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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Warum der Stadtelternrat nicht zur Ruhe kommt
Zwischenüberschrift:
Vorsitzender Matthias Mählmann: Man gönnt uns den Erfolg nicht
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Zwei Frauen haben den Vorstand des Stadtelternrats zermürbt verlassen. Mitglieder blockieren die Arbeit ihres eigenen Gremiums. Mal bleiben Termine geheim, mal annektiert jemand die Internet-Adresse des Stadtelternrats für private Zwecke, mal pocht jemand auf einen Formfehler, der zur Beschlussunfähigkeit führt. Jetzt liegt ein Antrag auf Abwahl des Vorstandes vor. Matthias Mählmann ist seit neun Monaten Vorsitzender. Wir fragten ihn, wie er mit dem Streit umgeht.
Herr Mählmann, was ist im Stadtelternrat los?
Die Situation ist schwierig. Aber das Konfliktfeld liegt nicht innerhalb des Vorstandes. Wir arbeiten gut zusammen. Nein, es ist eine Auseinandersetzung, die der alte gegen den neuen Vorstand führt. Die Art der Auseinandersetzung berührt das Persönliche, und ich bedauere den Rücktritt meiner Vorstandskolleginnen sehr. Aber ich kann ihre Reaktion auch verstehen, denn der Konflikt frist Energie und geht auf die Gesundheit.
Was steckt dahinter?
Ich denke, die fünf ehemaligen Vorstandsmitglieder haben es nie verwunden, dass sie nicht für eine zweite Legislatur gewählt wurden. Seitdem wird eigentlich ständig versucht, den Stadtelternrat aufzumischen.
Wie äußert sich das?
Es wird durch ständige Einwürfe und Zwischenrufe eine Atmosphäre geschaffen, die viele unangenehm berührt und inhaltliches Arbeiten unheimlich schwer macht. Der Stil ist einfach daneben.
Nennen Sie ein Beispiel.
Wenn zum Beispiel aus Gedächtnisprotokollen zitiert wird und daraus Vorwürfe konstruiert werden, kann man darüber gar nicht vernünftig diskutieren. Man redet da im luftleeren Raum. Die Geschichte mit der " Privatisierung" des Begriffs " Stadtelternrat Osnabrück" und der Belegung der entsprechenden Webseite ist eine andere Sache. Nach meiner Empfindung wollen die Mitglieder des Stadtelternrates das nicht. Aber es gibt offenbar auch hier eine schweigende Mehrheit, die sich nicht äußern kann oder auch nicht will. Auf der anderen Seite sind fünf Leute hoch motiviert, das Ganze auseinanderfliegen zu lassen. Auch in den Arbeitskreisen ist diese Atmosphäre zu spüren.
Wie wollen Sie diesen Knoten lösen?
Ich weiß es nicht. Ich werde in den Herbstferien in Ruhe darüber nachdenken. Nach der letzten Sitzung hat mir Frau Knabenschuh einen schriftlichen Antrag auf Abwahl des Vorstandes und Einberufung einer Sondersitzung übergeben. Der Antrag war ausgedruckt, also offenbar schon vor der Sitzung vorbereitet.
Was geschieht jetzt?
Der Antrag ist formell korrekt, und wir werden ihm stattgeben müssen. Auch ich habe schon Überlegungen angestellt, es meinen Vorstandskolleginnen gleichzutun und zurückzutreten. Denn ich habe manchmal das Gefühl, es geht dem alten Vorstand nur darum, Erfolge zu verhindern. Man gönnt uns keinen Erfolg. Ja, da bekommt man manchmal schon ein Motivationsproblem.
Sie haben sich aber anders entschieden und wollen weitermachen . . .
Wie gesagt, ich werde in den Herbstferien darüber nachdenken. Auf der einen Seite wäre eine Totallösung also Rücktritt und Neuwahl vielleicht für die Arbeit des Stadtelternrates gut. Andererseits will ich auch nicht, dass sich der Vorstand von einer Gruppe am Nasenring durch die Arena ziehen lässt. Ich fürchte, wenn wir zurücktreten, wird kein anderer bereit sein zu kandidieren, weil sie Angst haben, dass sich die Situation wiederholt. Außerdem: Ich habe als Vorsitzender kandidiert, weil ich es für wichtig halte, dass der Stadtelternrat in der Schulpolitik öffentlich wahrgenommen wird und sich durch Verlautbarungen in die Diskussionen einbringt. Es gibt im Bildungsbereich noch so viele große Baustellen wie Inklusion, Oberschule oder Gesamtschule. Da will ich mitmachen, da soll der Schulelternrat Position beziehen.
Lassen Sie uns bei den Inhalten bleiben. Der Stadt elternrat hat sich in der Oberschul-Frage überraschend für eine flächendeckende Einführung dieser Schulform ausgesprochen. Wie ist das entstanden?
Das ist ein Kompromiss. Hier begegnen sich zwei Grundüberlegungen: Die einen sagen, damit wäre das Fass Oberschule zu und das zweigliedrige Schulsystem in Osnabrück eingeführt. Die anderen sehen in der Oberschule nur einen ersten Schritt zur integrativen Beschulung und zur Gesamtschule.
Wo stehen Sie?
Ganz klar für die integrative Beschulung. Ich sehe es auch so, dass die Oberschule ein Gesamtschul-Verhinderungskonzept ist, zumal die Landesregierung die Oberschulen aus politischen Gründen besser ausstatten will. Die Oberschule wird wie auch schon Haupt - und Realschulen stärker berufsorientiert sein und damit den Schülern zusätzlich den Übergang von der Sek I in die Oberstufe erschweren. Die Oberschule ist eine Reaktion auf den demografischen Druck, es steckt kein pädagogisches Konzept dahinter. Trotzdem haben wir im Stadtelternrat gesagt: Packen wir die Verwaltung an den Hörnern. Wenn sie eine Oberschule am Standort Hauptschule Innenstadt für richtig hält, warum sollte man diese Schulform dann nicht gleich flächendeckend einführen?
Wie stehen Sie zu einer dritten Gesamtschule?
Das ist zu prüfen. Aber zuerst braucht die Stadt einen Schulentwicklungsplan. Wenn klar ist, wie sich die Schullandschaft auf der Grundlage des Elternwillens entwickeln soll, kann ich entscheiden: Dort mache ich diese Schule, hier eine andere. Für eine dritte Gesamtschule müssen zwingend die bestehenden Gymnasien ins Boot geholt werden, denn die Schüler für den gymnasialen Zweig müssen ja irgendwo herkommen. Ich bin nicht dafür, eine Gesamtschule nur aufgrund einer ideologischen Vorfestlegung einzuführen.
Ein großes Thema ist die Inklusion die gemeinsame Beschulung von behinderten und nicht behinderten Kindern. Wie sagt der Stadtelternrat dazu?
Ich bin persönlich sehr stark interessiert und möchte diesen Prozess begleiten. Der Stadtelternrat strebt eine professionelle Elternbefragung an, die möglichst von Experten des Fachbereichs Sonderpädagogik der Uni begleitet wird. Die Inklusion erfordert mehr als barrierefreie Schulen. Wir müssen zum Beispiel auch die Frage beantworten, wie und wo die Kinder der Förderschulen am besten gefördert werden können. Letztendlich gerät meines Erachtens das mehrgliedrige Schulsystem in arge Bedrängnis, will man den Inklusionsgedanken konsequent angehen. Das RIK (Regionales Integrationskonzept) ist in Osnabrück eben auch deshalb so gut angelaufen, weil es an den einzigen bundesweit flächendeckenden Gesamtschulen, sprich den Grundschulen, praktiziert wird.

Bildtexte:
Matthias Mählmann, Stadtelternrat..
Der Suchbegriff " Stadtelternrat Osnabrück" führt Internetnutzer in diese Sackgasse.
Foto:
privat
Screenshot:
Arne Köhler
Autor:
Jann Weber / Wilfried Hinrichs


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