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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Nacht der entwurzelten Bäume
 
Bilanz: Bundesweit 2,4 Milliarden Euro Schaden
Zwischenüberschrift:
Weltuntergangsstimmung: Heute vor fünf Jahren schlug Kyrill mit zerstörerischer Kraft zu
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Es war die angekündigte Katastrophe. Heute vor fünf Jahren tobte sich Orkan Kyrill auch in Osnabrück aus. Schon Stunden vorher hatten die Wetterdienste davor gewarnt. Dass es so schlimm kommen würde, hätte aber kaum jemand für möglich gehalten. Es herrschte Weltuntergangsstimmung.
Die Bilanz dieses 18. Januar 2007 ist verheerend: Allein in der Stadt musste die Feuerwehr innerhalb von 24 Stunden 500-mal ausrücken. Tausende von Bäumen wurden entwurzelt. Ganze Waldstücke wurden verwüstet. Überall prasselten Dachziegel und Äste auf Bürgersteige und Autos. An den Berufsbildenden Schulen in Haste fegte der Orkan ein Flachdach zu Boden, und der Keller des Marienheims in Sutthausen stand unter Wasser, weil die verstopfte Düte über die Ufer getreten war. 20 Straßen waren gesperrt, der Bahnverkehr kam zum Erliegen, weil Gleise durch Trümmer blockiert waren. Trotz der immensen Sachschäden, die alle längst behoben sind, gab es auch eine gute Nachricht: Zum Glück wurden nur fünf Osnabrücker leicht verletzt.
Die Spuren des Orkans
Wer heute mit offenen Augen durch die Stadt geht, kann an einigen Stellen Spuren entdecken, die Kyrill hinterlassen hat. Zum Beispiel am Hoffmeyerplatz in der Wüste. Die Kreuzung hat nach dem Orkan ihr Gesicht komplett verändert. 40 alte Linden mussten gefällt und ersetzt werden. Die Bäume waren zwar zunächst stehen geblieben. Doch der Wind hatte so heftig an den Kronen gerüttelt, dass die Wurzeln nicht mehr sicher im Erdreich verankert waren. Die erzwungene Fällaktion tut Thomas Maag von der städtischen Grünflächenunterhaltung noch immer in der Seele weh. Jetzt werde es wohl 50 Jahre dauern, bis der Hoffmeyerplatz wieder seinen alten Charme habe.
Seine Visitenkarte gab Kyrill auch an der Schlachthofstraße ab, legte dort fast die gesamte Baumreihe flach. Statt der großen, dicken Bäume säumen hier seit vier Jahren kleine Silberlinden die Allee. Besonders heftig schlug der Orkan allerdings in den Nadelwäldern am Stadtrand zu. Im Winter bieten zum Beispiel Fichten am meisten Angriffsfläche und hielten den Böen nicht stand. Oberhalb der Schinkelbergwiese am Fernmeldeturm zeugte bis vor Kurzem davon noch eine Brachfläche, auf der die Aufforstungsarbeiten in den letzten Zügen liegen.
Im Heger Holz lagen die Stämme wie bei einem Mikadospiel verstreut am Boden. Rund fünf Hektar Wald waren betroffen, die bis Ende 2009 weitgehend neu bepflanzt wurden mit 30 000 Setzlingen, drei Viertel davon Laubbäume. Die Aufforstungsflächen sind noch gut erkennbar, denn die neu angepflanzten Bäume sind noch nicht einmal einen Meter hoch. Die entwurzelten und abgeknickten Fichten (insgesamt etwa 2000 Festmeter) wurden nach Auskunft von Frank Henrichvark, dem Wort- und Buchhalter der Heger Laischaft, überwiegend nach Norwegen verkauft und dort als Bauholz verwendet mit hohen finanziellen Einbußen. Denn aufgrund des Überangebotes an Sturmholz im Frühjahr 2007 wurden unterm Strich nur 50 bis 70 Prozent der marktüblichen Preise erzielt.

Bildtext:

Aus der Vogelperspektive war einige Wochen nach Kyrill das ganze Ausmaß des Orkans erkennbar (wie hier im Heger Holz nahe dem Parkhotel). An der Schlachthofstraße knickten die Alleebäume in der Orkannacht wie Streichhölzer um (Bild oben rechts). Am Hoffmeyerplatz in der Wüste mussten später 40 Linden gefällt und ersetzt werden.

Fotos:

Westdörp/ Martens

Bilanz: Bundesweit 2, 4 Milliarden Euro Schaden
Vom 17. bis 19. Januar 2007 fegte der Orkan Kyrill über Europa. 47 Menschen starben, elf davon in Deutschland. Am Aletschgletscher in der Schweiz wurde eine Spitzenwindgeschwindigkeit von 225 Kilometern pro Stunde gemessen. Am Wendelstein in Bayern brachte es Kyrill immerhin auf 202 km/ h. Laut der Deutschen Rückversicherung kostete Kyrill die deutsche Versicherungswirtschaft rund 2, 4 Milliarden Euro.
Kyrill reiht sich ein in die Liste der Stürme, die mit zerstörerischer Kraft über Deutschland fegten. Beim Orkantief Wiebke im März 1990 wurden 201 km/ h gemessen. Lothar erreichte im Dezember 1999 sogar 259 km/ h. Nach Kyrill sorgten noch Emma im März 2008 mit Tempo 135 und Xyn thia im Februar 2010 mit Böen von bis zu 180 km/ h für Verwüstungen. Das jüngste Orkantief Andrea war in diesem Monat mit lediglich 106 km/ h vergleichsweise zahm. dpa
Autor:
Holger Jansing, dpa


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