten werden konnte und als Spezialitäten-Restaurant mit neuem Leben erfüllt ist.

Viele halten ihn für einen der schönsten Bahnhöfe Deutschlands: unten massiver Bruchstein, oben Fachwerk und in der Mitte Jugendstil. Der Holzvorbau wurde in den 1950er-Jahren abgerissen.

Fotos:

Petra Pieper/ (Sammlung Hülsmann)

Autor:
Petra Pieper


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