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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Stadt will zwei Grünabfallplätze schließen
Zwischenüberschrift:
Am Paradiesweg und am Gut Leye – CDU kündigt Widerstand an
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Der Osnabrücker Service-Betrieb (OSB) will das Grünabfallsystem straffen, zwei Sammelstellen schließen und große und kleine Wertstoffhöfe einrichten. Ziel sei es, die Gebühren stabil zu halten, sagt der städtische Finanzchef Horst Baier.
Zurzeit unterhält der Service-Betrieb 15 Grünabfallsammelplätze, drei Recyclinghöfe und das Abfallwirtschaftszentrum Piesberg. Auf dem Tisch liegt der Vorschlag der Verwaltung, die Grünabfallplätze Gut Leye in Atter und Paradiesweg in Nahne zu schließen. Das sind die am wenigsten genutzten Plätze. Der Platz am Gut Leye war 2010 mit 6593 Anlieferungen mit Abstand Tabellenletzter. Am Paradiesweg wurden 8020 Kunden gezählt. Zum Vergleich: Spitzenreiter ist der Sammelplatz am Kapellenweg in Schinkel mit weit über 27 000 Lieferungen.
Wertstoff statt Abfall
Zugleich sollen die Begriffe Grünabfallsammelplatz und Recyclinghof verschwinden. Der Service-Betrieb will die Plätze in Wertstoffhöfe umbenennen. Die unterschiedlichen Funktionen sollen sich in dem Zusatz " groß" und " klein" ausdrücken. Aus den heutigen Recyclinghöfen, die alle Abfall- und Wertstofffraktionen aufnehmen, werden große Wertstoffhöfe. Aus den bislang 15 Grünabfallsammelplätzen werden 12 kleine Wertstoffhöfe, die zusätzlich Container für Altpapier, Altmetall und andere Wertstoffe erhalten soweit dafür Platz ist.
Der Service soll sich nicht verschlechtern, im Gegenteil: Die großen, ganzjährig geöffneten Wertstoffhöfe werden eine Stunde in der Woche länger geöffnet bleiben. Die kleinen Wertstoffhöfe werden im Winter zwei Wochenstunden länger in Betrieb sein. Nach dem Konzept der Verwaltung sollen sich die Öffnungszeiten der großen und kleinen Wertstoffhöfe ergänzen. Wenn die kleinen dienstags und donnerstags geschlossen sind, haben die großen Höfe länger geöffnet. Die Öffnungszeiten am Samstag sollen vereinheitlicht werden. Große Wertstoffhöfe soll es an der Ellerstraße, Gluckstraße, Limberger Straße und am Hasewinkel geben.
Der für den Service-Betrieb zuständige Werksausschuss des Rates hat die Pläne in nicht öffentlicher Sitzung beraten. Der Personalrat stimmte dem Konzept bereits zu. Die Fraktionen beraten noch intern.
Die CDU hat sich schon eine Meinung gebildet: Sie kündigt " entschiedenen Widerstand" gegen die Schließungspläne an, wie es in einer Mitteilung von Fraktionschef Fritz Brickwedde und Björn Meyer heißt. Die Schließung der Plätze am Paradiesweg und Gut Leye sei aus " wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen nicht verantwortbar". Es sei zu befürchten, dass die Grünabfälle wild in die Landschaft gekippt würden. Außerdem könnten ältere und weniger mobile Bürger die weiter entfernt gelegenen Plätze schlecht erreichen. Die Konzentration auf weniger Plätze produziere mehr Verkehr. Einsparungen seien nicht zu erwarten, so Björn Meyer. Die laufenden Kosten würden sich nur auf andere Plätze verlagern oder sogar noch erhöhen, " wenn der Grünabfall irgendwann aus Wald und Wiesen aufgrund von illegalen Ablagerungen wieder eingesammelt werden muss".
Nicht bürgerfreundlich
Die SPD hält eine Schließung des Platzes am Paradiesweg für denkbar, wenn zeitgleich der Platz am Bröckerweg erweitert wird. " Eine Schließung ohne Ausgleich sehen wir kritisch", sagte der abfallpolitische Sprecher der SPD, Dirk Hoffmann.
Mit Unverständnis reagiert die SPD auf den Widerstand der CDU. Vor einem Jahr, als der Werksausschuss über eine Optimierung der Plätze an der Gluckstraße und St.-Florian-Straße diskutierte, habe Björn Meyer eingeräumt, dass " aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht" einige Plätze wegen zu geringer Nutzung geschlossen werden müssten. Laut Protokoll der Sitzung vom 25. November sagte Meyer: Wenn das umfangreiche, flächendeckende Netz an Grünabfallsammelplätzen und Recyclinghöfen in Osnabrück aufrechterhalten werden solle, müsse das System optimiert werden.
Gestern meldete sich auch der Nahner Bürgerverein zu Wort. Eine Schließung des Platzes am Paradiesweg sei wenig bürgerfreundlich und für die Nahner nicht hinnehmbar, so die Vorsitzende Annegret Gutendorf. Es werde ein Gartenabfall-Tourismus zu den umliegenden Plätzen einsetzen. Sie bezweifelt, dass eine Schließung zu Kosteneinsparungen führen würde.

Bildtext:
Relativ wenig genutzt werden die Grünabfallsammelplätze Gut Leye in Atter und am Paradiesweg. Sie sollten deshalb geschlossen werden, meint der Service-Betrieb.

Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Luxuriös
Die Stadt leistet sich ein luxuriöses System zur Grünabfallsammlung. Die Wege sind kurz, die Öffnungszeiten lang, die Plätze bewacht und die Anlieferungen in haushaltsüblichen Mengen kostenlos. Bezahlt wird das nicht von den Nutzern, sondern von allen Bürgern aus den Gebühren für den Restmüll. Das heißt: Der Mieter mit Balkon finanziert die Grünabfallentsorgung des Gartenbesitzers mit. Das Verursacherprinzip ist hier anders als beim Sperrmüll außer Kraft gesetzt. Vor diesem Hintergrund ist der frühe und laute Widerstand der CDU gegen eine Reform unverständlich. Sie scheint sich so sehr in der Rolle der Opposition zu gefallen, dass auch sinnvolle Veränderungen reflexartig abgelehnt werden.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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