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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die letzten Tage der Straßenbahn
Zwischenüberschrift:
Große Straße im Zeichen des Wirtschaftswunders: 1960 war die Zeit der Trümmer vorbei
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Nicht ohne Rasanz, so scheint es, biegt ein Flaggschiff der Wirtschaftswunderjahre, der 1958er-Opel-Kapitän, vom Nikolaiort in die Große Straße ein. Er muss zusehen, dass er die Kurve kriegt, denn die Straßenbahn nach Haste kommt ihm, ungeachtet der Einbahnstraßen-Regelung, entgegen.

Die Dynamik des damaligen Verkehrsgeschehens, vom Chronisten des Osnabrücker Straßenbahnwesens Alfred Spühr wahrscheinlich eher zufällig auf dem Foto festgehalten, verdeutlicht die Probleme, die der wiederaufgebauten Stadt zusehends zu schaffen machten: Das historische Straßennetz war dem zunehmenden Verkehr nicht gewachsen. Von 1950 bis 1960 versiebenfachte sich die Zahl der in der Stadt zugelassenen Kraftfahrzeuge auf 17 521 (zum Vergleich: heute sind es 93 000). In die engen Straßen zwängten sich Straßenbahnen und Lastwagen, Pkw und Mopeds, Radfahrer und Fußgänger.

Dabei hatte man beim Wiederaufbau der Großen Straße vorausschauend die Gebäudefront auf der rechten Seite zurückgeschoben. Der Rat hatte eigens einen " Fluchtlinienausschuss" eingesetzt, der überwiegend für die Ausfallstraßen, teils aber auch in der Innenstadt wie hier in der Großen Straße Regelungen für größere Straßenquerschnitte traf. Auf dem Bild ist die Vorkriegsstraßenbreite am Pflasterverlauf zu erkennen.

Verbreiterung und Einbahnstraßenregelung schafften jedoch nur vorübergehend Luft. Im ersten Nachkriegs-Generalverkehrsplan wurde 1956 die Abschaffung der Straßenbahn empfohlen. Wenige Tage nach der Aufnahme des hier gezeigten Fotos wurde im Mai 1960 der Straßenbahnbetrieb eingestellt. Die Weiterentwicklung von Verkehrs- und Einkaufskonzepten für die Innenstädte führte schließlich 1972 zur Einrichtung der ersten Osnabrücker Fußgängerzone in diesem Abschnitt der Großen Straße. Es dauerte knapp 30 Jahre, bis sich die Osnabrücker an dem Betonsteinpflaster, achteckigen Blumenkübeln und Glasvitrinen sattgeguckt hatten. Ab 1999 erhielt die Große Straße ihr jetziges Pflaster aus chinesischem Granit.

1960 war die Zeit der Trümmergrundstücke und der eingeschossigen Behelfsbauten zumindest an der Großen Straße vorüber. Fast durchgehend säumen wieder drei- bis viergeschossige Geschäftshäuser die Straße. Wenn auch teilweise nur mit Blendfassaden wie im Falle des Textilhauses Vasbender (drittes Haus von links). Bei der nahezu vollständigen Kriegszerstörung war es noch ein Glück, dass drei repräsentative Bürgerhäuser aus Klassizismus und Barock in ihrer äußeren Gestalt wiederherstellbar waren. Die Hirsch-Apotheke von 1797 (ganz links), das Bekleidungsgeschäft Holthaus (viertes Haus von links, 1768 für Bürgermeister Berghoff erbaut) und das Schuhhaus Schröder (von 1790; etwa in der Bildmitte auf der rechten Straßenseite) zeigten 1960 ihre ansprechend restaurierten Fassaden als Reminiszenzen an das Vorkriegs-Osnabrück.

Der Vergleich mit der aktuellen Aufnahme zeigt, wie sehr die seitdem vergangenen 51 Jahre das Gesicht der Straße wiederum verändert haben. Die drei erwähnten denkmalgeschützten Gebäude sind als " optische Anker" geblieben.

Drumherum aber sind viele Fassaden modern und postmodern aufgewertet worden und gleichzeitig klangvolle Namen inhabergeführter Fachgeschäfte verschwunden, wie etwa Feinkost Hünefeld, das " Haus der Dame" Köhne, Juwelier Brettschneider oder das Bekleidungshaus Osterhaus.

Bildtexte:
Die Große Straße, vom Nikolaiort aus betrachtet, stand 1960 dem Kfz-Verkehr noch offen, während die letzten Tage der Straßenbahn bereits eingeläutet waren.
Seit 1972 Fußgängerzone, erlebte die Große Straße mit der Neupflasterung in China-Granit 1999 bis 2001 die letzte große Veränderung.
Fotos:
Alfred Spühr / Klaus Lindemann
Autor:
Joachim Dierks


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