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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das Leben und Treiben auf dem Piesberg
Zwischenüberschrift:
Museum Industriekultur zeigt Kurzfilme zur Kulturgeschichte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Zack, zack, zack! Als wären sie leicht wie Styropor, packt der Arbeiter die großen Steinbrocken und wirft sie auf die Schmalspurbahn. " Eine Muckibude brauchten die früher nicht", kommentiert Rolf Spilker die Bilder des Films von 1954 trocken. Entdeckt hat er ihn im Magazin bei Recherchen für die neue Dauerausstellung des Museums Industriekultur.
Zu sehen sind 20 Minuten Kulturgeschichte in drei Sequenzen sie sind überwiegend von humorvoller Art. Denn die 16-Millimeter-Filme der Klöckner Durilit GmbH befassen sich nicht nur mit der damals noch besonders mühsamen Arbeit im Piesberger Steinbruch, sondern porträtieren auch Jubilare des Werks.
Die sind beim vergeblichen Versuch, ihre Ziegen zu melken, zu bewundern und beim gestellten Heiratsantrag mit ihrer Liebsten. Einer spielt einen angeheiterten Zustand mit Fahrrad und Schaukelpferd, ein anderer leert mit der Flinte im Arm eine Kastenfalle, in die ein Marder getappt ist, wieder ein anderer ist mit der Wünschelrute unterwegs.
Viele von ihnen haben 25 Jahre, einige 45 Jahre in dem Steinbruch gearbeitet, wie die Filme zeigen. Museumsdirektor Rolf Spilker hat diese digital kopieren lassen, um sie für Ausstellungen zu nutzen. Denn mit ihnen wird die Technik lebendig, die im Museum am Fürstenauer Weg zu sehen ist, und es erschließt sich manches Gebäude neu, das einst am Piesberg stand oder noch steht.
Steine in Holzbehältern
" Deshalb brauchten die eine Tischlerei", erläutert Spilker eine Sequenz, in der die eben abgesprengten Steine in Holzbehälter donnern. Es ist förmlich zu hören, wie das Holz splittert. Vielleicht ist es auch gut, dass es Stummfilme sind, denn manch einem Arbeiter ist die Lautstärke im Steinbruch auf die Ohren geschlagen.
Heinrich Obermeyer, ehemaliger Betriebsleiter der Piesberger Steinindustrie, kennt alle Personen, die in den Filmen zu sehen sind. " Der da hatte zwei Frauen", sagt er grinsend und ist schon bei einer anderen Anekdote aus dem Leben der ehemaligen Kollegen, deren " Leben und Treiben" die bewegten Bilder zeigen, wie am Anfang eingeblendet wird.
Die Kollegen versteckten sich Anfang der 50er-Jahre bei Sprengungen hinter Büschen. An Arbeitsschutz und - sicherheit dachte damals kaum jemand. Schutzbrillen oder Helme gab es nicht. Sanitäre Anlagen suchte man ebenfalls vergebens. " Der Hafenmeister ging auf einen Eimer. Geleert wurde der von seinem Sohn, der auch im Werk gearbeitet hat", erinnert sich Obermeyer.
Die Füße der meisten Arbeiter steckten in Holzschuhen. So war das auch bei den Kollegen vom Straßenbau. Große Steinbrocken legten sie damals in den geplanten Verlauf der Straße, zerkleinerten sie anschließend mit schweren Hämmern und fixierten sie mit dem pressluftbetriebenen " Frosch" oder einer Walze. Weitere Bilder zeigen die Arbeit im Hafen, in Werkswache und Ziegelei, und sie belegen auch, wie der Fortschritt einzog, als 1957 vom Handbetrieb auf Maschinen umgestellt wurde.
Erstmals öffentlich präsentiert das Museum Industriekultur die Filme am Freitag, 16. Dezember, um 19 Uhr im Haseschachtgebäude, Fürstenauer Weg 171. " Viele Pyer werden Bekannte wiedererkennen", ist sich Rolf Spilker sicher.

Bildtext:
Arbeit und Arbeiter am Piesberg zeigen die drei Filme (oben links bis unten rechts): beim Bohren von Sprenglöchern, Steineverladen, Straßenbau und bei der Pause.

Fotos:
Museum Industriekultur
Autor:
Marie-Luise Braun


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