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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Heimspiel vor der Ladentür
Zwischenüberschrift:
Die Johannisstraße im adventlichen Lichterglanz um 1956
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Osnabrücker Fotograf Georg Bosselmann (1914–1983) hat sich nicht nur als Industrie- und Werbefotograf der Wirtschaftswunderjahre einen Namen gemacht. Gern hielt er auch Straßenansichten fest, und zwar vorzugsweise bei Dunkelheit und Regenwetter. Er verstand es meisterhaft, mit den glänzenden Pflasterstrukturen und dem Widerschein der Schau fensterlichter darauf zu " spielen", wie auf diesem Foto der weihnachtlich geschmückten Johannisstraße.

Es ist sozusagen ein Heimspiel, denn Bosselmann hielt darauf sein eigenes Atelier und das zugehörige Ladengeschäft fest. Es liegt am rechten Bildrand hinter der Einmündung der Großen Rosenstraße. Die beiden erleuchteten Kreise über der Ladentür sind das Logo der damals weithin bekannten Filmmarke " Adox". Das Eckhaus ist behelfsmäßig vorerst nur zweigeschossig wiedererrichtet worden, während die sich anschließenden Häuser Möbel Sandkühler (Nr. 80/ 81) und Schuhmoden Bröcker (Nr. 82) in der alten viereinhalbgeschossigen Höhe, aber zurückgesetzter Bauflucht neu entstanden sind.

Dadurch können Autos vor den Ladengeschäften halten, ohne mit der Straßenbahn in Konflikt zu kommen. Zwei Opel Olympia Rekord machen davon Gebrauch. Beim hinteren ist das Kennzeichenschild der Besatzungszeit zu erkennen: " BN" für Britische Zone Niedersachsen in weißer Schrift auf schwarzem Grund. Damit wird die Datierung der Aufnahme " um 1956" plausibel. Ab dem 1. Juli 1956 wurden nämlich die Kennzeichen auf die Abkürzung " OS" in schwarzer Schrift auf weißem Grund umgestellt.

Auf der linken Straßenseite ist das Bekleidungshaus Leffers nach einer ersten Wiederaufbauphase zu erkennen. Der Jugendstil-Altbau von 1914, als " eines der schönsten Kaufhäuser Deutschlands" gerühmt, ging 1944/ 1945 im Bombenhagel unter. Der Verkauf lief trotzdem weiter: aus Schaukästen und Garagen heraus, die an sieben verschiedenen Stellen in der Stadt verteilt waren. Nach 1947 vollzog sich der Wiederaufbau in mehreren Teilschritten. Auf dem hier gezeigten Foto ist der nördliche Flügel am linken Bildrand noch eingeschossig. 1959 war das Haus in etwa der alten Größe wiedererrichtet. 1995 investierte die Inhaber-Familie Nülle in ein weiteres Stockwerk und eine modernisierte Fassade. 2001 verkaufte sie den operativen Geschäftsbetrieb an die Sinn-Leffers AG. 2008 rutschte die Karstadt-Tochter in die Insolvenz, das Osnabrücker Haus entging jedoch der Schließung. Seitdem scheint das nach eigenen Angaben zweitgrößte Bekleidungshaus Osnabrücks wieder zu florieren.

Damals wie heute im Vergleich zu den gleißenden Schaufensterauslagen nur schwach angestrahlt, bilden die Türme von St. Johann den krönenden Hintergrund und Abschluss der Straßenszene. Mit dem Jahr 2011 geht in wenigen Tagen ein bedeutendes Jubiläumsjahr zu Ende. Bistum und Johannisgemeinde feierten die Gründung des Stifts St. Johann vor tausend Jahren. Mit einer Festwoche, einer viel beachteten Ausstellung an drei Standorten und einer Reihe von hochkarätigen Vorträgen war der Gründung des Dom-Nebenstifts durch Bischof Detmar gedacht worden. Vom ursprünglichen Stift ist heute nichts unmittelbar Sichtbares mehr erhalten. Bei Ausgrabungen wurden punktuell Fundamentreste von Vorgängerbauten entdeckt, jedoch keine vollständigen Grundrisse. An einer größeren Johanniskirche wurde seit 1292 gebaut, ihr jetziges Aussehen erhielt sie im 14. Jahrhundert. Rund um die Kirche entstand die Neustadt. 1306 schlossen sich Altstadt und Neustadt mit einer gemeinsamen Ummauerung zusammen. Jedoch behielt die Neustadt bis 1808 ihre eigene Verwaltung im Neustädter Rathaus, aus dieser Perspektive hinter der Kirche an der Ecke Johannisfreiheit gelegen.

Bildtext:

Das kennen wir doch Advent mit Nieselregen anstatt Schnee. So auch 1955 oder 1956 auf dieser Ansicht der Johannisstraße zwischen Großer Rosenstraße und Kirche St. Johann.

Die Johannisstraße heute. Und auch hier: nasses Pflaster, keine Menschen.

Fotos:

Georg Bosselmann (aus: Wochenkalender des Museums Industriekultur 2010)

Jörn Martens
Autor:
Joachim Dierks


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