User Online: 3 | Timeout: 20:05Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Osnabrücks historische Sternstunde
Zwischenüberschrift:
Ein Buch von 1650 dokumentiert den Friedensschluss von Osnabrück und Münster
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Im Dreißigjährigen Krieg stand Osnabrück für kurze Zeit im Blickpunkt der Weltpolitik. Ein seltenes Dokument, das die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden in Erinnerung ruft, ist der " Friedens-Executions-Haubt-Recess", ein Originaldruck der Ratifizierungsakte. Das um 1650 in Nürnberg entstandene Exemplar ist im Kulturgeschichtlichen Museum zu sehen.

Am Ende des konfliktreichen Zeitalters der Konfessionalisierung, das Luther 1517 mit seinem 95 Thesen zum Ablass eingeläutet hatte, steht der Dreißigjährige Krieg (1618–1648). Spielten zu Beginn religiöse Fragen noch eine zentrale Rolle, so sollten die konfessionell motivierten Auseinandersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts hier enden. In der Endphase entwickelte sich der Krieg zu einem der ersten europäischen Machtkriege ohne religiöse bzw. ideologische Verbrämung. Was lange Zeit als " Deutscher Krieg" in aller Munde war, war in Wirklichkeit ein europäischer Flächenbrand.

In diesem Konflikt stand Osnabrück für einige Jahre im Fokus der Weltpolitik. Während die Kampfhandlungen weitergingen, wurde seit 1643 auf neutralem Boden in Münster und Osnabrück ein Friedensvertrag ausgehandelt. In Münster tagten die kaiserlichen Unterhändler mit den katholischen Parteien, in Osnabrück wurde zwischen Kaiser und Protestanten verhandelt.

Nach langwierigen diplomatischen Verhandlungen lagen am 24. Oktober 1648 unterschriftsreife Verträge vor. Einige offene Fragen wurden zurückgestellt, um den Vertragsabschluss nicht weiter zu verzögern. Diese wurden 1650 in Nürnberg im " Friedensexekutions-Hauptrezess", dem Hauptfriedensvertrag, abschließend geregelt.

Der Friedensvertrag beendete nicht nur den Dreißigjährigen Krieg, sondern markiert zugleich eine Epochengrenze für Mitteleuropa. Neben zahlreichen territorialen Neuordnungen brachte der Westfälische Friede Deutschland insbesondere ein Erstarken des Partikularismus. Der habsburgische Kaiser sah sich künftig mit Reichsständen konfrontiert, die nun auch außenpolitisches Gewicht besaßen, etwa bei Entscheidungen über Krieg, Frieden oder Bündnisvereinbarungen.

Auch die religiösen Konflikte, die den Krieg mit verursacht hatten, wurden entschärft. Neben Katholizismus und Luthertum trat der Calvinismus als dritte gleichberechtigte religiöse Kraft. Der Vertrag schuf zwar keine dauerhafte Friedensordnung für Europa. Allerdings wurden die diplomatischen Formen, die sich während der Verhandlungen entwickelt hatten, später wertvoll für die Lösung anderer politischer Konflikte.

Das im Kulturgeschichtlichen Museum ausgestellte Exemplar des " Friedens-Executions-Haubt-Recesses", um 1650 von J. Dümler in Nürnberg auf kostbarem Pergament gedruckt, ist ein seltener Originaldruck der Ratifizierungsakte. Es ist in roten Samtstoff gebunden. Diese Farbe war hochgestellten Persönlichkeiten vorbehalten. Die wenigen Sonderdrucke waren für die Teilnehmer der Friedensverhandlungen bestimmt.

Bildtext:
Der Friede " zu Osnabrug und Münster in Westphalen" wird dokumentiert im " Haubt-Recess", der 1650 in Nürnberg erschienen ist. Das Buch ist eine Leihgabe der Stiftung Niedersachsen.
Autor:
Thorsten Heese


Anfang der Liste Ende der Liste