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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Pferdewald für den Frieden
Zwischenüberschrift:
1400 Osnabrücker Viertklässler ziehen durch die Stadt und erinnern an das Ende des 30-jährigen Krieges
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Die 1400 Viertklässler der Stadt haben beim 60. Steckenpferd reiten am Donnerstagabend an den in Osnabrück ausgehandelten Westfälischen Frieden von 1648 erinnert. Die Kinder ritten von der Johanniskirche zum Rathaus und zogen reichlich Aufmerksamkeit auf sich.
Zu einer ordentlichen Demonstration gehört ein Wald voller Schilder. Normalerweise. Dieser Donnerstag aber ist nicht normal, und auch wenn Oberbürgermeister Boris Pistorius von einer Demonstration für den Frieden spricht, ist es kein Zug der Parolen und Plakate. Dieser Tag ist ein Tag der Lieder und der Steckenpferde.
1400 dieser Tiere schießen vor der Johanniskirche in die Höhe. Ein jedes einzigartig und in stundenlanger Arbeit in den Werk- und Bastelräumen der Schulen mit eifrigen Fingern ausgesägt, bemalt und beklebt. Auf Kommando recken die Kinder sie hoch, und siehe da: ein Pferdewald! Statt der Blätter wehen Mähnen im Wind. Braune sind darunter, schwarze und weiße, manche sogar rot und blau, sodass sich manch ein Pferdekenner wundert. Reinrassige Sockenköpfe sind darunter und kaltblütige Knopfäugler. Der Heinrich-Schüren-Schule ist sogar ein Einhorn zugelaufen.
Pistorius erzählt vom Friedenstag im Oktober 1648 und vom Jahr 1650, als Nürnberger Jungen mit Steckenpferden zu Fürst Piccolomini, dem Beauftragten des deutschen Kaisers Ferdinand III., ritten und ihn um ein Andenken an den Frieden baten. Doch die Kinder wussten das natürlich schon längst. Schließlich hatten sie sich mit ihren Lehrern im Unterricht vorbereitet.
Katharina Waniek und ihre Klassenkameraden aus der Lüstringer Bergschule hatten am Vormittag sogar noch einen Sachkundetest über den Westfälischen Frieden geschrieben. Das habe die Auf regung vor dem Stecken pferdreiten ein wenig gebremst, sagt ihre Mutter Petra Waniek. Aber beim Mittagessen war das Kribbeln bei Katharina wieder da und bei den Eltern auch, gibt Petra Waniek zu: " Wir sind genauso aufgeregt wie unsere Tochter." Wie ihr geht es vielen Müttern, Vätern, Brüdern, Schwestern, Omas und Opas. Hunderte sind dabei, schieben sich mit durch die Straßen, lachen, fotografieren.
Und die Reiter? Die ziehen, schlüren und hüpfen unter ihren bunten Hüten durch die Johannisstraße, legen für Minuten den Verkehr am Neumarkt lahm und sorgen dafür, dass auf der Großen Straße alle paar Meter Menschen aus den Geschäften eilen, um zu schauen, was das für ein bunter Zug ist, der da durch die Straße kriecht.
Wären die, die jetzt so neugierig schauen und die Stirn runzeln, kurz zuvor an der Johanniskirche gewesen, hätten sie keine Fragen gehabt. Dort nämlich sangen die 1400 Steckenpferdreiter ihr Lied. Mal schrill und laut, manchmal leise, die meisten textsicher und fast jede Gruppe in ihrem Tempo. Aber wie heißt es doch so schön in ihrem Lied? Bunt ist unsere Welt.
So wie Calvins Steckenpferd. Ein schwarzer Riese von einem Pferd mit feuerroter Mähne. " Firewire" heiße es und komme aus Feuerland, sagt Calvin aus der Johannisschule. Er ist einer der Ersten, die mit ihrer Klasse auf dem Rathausplatz angekommen sind. Gerade hat ihm der Oberbürgermeister eine süße Brezel in die Hand gedrückt, doch die ist schon wieder verschwunden. So lecker? " Jaaaaaaaa!", krähen seine Klassenkameraden.
Die Brezel erinnert an den Friedens-Gedächtnispfennig, den Fürst Piccolomini prägen ließ. Aber wer über eine Stunde lang Steckenpferd reitend für den Frieden demonstriert hat, der braucht keinen Pfennig, sondern eine süße Stärkung.

Bildergalerie
auf www.noz.de

Bildtexte:

Rosse und Reiter: Die Viertklässler recken ihre Steckenpferde beim Treffpunkt an der Johanniskirche in die Höhe.

Akkordarbeit: Oberbürgermeister Boris Pistorius gab jedem Reiter persönlich eine süße Brezel.

Bunte Welt: Die Kinder gestalteten ihre Pferde selbst.

Fotos:

Klaus Lindemann
Autor:
Michael Schiffbänker


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