User Online: 2 | Timeout: 16:06Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Osnabrückhalle: Abriss könnte sich lohnen
 
Osnabrückhalle soll einer Arena weichen
 
Nach vorn schauen – und neu bauen
Zwischenüberschrift:
Arena-Neubau oder Stadthallen-Sanierung – Rat muss jetzt entscheiden
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Neubau einer Arena am Güterbahnhof würde die Stadt auf 20 Jahre gerechnet jährlich 411 000 mehr kosten als eine Sanierung der Osnabrückhalle. Das geht aus der Vergleichsrechnung hervor, die gestern dem Rat vorgelegt worden ist. Die Gutachter schätzen die Baukosten für eine Arena auf 46, 5 Millionen Euro. Die Sanierung der Osnabrückhalle wird mit 20 Millionen Euro veranschlagt. Für die Arena sprächen ihre Vielseitigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und der Effekt für die Stadtwicklung, so die Experten. Erstmals könnten dann in Osnabrück Konzerte mit 5000 Besuchern und Hallenspitzensport geboten werden. Der Rat muss schon in der nächsten Sitzung am 13. Dezember die Grundsatzentscheidung treffen, weil die Sanierung der 40 Jahre alten Stadthalle keinen Aufschub duldet.

Osnabrück. Die Osnabrückhalle sanieren oder abreißen? Dem Stadtrat liegt seit gestern Abend ein Kostenvergleich vor. Der Neubau einer Arena würde die Stadt jährlich 411 000 Euro zusätzlich kosten könnte sich aber trotzdem lohnen.

Die Uhr tickt: Schon in der nächsten Sitzung am Dienstag, 13. Dezember, muss der Stadtrat über die Zukunft der 40 Jahre alten Osnabrückhalle entscheiden. Stadthallen-Chefin Sandra Gagliardi , Gutachter Frank Langer (Firma Contech) und der städtische Finanzvorstand Horst Baier präsentierten dem Rat gestern die Alternative: Sanierung für etwa 20 Millionen Euro oder Abriss und Neubau einer multifunktionalen Arena am Güterbahnhof. Eine Sanierung müsste rasch in die Wege geleitet werden, um die Kosten möglichst gering zu halten.

Sanierung? Die Osnabrückhalle ist langfristig nicht wettbewerbsfähig. Geschieht nichts, droht die Schließung wegen zu hoher Betriebskosten. Dem Sanierungskonzept zufolge soll die Osnabrückhalle einen neuen Eingang, eine bessere innere Struktur und eine moderne Haus- und Showtechnik erhalten. Für den Umbau müsste sie von Frühjahr bis Herbst 2013 geschlossen bleiben. Die Stadt bezuschusst den Betrieb der Stadthalle in diesem Jahr mit 2, 5 Millionen Euro. Das Minus steigt von Jahr zu Jahr.

Abriss? Angesichts der hohen Sanierungskosten ließ Oberbürgermeister Boris Pistorius prüfen, ob der Neubau einer Multifunktionsarena langfristig nicht doch die günstigere Alternative ist. Seit Jahren wird über den Bau einer Arena für große Konzerte und Sportveranstaltungen diskutiert. Doch 2008 musste Pistorius die Pläne stoppen, weil sich eine Voraussetzung nicht erfüllte: der Verkauf der Stadthalle. Pistorius hatte gehofft, das Land Niedersachsen würde die Halle für die Hochschulenübernehmen. Der Verkaufserlös hätte den Grundstock für den Bau der Arena bilden sollen. Der Verkauf ist weiter erste Wahl. Aber jetzt kommen auch der Abriss und die Veräußerung des Edelgrundstücks am Schlossgarten wieder in Betracht.

Arena-Konzept? Das neue Arena-Konzept erarbeiteten Stadthallen-Chefin Sandra Gagliardi und Experten der Firma Contech, die schon 2008 die Arena-Machbarkeitsstudie erstellten und den regionalen Markt kennen. Die neue Halle soll mehr bieten als das Raum- und Funktionsprogramm einer sanierten Osnabrückhalle. Die Planer schlagen deshalb eine Halle in zwei Teilen vor eine " Jeans-Arena" für Sport, Show und populäre Konzerte, eine hochwertige " Anzug-Arena" für konzertante Musik und Kongresse. Die Häuser sollen durch ein gemeinsames, flexibel nutzbares Foyer verbunden werden. Die Experten prüften auch eine Variante mit eigenem Konzertsaal neben dem Kongressbereich, verwarfen diese Option aber aus Kostengründen. Die Halle böte in dieser Zweiteilung höchste Flexibilität, sagte Sandra Gagliardi.

Kapazität? Die " Jeans-Arena" soll knapp 4600 Sitzplätze bieten 3460 auf den Tribünen, 1120 im bestuhlten Innenraum. Bei Konzerten ohne Stühle wäre im Innenraum Platz für 1800 Besucher. Das heißt: Konzerte mit bis zu 5200 Zuhörern wären möglich. Die " Anzug-Arena" (Kongresssaal) bietet dem Konzept zufolge im Erdgeschoss 900 Sitzplätze. Hinzu kommen 300 Plätze auf den Tribünen. Die Größen der vier Tagungsräume im Obergeschoss reichen von 120 bis 430 Plätzen. Alle Bereiche zusammen ergeben eine maximale Kapazität von knapp 7000 Plätzen.

Die Osnabrückhalle kann maximal 4000 Besucher aufnehmen, wenn alle Säle und Konferenzräume zeitgleich genutzt werden. Seit der Machbarkeitsstudie von 2008 hat sich der regionale Veranstaltungsmarkt in einem Punkt verändert: Die Stadt Lingen baut die Emslandarena (5000 Plätze) . Die Gutachter haben deshalb das Nachfragepotenzial für Osnabrück geringfügig von ursprünglich 640 000 Besucher um 20 000 auf 620 000 reduziert.

Kosten? Contech schätzt die Arena-Baukosten auf 46, 5 Millionen Euro. Die Sanierung der Osnabrückhalle wird mit 20 Millionen Euro beziffert. Wichtig: Der 1998 gebaute Kongresssaal ist noch nicht bezahlt und belastet die Stadt weiterhin. Diese Altlast fließt als sogenannte Remanenzkosten in die Vergleichsrechnung ein. Es wird eine hundertprozentige Fremdfinanzierung unterstellt. Die Experten legen einen Abschreibungszeitraum von 37, 5 Jahren zugrunde.

Das Ergebnis: Die Sanierung der Osnabrückhalle würde die Stadt im ersten Jahr (2014) mit 3, 1 Millionen Euro belasten. Zur Erinnerung: In diesem Jahr sind es 2, 5 Millionen Euro. Eine neue Arena würde im ersten Jahr einen Verlustausgleich von 4, 1 Millionen Euro erfordern. Beim Neubau sinkt der Verlustausgleich aber schneller.

Auf 20 Jahre gerechnet kostet der Neubau die Stadt im Durchschnitt jährlich 411 000 Euro jährlich mehr als eine sanierte Stadthalle.

Das Grundstück der Osnabrückhalle hat einen Buchwert von 1, 2 Millionen Euro. Der Abriss der Halle würde 1, 7 Millionen kosten. Macht ein Minus von einer halben Million Euro. Durch einen Arena-Neubau würde sich auf der anderen Seite die Tribünensanierung in der Schlosswallhalle erübrigen. Ersparnis: eine Million Euro. Mit dem Abriss der Osnabrückhalle würde zugleich ein Vermögen von 10 Millionen Euro aus den Büchern der Stadt verschwinden.

Betreiber? Der Gedanke, einen privaten Betreiber zu suchen, scheint vom Tisch. Die städtische Besitzgesellschaft OBG könnte nach dem Entwurf von Stadthallen-Chefin Sandra Gagliardi und Finanzvorstand Horst Baier die Arena bauen und an die Osnabrücker Veranstaltungs- und Kongress-Gesellschaft (OVK) eine weitere städtische Tochter verpachten. Die OVK betreibt die Osnabrückhalle. Das würde ein Jahr Planungszeit einsparen und der Stadt die Hoheit über die Immobilie und den Betrieb sichern.

Standort? Güterbahnhof. Eine Festlegung auf dieses Areal gibt es noch nicht, die Präsentation gestern Abend im Rat enthielt aber nur diesen einen Vorschlag. Der Flächenbedarf: 3, 6 Hektar. Insgesamt 1500 Parkplätze seien nötig, so die Gutachter. 400 gibt es bereits in der Bahnhofsgarage. Weitere 200 wären direkt an der Arena, 900 in einem neuen Parkhaus zu schaffen. Das Parkhaus soll über die Gebühren finanziert werden.
Bildtext:
Die Osnabrückhalle. muss für 20 Millionen Euro saniert werden. Oder wird sie abgerissen?
Foto:
Gert Westdörp

Kommentar
Nach vorn schauen und neu bauen

Auch wenn noch nicht alles sicher kalkuliert ist und es für die Sanierung der Osnabrückhalle gute Gründe gibt: Der Blick muss nach vorn gerichtet sein. Der Bau einer neuen Arena ist die bessere Alternative.

411 000 das ist die entscheidende Zahl. Wenn die weiteren Kalkulationen bestätigten, dass eine neue Arena die Stadt (nur) 411 000 Euro jährlich mehr kosten würde, sollten wir schon mal gedanklich von der Osnabrückhalle Abschied nehmen. Mit einer multifunktionalen Arena würde Osnabrück einen zusätzlichen Wert schaffen und Effekte auslösen, die diese 411 000 Euro Mehrkosten allemal rechtfertigen.

Es wäre ein qualitativer Sprung nach vorn. Osnabrück könnte sich neue Märkte erschließen und wäre für nationale Tourveranstalter interessant. Shows und Konzerte mit über 5000 Besuchern wären möglich. Endlich hätte auch der Sport eine Heimstätte für hochkarätige Veranstaltungen. Dass es zurzeit keinen Hallen-Spitzensport in Osnabrück gibt, spricht nicht gegen die Arena-Konzeption. Im Gegenteil: Eine Arena schafft eine Voraussetzung, hier langfristig Erstliga-Sport zu entwickeln.

Als Arena-Standort kommt im Grunde nur der Güterbahnhof infrage. Zentrumsnah und verkehrlich gut zu erschließen. Der Neubau würde dieser Brachfläche außerdem den seit Jahrzehnten erhofften Entwicklungsschub geben.

Gewiss würde es viele in der Seele schmerzen, die Osnabrückhalle mit dem fast neuen Kongress-Saal abzureißen und einen Wert von zehn Millionen Euro zu vernichten. Auch der Standort neben dem Schloss spricht für die Stadthalle. Aber: Eine Sanierung würde nur den Status sichern und bedeutete keinen wirklichen Fortschritt für das Oberzentrum Osnabrück.
Autor:
Wilfried Hinrichs


Anfang der Liste Ende der Liste