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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Eliten liebten es monumental
Zwischenüberschrift:
Das Museum am Heger-Tor-Wall wahrt seit 120 Jahren sein Gesicht
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Zur Abwechslung mal eine Zeitreise ohne Überraschungs-, dafür aber mit Wiedererkennungseffekt: Das 1890 eröffnete Museum hat seine Schaufassade zum Heger-Tor-Wall hin unverändert bewahrt. Lediglich die gärtnerische Anlage vor der Freitreppe mit dem ovalen Beet in der Symmetrieachse des Gebäudes ist der Straßenverbreiterung zum Opfer gefallen.

Einige Familien " mit Kind und Kegel" im Sonntagsstaat sind offensichtlich im Begriff, dem Museum einen Besuch abzustatten. Ob sie zu den " besseren Kreisen" des Osnabrücker Bürgertums gehören? Die waren es nämlich, die schon 1879 einen " Museumsverein für den Land drosteibezirk Osnabrück" gründeten und sich für einen Museumsneubau starkmachten, nachdem die alte Dechanei am Domhof als erstes " Museumslocal" aus allen Nähten platzte. Sie verfolgten das Ziel, " rege Teilnahme für Naturkunde, Geschichte, Kunst und Gewerbe zu erwecken" und die Kulturgüter der Region zu erhalten.

In der Zeit großer Umbrüche durch die Industrialisierung stieg die Wertschätzung für das Überlieferte. Der Osnabrücker Museumsbau war eingebettet in eine Welle ähnlicher Museumsgründungen in ganz Europa. Bekannte Osnabrücker gaben ihre Privatsammlungen in die Hände des Museums, beispielsweise der Arzt Dr. Christian Schledehaus, Leibarzt des letzten türkischen Paschas in Alexandria mit seiner Kollektion " ägyptischer Alterthümer", oder Regierungspräsident Gustav Stüve mit einer bedeutenden Gemäldesammlung.

Sammeln und Bewahren war das Motto. Sammelsurien aller Art mussten in dem " Universalmuseum" Platz finden, die Aufspaltung in Naturwissenschaften, Kunst, Stadtgeschichte und Industriekultur fand erst nach dem letzten Krieg statt. Stadtbaumeister Emil Hackländer zeichnete den Entwurf des Museums. Ihm kam zugute, dass er zu den Gründern des Museumsvereins gehörte und so die Sammlungen und Belange des Vereins genau kannte. Er selbst plante die Anordnung der einzelnen Abteilungen so, dass rechts herum, also gegen den Uhrzeigersinn, ein Rundgang durch die Sammlungen möglich war.

Der Standort des Museums ist kein Zufall. Der heutige Kurator des Kulturgeschichtlichen Museums, Dr. Thorsten Heese, merkt in seiner sehr lesenswerten Dissertation über die Osnabrücker Museumslandschaft an: " Es überrascht daher nicht, dass das Museum gerade nicht im Osten der Stadt errichtet wurde, wo sich die Industrie und die Arbeiterquartiere anschlossen, sondern am entgegengesetzten Rand des alten Stadtkerns." Denn die Träger des Museumsgedankens entstammten jener städtischen Führungsschicht, die sich zahlreich in den " gutbürgerlichen" Wohngebieten zwischen Wüste und Westerberg niedergelassen hatte. Neoklassizistische Architekturelemente der Museums-Schauseite wie Dreiecksgiebel, vorspringende Portale, Säulen, Medaillons und Schalen kehrten zwischen Zeppelin- und Martinistraße häufig wieder. Der Obelisk, wie er sich über dem zentralen Dreiecksgiebel des Museums abzeichnet, war ein gern übernommenes Motiv auf den Osnabrücker Friedhöfen.

Die Bestückung der westlichen Wallpromenaden mit repräsentativen Bauten neben dem Museum waren dies etwa das Krankenhaus (heute Volkshochschule), die Altstädter Volksschule, die Regierung, die Höhere Töchterschule, der Große Club und das Ratsgymnasium folgte in gewisser Weise dem Vorbild der Wiener Ringstraße, die maßgebend für den europäischen Städtebau des 19. Jahrhunderts wurde. Nur war hier alles ein paar Nummern kleiner. Auch das Museum selbst. Es kam kaum über die Größe zeitgenössischer Schulgebäude hinaus. Der Repräsentationsanspruch musste sich knappen Geldmitteln unterordnen.

Um das Raumprogramm auf begrenzter Grundfläche verwirklichen zu können, blieb Hackländer nichts anderes übrig, als das Symmetriegebot zu verletzen und auf eine zentrierte Treppenanlage zu verzichten: Die Treppe ins Obergeschoss ist seitlich angeordnet, " sehr zulasten der Monumentalität des ersten Eindrucks", wie man damals anmerkte.

Bildtexte:
Das Museum am Kanzlerwall, hier auf einem Foto aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, war architektonischer Ausdruck bürgerlicher Bildungsideale.
Das Kulturgeschichtliche Museum ist heute Bestandteil eines größeren Museumskomplexes mit Felix-Nussbaum-Haus und Villa Schlikker.
Fotos:
Archiv des Kulturgeschichtlichen Museums / Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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