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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Schulhof und Paradefeld
Zwischenüberschrift:
Der Ledenhof mit der Alten Bürgerschule um 1910
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wie gut, dass es die Katharinenkirche noch gibt. Sonst hätten wir heutigen Osnabrücker noch größere Schwierigkeiten, uns auf dem hundert Jahre alten Foto von Rudolf Lichtenberg jr. zurechtzufinden. Denn der Ledenhof, aufgenommen etwa vom alten Adelssitz aus, hat sein Aussehen im Lauf der Jahrzehnte mehrfach total verändert.

Die Pennäler im Vordergrund geben einen Hinweis auf das platzbeherrschende Gebäude links. Es ist die evangelische Volksschule. Der ältere, zweieinhalbgeschossige Teil im hinteren Bereich wurde 1799 errichtet, um den bis dahin im Haus des Küsters abgehaltenen Unterricht für die Kinder des Kirchspiels St. Katharinen aufzunehmen. 1833 kam der dreigeschossige Hauptbau hinzu, von der Stadt als evangelische Bürgerschule errichtet. Seine Postanschrift Schützenwall 1/ 2 erinnert an die hier parallel zum Neuen Graben verlaufende Straße, die in den 1970er-Jahren im Zuge der Umgestaltung der südlichen Altstadt vom Stadtplan verschwand.

Im Krieg wurden die Schulgebäude zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. Auf die Südwestecke des Ledenhofs setzte man stattdessen 1953/ 54 den Neubau der Industrie- und Handelskammer, der auf dem Vergleichsbild durch die Baumkronen verdeckt wird. Wenn die Bäume nicht wären, würde man das Katharinen-Pfarrhaus mit der charakteristischen Krüppelwalm-Giebelseite wiederentdecken können. Nur die niedrigere Waschküche davor überlebte nicht. Ebenso wenig das kleinere sonnenbeschienene Gebäude in der Bildmitte, das alte Kirchenbuchamt. Dem treuen Besucher des Donnerstag-Wochenmarkts dürfte die Bruchsteinmauer am rechten Bildrand der historischen Aufnahme vertraut sein. Sie grenzt heute den Garten um das neue gläserne Gemeindehaus und das Steinwerk des alten Pfarramts Katharinen II gegen den Straßenzug Am Ledenhof ab.

" Ledenhof" bezeichnet heute zweierlei. Nämlich sowohl den Platz wie auch den mittelalterlichen Stadtsitz der alten Osnabrücker Kaufmanns- und Bürgermeisterfamilie von Leden. Steinwerk, Palas und Treppenturm des Gebäudeensembles Ledenhof (im Rücken des Fotografen) blieben wie durch ein Wunder im Bombenkrieg stehen. Sie beherbergen heute das Literaturbüro Westniedersachsen und die Deutsche Stiftung Friedensforschung.

Die große Fäche war nicht immer so frei wie auf dem Bild von 1910. Ursprünglich befanden sich hier weitere Adelshöfe. Wie das Anwesen der Familie von Dumstorp, das seit dem 15. Jahrhundert als Kloster Marienstätte genutzt wurde. Nach der Aufhebung des Klosters wurde 1819 auf dem Gelände eine Dragoner-Kaserne gebaut. Die hannoversche Regierung ließ zusätzlich gegenüber dem Schloss die Hauptwache errichten. Sie diente in preußischer Zeit als Offizierskasino. Nachdem die neuen Landesherren am Westerberg die Caprivikaserne (1899) und die Artilleriekaserne (1903) fertiggestellt hatten, verkauften sie die nicht mehr benötigten Kasernen an die Stadt. Sie wurden abgerissen, damit war die Freifläche da.

Kundgebungen und Aufmärsche fanden hier den passenden Rahmen. Um einen noch größeren, zum Schloss hin geöffneten Aufmarschplatz zu gewinnen, trug man sich 1937 sogar mit dem Gedanken, Offizierskasino und Schule abzureißen. Das unterblieb, da die Illoshöhe fertig wurde. Erst der Bombenkrieg vollzog diese Planung.

Von 1945 bis 1957 stand eine große Naafi-Baracke der englischen Besatzer mitten auf dem Ledenhof. Anschließend war er Parkplatz. 1975 bis 1977 erfolgte die Umgestaltung nach einem Entwurf des Städteplaners Professor Helge Bofinger. Die Autos wurden in eine Tiefgarage verbannt. Oben sollten Blumenrabatte, Sitzecken und Wasserbecken eine " Ruheoase im Großstadtgetümmel" schaffen. Das Konzept gilt als gescheitert, die Osnabrücker nahmen den Platz nicht an. Seitdem ächzt der Stadtkämmerer unter dem hohen Instandhaltungsaufwand.

Bildtexte:

Blick über den Ledenhof zur Katharinenkirche um 1910. Links die evangelische Bürgerschule, die für Kinder aus dem Kirchspiel St. Katharinen erbaut wurde.

Wenn kein Wochenmarkt ist, herrscht gähnende Leere auf dem 1977 eröffneten neuen Ledenhof.

Fotos:

Rudolf Lichtenberg (aus: Rolf Spilker, Lichtenberg Bilder einer Stadt, Band I)

Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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