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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Nur das blaue Schild bedeutet: Radwegpflicht
Zwischenüberschrift:
Bundesverwaltungsgericht lässt fast überall die Wahl zwischen Radweg und Fahrbahn
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Schlaglöcher, Baumwurzeln, Konflikte mit Fußgängern nicht jeder Radweg lädt dazu ein, benutzt zu werden. Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass Radler im Normalfall auch die Straße benutzen dürfen. Ausnahmen regelt das Kleingedruckte.
Das Gericht hat die Auffassung vertreten, dass eine Radwegbenutzungspflicht nur angeordnet werden darf, wenn Radler auf der Fahrbahn durch besondere örtliche Verhältnisse in Gefahr geraten würden.
Generell gilt: Wo kein blaues Schild die Benutzung eines Radweges vorschreibt, da dürfen die Radler selbst entscheiden. Sportliche Naturen mögen die Fahrbahn vorziehen, wo sie sich in Augenhöhe der Autofahrer bewegen können. Wer gemächlich radeln will, vielleicht in Begleitung von Kindern, fühlt sich tendenziell auf dem Hochbordradweg sicherer.
In Osnabrück sind in den vergangenen 30 Jahren viele Radwege entstanden, die den heutigen Standards nicht mehr entsprechen. Zum K.-o.- Kriterium wird vor allem die Mindestbreite. Radstreifen auf der Fahrbahn müssen 1, 50 Meter breit sein, auf dem Hochbord neben dem Fußgängerweg sind inzwischen sogar 2, 50 Meter vorgeschrieben.
Die lassen sich aber nicht überall realisieren. Das gilt zum Beispiel für die Schellenbergstraße, die zu einem großen Teil auf einem aufgeschütteten Damm verläuft. Und der lässt sich nicht so einfach verbreitern, wie Franz Schürings, der Leiter des Fachbereichs Städtebau, anmerkt. Deshalb hat die Stadt die blauen Schilder abmontiert und stellt es den Radlern frei, die Fahrbahn zu benutzen.
Nicht nur an der Schellenbergstraße sind die blauen Radweg-Gebote verschwunden: Eine Arbeitsgruppe aus der Stadtverwaltung hat schon vor dem Leipziger Richterspruch systematisch begonnen, das gesamte Stadtgebiet zu durchkämmen, um die Beschilderung der Rechtslage anzupassen.
An der Ameldungstraße, berichtet Norbert Obermeyer vom Fachdienst Straßenverkehr, wurden sogar 22 Schilder entfernt. Auch hier ging es um die fehlende Breite. Damit dürfen die Radler frei wählen zwischen Fahrbahn und Hochbord.
Vielen Autofahrern schmeckt das Leipziger Urteil gar nicht. Sie müssen sich jetzt die Fahrbahn mit den langsameren Pedalisten teilen. Oder zumindest jederzeit mit ihnen rechnen. Eine schleichende Verkehrsberuhigung, mit der ausdrücklichen Billigung von Planern und Gerichten. " Da müssen wir sicher noch Arbeit leisten, das in die Köpfe der Autofahrer zu kriegen", sagt Heike Stumberg, die leitende Verkehrsplanerin der Stadt Osnabrück.
Die neue Rechtslage schafft aber auch Spielräume für neue Lösungen. Darauf weist die Verkehrsplanerin Ulla Bauer hin. Wenn demnächst die Fahrbahn der Natruper Straße zwischen der Bornau und dem Eversburger Platz saniert wird (voraussichtlich 2012), dann bekommen die Radler einen Schutzstreifen, der mit einer perforierten Linie von der Fahrbahn abgetrennt wird. Zugleich bleibt der Hochbord-Radweg erhalten. Für ihn gilt allerdings keine Benutzungspflicht. Radler können also frei wählen, und sie werden ihre Wahl wohl überwiegend von der Geschwindigkeit abhängig machen.

Es gibt aber auch Einschränkungen für Radler, die vielen von ihnen nicht bekannt sind. Wer einen separaten Rad- und Fußweg benutzt etwa an weniger frequentierten Straßen am Stadtrand muss sich dem Tempo der Fußgänger anpassen, also Schrittgeschwindigkeit fahren. Zumindest, wenn Fußgänger in der Nähe sind.
Maßgeblich für die Planer sind die Empfehlungen für Radverkehrsanlagen, die von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen im Auftrag des Bundes herausgegeben werden. Diese " Bibel" der Planer hat in ihrer Tendenz das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts schon vorweggenommen.

Bildtext:

Sie haben ausgedient: Verkehrszeichen, die Radler verpflichten, einen kombinierten Fuß- und Radweg zu nutzen, gibt es nur noch in Ausnahmefällen. In Osnabrück wurden viele von ihnen schon abmontiert.

Foto:

Jörn Martens
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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