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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Kein Wahlrecht für die Ärmsten
Zwischenüberschrift:
Dezember 1911: Frierende Schaffner und geschmückte Schaufenster
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wer vor 100 Jahren von der Armenunterstützung lebte, besaß kein Wahlrecht. Um Geld ging es im Dezember 1911 im Reich, in der alten Stadt Osnabrück und im Osnabrücker Tageblatt. Alles war viel teurer als in den Vorjahren und Vormonaten die Wirtschaftskrise hatte dazu geführt, dass die ohnehin schon Armen noch einmal ärmer geworden waren.

Auch in Osnabrück müssten viele mittellose Mitmenschen gespeist werden. Für den täglichen Bedarf der finanzschwachen Haushalte wurde Seefisch nach Osnabrück gebracht und dort, stark subventioniert, in besonderen Läden und Marktständen verkauft. Die Weihnachtsreklamen der Osnabrücker Geschäfte warben in den Zeitungen mit " billigen Preisen", um das Weihnachtsgeschäft nicht zu gefährden.

Dazu passte die Debatte, die im Reichstag geführt wurde. Von der gesamten Steuerlast Deutschlands, nämlich 3500 Millionen Mark, trugen die untersten Schichten der Bevölkerung, die drei Viertel der Menschen im Reich ausmachten, 1200 Millionen, während das obere Viertel 2300 Millionen Steuern zahlte.

Zu Leserbriefen und Diskussionen führte die Zeitungsnotiz, dass diejenigen im Reich nicht an der anstehenden Reichstagswahl teilnehmen durften, die Armenunterstützung bezogen. Ausgenommen waren Menschen, die durch kurzfristige Notlagen Armenunterstützung erhielten. Alle anderen, " die dauernd der öffentlichen Armenpflege zur Last" fielen, durften 1911 nicht an die Wahlurne.

Es war kalt im Winter vor 100 Jahren. Die Straßenbahnschaffner wandten sich mit einem Gesuch an die Stadtverwaltung, das bei der harschen Witterung im Dezember gut nachzuvollziehen war. Sie beantragten Glasscheiben für den Perron. Die Schaffner, städtische Beamte, froren nämlich bitterlich. Mit ihnen auch die Fahrgäste, aber bis zu diesem Winter hatte sich die Verwaltung gegen Schutzscheiben gesträubt. Warum, das wusste niemand.

An den drei Sonntagen und zwölf Werktagen der Vorweihnachtszeit galten die üblichen Ladenöffnungszeiten nicht mehr. Von 7 Uhr am Morgen bis 9 Uhr am Abend hatten die Osnabrücker Geschäfte geöffnet. In den letzten Tagen vor dem Fest durften Kunden bis 22 Uhr bedient werden. Zunehmende Konkurrenz der Geschäfte um die Kunden und die Verabredung, " solide und nicht marktschreierisch" zu dekorieren, hatten die Einkaufsstraßen der Stadt sehr verändert. Wie gebannt standen Groß und Klein vor all den Herrlichkeiten, berichtete der Zeitungsreporter. Das Schaufenster hatte seinen Zweck erfüllt es sollte die Betrachter nicht mehr loslassen und unbekannte Wünsche wecken.

Osnabrücks städtische Kollegien diskutierten einmal mehr über das Schulwesen für Mädchen. Seit 1908 hatte sich viel geändert. Die Höhere Schule hatte zehn Klassen. Im Lyzeum vereinten sich die Frauenschule und das höhere Seminar. Nun erwog man die Einrichtung einer " Studienanstalt". Sie sollte als Parallele zur höheren Knabenschule dienen, die bis zum Abitur führen konnte.

Zwischen Liebigstraße und Bohmter Straße plante man, die Straßen zu befestigen und mit Kanälen zu versehen. Nicht vergessen werden durften Laternen und Fußwege, meldeten sich einige Bürgervorsteher zu Wort. Stadtbaurat Lehmann hatte die Kosten bereits ermittelt. 68 000 Mark für Schotter und späteres Pflaster waren einkalkuliert.

Die umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten im Osnabrücker Rathaus fanden im Dezember ihren Abschluss. Etwa 80 500 Mark waren für die Neugestaltung aufgewendet und alle Bauarbeiten eng mit der Denkmalpflege abgestimmt worden.

Bildtext:
Die Straßenbahn hatte vor 100 Jahren noch keine Schutzscheiben für den Perron. Warum, das wusste niemand. Kein Wunder, dass die Schaffner froren. Hier ein Foto aus der Möserstraße.
Autor:
Christiana Keller


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