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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Denkmalwürdig, aber ohne Rückhalt
Zwischenüberschrift:
Lager Eversheide: Verein will vier Baracken erhalten, doch ihr Abriss ist wahrscheinlich
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Wie viele Baracken auf dem ehemaligen Kasernengelände an der Landwehrstraße sollen erhalten bleiben? Eine steht unter Denkmalschutz, aber 22 gelten als denkmalwürdig. Der Verein Antikriegsbaracke Atter-Osnabrück will verhindern, dass die Erinnerung an das Kriegsgefangenenlager plattgemacht wird aber es fehlt an Rückhalt und Geld.

Voraussichtlich im Dezember wird der neue Rat entscheiden, was mit dem Lager Eversheide geschehen soll. Nach Auskunft von Kultusdezernentin Rita Maria Rzyski fehlt es aber bislang an wissenschaftlich belastbaren Fakten.

Bekannt sind immerhin einige historische Besonderheiten, die sich mit dem Kriegsgefangenenlager Eversheide verbinden. Unter den internierten Offizieren aus Serbien befanden sich etwa 400 jüdische Glaubensangehörige. Dass sie noch 1944 unbehelligt im Lager ihre Gottesdienste feiern konnten, während ringsum der Massenmord an den Juden verübt wurde, gilt als absoluter Ausnahmefall.

Auch der Umstand, dass die Kriegsgefangenen im Großen und Ganzen unter dem Schutz der Genfer Konvention standen, gibt Historikern Rätsel auf. Und die werden wohl auch nicht so schnell aufgelöst. Die Stadt könne die Geschichte nicht aufarbeiten, bedauert Stadträtin Rita Maria Rzyski. Sie hofft, dass sich noch jemand findet, der mit seiner Doktorarbeit Licht in das dunkle Kapitel bringt. Allerdings wird das ganz sicher nicht in der kurzen Zeit bis zur Ratssitzung geschehen.

Rzyski rechnet nicht damit, dass sich das Land oder der Bund für eine institutionelle Förderung des Lagers Eversheide erwärmen könnten. In ihrem Kulturetat ist dafür ebenfalls kein Cent reserviert. Das trübt die Aussichten, einen Teil des Kasernengeländes der Erinnerungsarbeit zu widmen, wie es der Verein Antikriegsbaracke fordert.

Das 38 Hektar große Areal, das 2008 von den britischen Streitkräften geräumt wurde, steht zum Verkauf. Obwohl die Stadt noch keinen Bebauungsplan aufgestellt hat, ist eine Mischung von Wohnnutzung und nicht störendem Gewerbe im Gespräch. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) erwägt, das Kasernengelände noch in diesem Jahr auf den Markt zu bringen.

Peter Niebaum, Helmut Schmitz und Walter Gröttrup vom Verein Antikriegsbaracke Atter fürchten, dass mit der Planierraupe Fakten geschaffen werden. Die Bima hat ihnen zwar angeboten, die inzwischen unter Denkmalschutz gestellte Baracke 35 für 49 000 Euro plus Erschließungskosten zu erwerben. Doch der Verein hat gar kein Geld. Er lehnt es auch ab, sich die Alleinverantwortung für das historische Erbe übertragen zu lassen.

Niebaum, Schmitz und Gröttrup reicht es nicht aus, nur eine Baracke für die Nachwelt zu erhalten. Wenn, dann müsse schon das komplette Eingangsensemble stehen bleiben, sagen die drei Kriegsgegner. Für die von ihnen angedachte Gedenkstätte stellen sie sich eine Lösung mit mindestens vier Baracken vor. So viel Platz sei schon nötig für Ausstellungen und Unterrichtsräume. Nach dem Vorbild anderer Gedenkstätten wollen sie vor allem Schulklassen und Jugendgruppen über die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Eversheide informieren.

Die Forderung, vier Baracken vor der Abrissbirne zu verschonen, halten die drei Protagonisten für eine maßvolle Option. Dabei berufen sie sich auf Rolf Keller von der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten, der kürzlich sogar 22 Baracken als denkmalwürdig bezeichnet hatte.

Unterstützung bekamen Niebaum, Schmitz und Gröttrup jetzt von dem Holocaust-Überlebenden Ivar Buterfas aus Hamburg, der sich seit Jahren für eine internationale Gedenkstätte im ehemaligen Straflager Sandbostel bei Bremervörde engagiert. Bei einem Rundgang durch das ehemalige Lager Eversheide stellte er sich vorbehaltlos hinter die Pläne des Vereins Antikriegsbaracke Atter. Die Erinnerung an das Gefangenenlager müsse lebendig gehalten werden, erklärte Buterfas: " Das sind wir den nachfolgenden Generationen schuldig."
Bildtexte:
Unter Denkmalschutz steht bislang nur die gelb markierte Baracke Nr. 35 an der Landwehrstraße. Der Verein Antikriegsbaracke Atter will das Eingangsensemble mit mindestens vier Baracken erhalten (gelber Rahmen). Es gibt aber auch Experten, die sogar 22 Baracken für denkmalwürdig halten.
Eine Gedenkstätte im ehemaligen Kriegsgefangenenlager befürwortet der Hamburger Unternehmer und Holocaust-Überlebende Ivar Buterfas (rechts), hier im Gespräch mit Peter Niebaum vor der Baracke Nr. 35.
Fotos:
Stadt OS/ Lahmann-Lammert

Oflag VIc: Ein Kriegsgefangenenlager, das Historikern Rätsel aufgibt

Oflag VIc hieß das Kriegsgefangenenlager Eversheide im Nazi-Jargon. Die Abkürzung steht für Offizierslager″. Seit 1941 waren etwa 5000 serbische Offiziere interniert. Diese königstreue Garde kehrte nach dem Krieg nicht in Titos sozialistisches Jugoslawien zurück. Viele Männer blieben in Osnabrück und gründeten später die serbisch-orthodoxe Gemeinde. Ungewöhnlich erscheint heute, dass die Nazis für das Lager Eversheide die Genfer Konventionrespektierten. Es sind zwar Grausamkeiten und Erschießungen überliefert, aber die gefangenen Offiziere wurden nicht wie in anderen Lagern üblich zur Zwangsarbeit herangezogen. Auf dem Gelände gabes zwar einen Luftschutzbunker, doch den durften nur die Wachmannschaften nutzen. Als das Lager am 6. Dezember 1944 von alliierten Bombern angegriffen wurde, kamen 161 Gefangene ums Leben. Den Lageralltag hat der spätere niedersächsische Landesrabbiner Zvi Asaria 1975 in seinem Buch Wir sind Zeugen″ beschrieben. Asaria, der den Namen Hermann Helfgott trug, gehörte zu den 400 jüdischen Insassen des Lagers. Noch immer ist es ein Rätsel der Geschichte, dass er und seine Glaubensbrüder in ihrem erzwungenen Inselleben Gelegenheit hatten, unbehelligt ihre Glaubens riten zubegehen, während überall in Deutschland der Holocaust tobte. Überliefert ist aber auch, dass es unter den Gefangenen viele Spannungen gab.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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