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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Café Opitz opulent wieder aufgebaut
Zwischenüberschrift:
Advent 1953 in der Großen Straße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Mit der Währungsreform 1948 erhielt der Wiederaufbau der kriegszerstörten Innenstadt starke Impulse. Besonders schnell ging es in Osnabrücks Haupteinkaufsstraße, der Großen Straße, voran, wie sich an der historischen Aufnahme vom Advent 1953 ablesen lässt. Selbst eine bescheidene Weihnachtsbeleuchtung in Form von aufgeständerten Lichterketten mit nackten Glühbirnen gehörte wieder dazu.

Und wenn es zunächst nur ein- bis zweigeschossige Behelfsbauten waren, die die Kaufleute zwischen die Ruinen setzten Hauptsache, ihr Geschäft hatte eine Ladentür, durch die die Kunden eintreten konnten, und ein großes Schaufenster. Denn mit der neuen Währung war auf einmal wieder Ware da, die man offiziell präsentieren konnte, anders als zu Schwarzmarktzeiten, wo die knappen Güter in Manteltaschen oder Rockaufschlägen verborgen werden mussten. 1953 strahlen alle Schaufenster schon wieder um die Wette. Als Behelfsbau fällt noch die Rackhorst′sche Buchhandlung auf. Das Eckhaus zur Georgstraße ist vorerst zweigeschossig aufgebaut worden. Weiter rechts, auf der anderen Straßenseite, sind viergeschossige Bauten in der neuen, zurückgesetzten Bauflucht entstanden. Im linken, heller beleuchteten Bau verkaufte damals Hermann Telgkämper Musiktruhen und dann und wann auch mal ein Fernsehgerät (Nr. 70; heute Juwelier Christ). Rechts schließt sich, damals wie heute, Bücher Wenner im Haus Nr. 69 an. Darauf folgte das Seidenhaus Landwehr in dem damals noch eingeschossigen Haus Nr. 68.

Das Eckgrundstück zur Großen Hamkenstraße (Nr. 67) wurde mit dem Eiskaffee Opitz in geradezu opulenter Bauweise wiederbebaut. Das " Eiko", wie es abgekürzt von den Teens und Twens der 1930er- und 1940er-Jahre genannt wurde, war zentraler Punkt des Bummels entlang der Großen Straße, den man unternahm, um zu sehen und gesehen zu werden. Der Fußgängerverkehr war schon 1926 so dicht geworden, dass eine Entzerrung der Gehrichtungen polizeilich angeordnet worden war. Wer Richtung Neumarkt ging, musste den Bürgersteig auf der Seite des Eiskaffees Opitz nehmen, wer zum Nikolaiort wollte, wurde auf die Seite des Kaufhauses Alsberg, später + T, verwiesen. Alfred Spühr ist der Hinweis zu verdanken, dass noch bis in die Nachkriegszeit hinein Pfeile und die Aufforderung " Rechts gehen!" vor L + T im Pflaster eingelassen waren. Auch habe es die Anweisung an die Geschäftsinhaber gegeben, ihre Schaufenster nicht zu auffällig zu dekorieren, um Verkehrsstaus zu vermeiden.

Ende der 1950er-Jahre verpachtete Paul Opitz das Café, das sich fortan " Martinelli" nannte. 1984 errichtete die Stadtsparkasse dort einen Neubau, in dem sie ihre City-Filiale unterbrachte. Mit der Fassade aus Gravenhorster Sandsteinplatten und Osnabrücks erstem gläsernen Aufzug gab man diesem markanten Ort einen zeitgemäßen städtebaulichen Akzent. Später wurde die Filiale in einen SB-Automaten-Standort zurückgestuft. 2003 wurde auch der abgezogen.

Das historische Foto verdanken wir der Tatsache, dass der damals 23-jährige Hobbyfotograf Hugo Mittelberg gerade eine neue Leica-Kleinbildkamera bekommen hatte. Für die nächtlichen Aufnahmen der adventlich geschmückten Einkaufstraßen verwendete er erstmals einen Farb-Umkehrfilm. " 13, 50 DM kostete der damals, das weiß ich noch wie heute. Da musste jeder Schuss sitzen", so Mittelberg. 13, 50 DM für 36 Aufnahmen waren im Verhältnis zu seinem Verdienst als Vermessungstechniker auf der Georgsmarienhütte damals so viel, wie heute eine ganze Kamera kosten würde.

Bildtexte:
Die Große Straße im Advent 1953: Rechts mündet der Jürgensort ein, hinten links die Georgstraße. Das Bild stammt aus dem Wochenkalender des Museums Industriekultur für 2011.

Die ganze Straßenbreite gehört seit Jahrzehnten den Fußgängern.

Fotos:
Hugo Mittelberg, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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