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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erdwärme: Rohstoff gratis, Risiko greifbar
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Geothermie-Verbandspräsident Müller-Ruhe kritisiert Bohrfirmen – Kollektoren als Alternative
Artikel:
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Originaltext:
Hannover/ Osnabrück. Wer in diesen Tagen durch Niedersachsen fährt, kann die Energiewende im Privaten in Form von Solaranlagen auf Hausdächern erblicken. Kaum sichtbar ist dagegen die Geothermie: Wärme aus den Tiefen der Erde, auch gratis zu haben, wenn die Anlage einmal installiert ist. In Niedersachsen wird bereits an fast 10 000 Stellen Erdwärme gefördert Tendenz steigend, obwohl die Technik zuletzt in die Diskussion geraten ist.
Erdwärme kann für die Beheizung und Kühlung von Gebäuden sowie zur Stromerzeugung genutzt werden. Fachleute unterscheiden die oberflächennahe Geothermie und die Tiefengeothermie mit Bohrungen in über 400 Meter Tiefe, die meist von der Großindustrie zur Stromerzeugung genutzt werden.
Tiefengeothermische Projekte sind jedoch durch Erdstöße in die Schlagzeilen geraten: etwa 2006 in Basel, als Seismiker das Epizentrum in fünf Kilometer Tiefe an einer Geothermie-Bohrung lokalisierten. Sie registrierten eine Stärke von 3, 4 auf der Richter-Skala. Auch am Geothermie-Kraftwerk im rheinland-pfälzischen Landau gab es mehrere Erdbeben. Anwohner entdeckten Risse in ihren Häusern.
Die Ursachen sind nicht endgültig geklärt. Spekuliert wird aber, dass das Verpressen von großen Mengen von Oberflächenwasser in den Untergrund eine Rolle spielt: Ähnlich der Fracking-Technik bei der Gasförderung soll dies das Gestein aufbrechen, damit heißes Tiefenwasser besser gefördert werden kann. Dies könnte Spannungen in tektonisch schon aktiven Regionen verstärkt und die Beben ausgelöst haben.
Eine Gefahr, die Experten für Niedersachsen wegen der eher unbedenklichen tektonischen Lage und der hohen Wasserdurchlässigkeit des Gesteins als gering einschätzen. Das Land will hinsichtlich der Geothermie eine führende Stellung einnehmen: In Munster ist ein Geothermiekraftwerk geplant, das durch eine 5000 Meter tiefe Bohrung die Kleinstadt mit Wärme und Strom beliefern soll. Die Forschungsanlage Genesys (Bohrung 3700 Meter tief) in Hannover soll die großtechnische Machbarkeit demonstrieren. Viele Thermalbäder werden auf Grundlage der Tiefengeothermie betrieben, etwa in Bad Bentheim (1175 Meter).
Die Zahl der geothermischen Bohrungen in Niedersachsen insgesamt ist allerdings zuletzt gesunken von knapp 2000 im Jahr 2009 auf etwa 1500. Denn auch oberflächennahe Bohrungen sind in die Diskussion geraten: So traten kürzlich in Leonberg bei Stuttgart nach einer 80 Meter tiefen Bohrung Risse in 24 Häusern auf, weil eine Firma versehentlich zwei Grundwasserspeicher miteinander verband und so die Erde absackte.
" Die Hälfte der Branche besteht aus schwarzen Schafen, die mit billigen Angeboten schnell Geld verdienen wollen. Das schlägt auf die seriös arbeitenden Unternehmen zurück", sagt Waldemar Müller-Ruhe, Präsident des Bundesverbandes Geothermie. Vor dem heutigen Jahrestreffen seines Verbandes rät er Verbrauchern dazu, von Firmen den Nachweis einer Versicherung gegen Bohrschäden zu verlangen und nach Zertifikaten zu fragen. Laut einem von Fachbehörden der Bundesländer erstellten Bericht kam es bei Geothermie-Bohrungen bisher in mindestens 240 Fällen zu " Unregelmäßigkeiten oder Unfällen" in Niedersachsen 50-mal. " Mit steigender Anzahl von Bohrungen sind mehr unerwartete Auswirkungen zu befürchten", so ein Fazit der Studie.
Aus geologischer Sicht gilt Norddeutschland als geeignet für geothermische Bohrungen bis zu 100 Meter. Am meisten gebohrt wurde bisher im Emsland sowie zwischen Hannover und Braunschweig. Die Kosten für Bohrung und Anlage für ein Haus mit 150 Quadratmeter Wohnfläche liegen laut Müller-Ruhe bei etwa 20 000 Euro.
Weitere Informationen bietet das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie. Hier finden zudem alle, die viel Platz auf ihrem Grundstück haben, den Tipp für eine Alternative, die auf tiefe Bohrungen verzichten kann: Bei der Erdwärmekollektorentechnik werden Kunststoffrohre in einer Tiefe von 1, 5 bis 3 Metern auf einer größeren Fläche im Erdreich horizontal verlegt direkt unter der Frostgrenze.
Diese Rohre saugen die Wärme aus dem Boden, die mithilfe einer Wärmepumpe für angenehme 20 bis 22 Grad im Haus sorgt auch im Sommer, in dem der Kühleffekt des Erdreichs genutzt werden kann. " Unsere Anlage spart über 1 000 Euro Heizkosten pro Jahr und könnte sich damit schon in etwas mehr als zehn Jahren amortisiert haben", sagt Anlagen-Besitzerin Jella Kraus.

Projekt Zukunft Bilden
Lesetipp für Azubis;
Informationen im Internet:
www.zukunft-bilden.com

Quelle:
Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie

Grafik:
M. Wilcke

Erdwärme
Hast Du gewusst, dass unser Planet im Inneren über 1000 Grad Celsius heiß ist, weil dort die ganze Energie aus der Zeit der Entstehung der Erde gespeichert ist? Das ist viel wärmer als die angeschaltete Herdplatte, die Du nie anfassen darfst, damit Du Dich nicht verbrennst. Zum Glück wird die Erdoberfläche aber durch das Klima, etwa durch den Regen, abgekühlt, sodass wir auf ihr leben können.
Die Erde wird wärmer, je weiter man in die Tiefe geht: Bei 100 Metern ist sie im Schnitt 12 Grad warm, bei 1000 Metern sogar 37 Grad so warm wie Dein Körper, wenn Du gesund bist. Diese Wärme können Menschen nutzen: indem sie Löcher in die Erde bohren und die Wärme an die Oberfläche bringen. Mit ihr kann man das Haus heizen oder sogar Strom erzeugen. Das Problem ist nur, dass man nicht sehen kann, wohin man bohrt. Wenn Leute ohne Erfahrung tief bohren, passieren manchmal Unfälle. Deswegen ist es ungefährlicher, viele Rohre nur ein bis zwei Meter tief im Garten zu verlegen und eine Wärmepumpe einzusetzen. Diese gleicht aus, dass der Boden dort nicht so warm ist. bekr
Autor:
Joachim Göres, Benjamin Kraus, bekr


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