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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Moderne Zeiten
Zwischenüberschrift:
Elektro-Autos hatten schon um 1900 ihre große Stunde
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Man könnte meinen, Elektro-Autos seien eine recht neue Erfindung, eine Folge von Ölkrisen, Querelen in Nahost und neuem Umweltbewusstsein aber weit gefehlt: Elektro-Autos wurden schon um 1850 erfunden und spielten um 1900 eine größere Rolle als mit Benzin betriebene Fahrzeuge.
Benziner hatten einen entscheidenden Nachteil: Man startete den Motor mühsam per Hand mit einer Kurbel oder einem Schwungrad. Beim Elektroauto entfiel das. Der elektrische Anlasser für Ölfahrzeuge (Benzin, Diesel) wurde zwar schon 1899 erfunden, setzte sich aber erst in den 1910er- und 1920er-Jahren so langsam durch. Das drehte den Elektro-Autos langsam den Saft ab, die zuvor durchaus verbreitet gewesen waren: 1900 fuhren in den USA 40 Prozent der Autos mit Dampf, 38 Prozent mit elektrischem Motor, und nur 22 Prozent fuhren mit Benzin.
Die E-Autos hatten schon damals die noch heute beklagte Schwäche: Monströs große Batterien stellten nur eine als zu gering empfundene Reichweite sicher. Die Alternative wäre, dass die Antriebsenergie gar nicht mitgeführt wird, sondern man sich eines zentralen Leitungsnetzes bedient. Eine solche Abhängigkeit etwa von Oberleitungen ist jedoch höchstens im Personennahverkehr praktikabel, im Individualverkehr heute undenkbar.
Kurioses Beispiel für den damaligen Stand der Ingenieurskunst ist der 1899 entwickelte und auf der Pariser Weltausstellung beklatschte Lohner-Porsche (siehe Foto, im Bild die 60 km/ h schnelle Rennversion), ein Gemeinschaftswerk des österreichischen Fahrzeugbauers Ludwig Lohner und Ferdinand Porsches. Die unförmige Optik ist darauf zurückzuführen, dass der Wagen in der Rennversion im Wesentlichen aus einer 1, 8 Tonnen schweren Batterie besteht. Ungleich hübscher war die Standardversion, allerdings auch nur etwa halb so schnell. Um die Reichweite zu erhöhen, baute Ferdinand Porsche ein Modell mit zusätzlichem Verbrennungsmotor, der die Batterie auflud. Noch heute rühmt sich die Sportwagenfirma, damit das allererste Hybrid-Fahrzeug gebaut zu haben. Die zeitgenössische Presse zeigte sich höchst zufrieden mit den Lohner-Porsche-Mobilen: " Kein Schleudern in scharfen Kurven oder auf glattem, kotigem Pflaster."
Damals wie heute waren die Elektromobile sehr teuer, und so setzte sich der Ölmotor durch, obwohl dabei viel Energie durch Hitzeentwicklung und Reibung ungenutzt verloren geht und der Wirkungsgrad sehr bescheiden ist, man die Umwelt verpestet und sich womöglich abhängig macht von zwielichtigen Despoten. Aber die Zeiten ändern sich ja gerade.
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www.noz.de/ achso
Bildtexte:
Nicht nur elektrisch, auch mit Motor an jedem Rad, also Allradantrieb zum Glück sind spätere Werke von Ferdinand Porsche nicht so hässlich wie dieser Lohner-Porsche.
Elektrische Mobilität (von links): Camille Jenatzy in seinem Elektroauto La Jamais Contente, mit dem er am 29. April 1899 über 100 km/ h schnell fuhr Weltrekord; dann Werbung für das Argo Town Car von 1912; schließlich das gemeinsam mit General Motors entwickelte Boeing Lunar Roving Vehicle auf dem Mond am 11. Dezember 1972. Das Fahrzeug steht übrigens immer noch da oben.
Fotos:
Archiv / Jacob Lohner
Autor:
Stefan Piontek


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