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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bürgerstolz im Arbeiterviertel
Zwischenüberschrift:
Die Einmündung der Schinkelstraße in die Buersche Straße um 1910
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Krieg hat zerstört, der Verkehr ist explodiert. Immer wieder lassen diese Faktoren, die das Gesicht der Stadt nachhaltig verändert haben, den Zeitreisenden staunen. Die historische Aufnahme von 1910 wartet mit einer weiterenÜberraschung auf: Die Arbeitervorstadt Schinkel empfängt ihn mit großbürgerlicher Pracht.

Das liegt an Uhrmacher Joseph Sommer, der ein architektonisch anspruchsvolles Wohn- und Geschäftshaus auf die Grundstücksspitze zwischen Schinkelstraße und Buerscher Straße bauen ließ. Wie es sich für einen Vertreter seiner Zunft gehört, setzte er eine große Uhr in die Fassade, oberhalb der Dachtraufe zu erkennen. Sie zeigte den Schinkelanern die letzten Stunden ihrer Selbstständigkeit an. Am 1. April 1914 wurde Schinkel ein Stadtteil Osnabrücks, die Einwohnerzahl stieg dadurch um fast 10 000 auf rund 80 000 an. Osnabrück war auf dem besten Wege zur Großstadt. 1939 wurde die 100 000-Einwohner-Marke geknackt.

Zu Beginn der 1930er-Jahre gab Sommer sein Geschäft auf. Die Zweigstelle Schinkel der Stadtsparkasse zog ein. Im Bombenkrieg versank das prachtvolle Schinkel-Entree 1944 in Schutt und Asche. Die hier abgebildeten Straßenzüge waren vom Bombenkrieg besonders stark betroffen. Sie hatten das Pech, zwischen Stahlwerk, Güterbahnhof und dem Reichsbahn-Ausbesserungswerk in unmittelbarer Nähe der Hauptbahnlinien zu liegen alles häufige Ziele bei den insgesamt 79 Luftangriffen auf Osnabrück, die zwischen 1940 und 1945 1434 Menschenleben forderten und 88 000 Menschen obdachlos machten.

Das Sommer′sche Haus wurde nicht wieder aufgebaut, die Hausnummer Buersche Straße 63 gibt es heute nicht mehr. Sie fiel der Einmündung der Schinkelstraße zum Opfer. Die wurde verschwenkt, um dem Verkehr ein rechtwinkliges Abbiegen zu ermöglichen. Die dahinter liegende Parzelle Buersche Straße 65 erhielt einen schlichten Zweckbau, der heute die Straßenecke bildet. Die Sparkasse zog wieder ein, links war ein Friseur untergebracht.

Der Mann mit dem Handkarren auf dem historischen Foto musste sich nicht besonders ins Zeug legen, denn die Buersche Straße verlief plan eben. Heute wäre er ins Schwitzen gekommen. Er hätte nämlich den Anstieg aus dem tiefer gelegten Bahnunterführungsbereich zu bewältigen. Im Rücken des Fotografen: Die Bahnlinie Hamburg–Venlo.

Die war 1910 noch Bestandteil des berüchtigten " eisernen Rings" an Bahnstrecken, die auf Straßenniveau die Innenstadt umschlossen und wegen der langen Schließzeiten der Bahnschranken für Unmut sorgten. Der Bahnübergang Buersche Straße war besonders betroffen, weil hier nicht nur der normale Zugverkehr, sondern auch endlose Rangierfahrten zwischen den Bahnhöfen den Verkehr zum Stillstand zwangen.

An anderen Stellen im Stadtgebiet konnte man Straße und Schiene kreuzungsfrei trennen, indem man den Bahnkörper anhob und das Straßenniveau beließ. Das war hier nicht möglich, denn das Schienenniveau war durch den benachbarten Hauptbahnhof und die Gleisfelder der Bahnbetriebswerke festgelegt. Also musste für die Straßenunterführung der Fels des Klushügels tief eingeschnitten werden. 1913 war die Verlegung der Buerschen Straße abgeschlossen, Osnabrück und Schinkel konnten nun auch verkehrsmäßig besser zueinanderkommen.

Bildtext:

Das markante Eckgebäude des Uhrmachers Joseph Sommer beherrschte 1910 die Spitze zwischen Buerscher Straße (rechts) und Schinkelstraße (links). Vorn rechts mündet die Venloer Straße ein.

Nachkriegsbauten bestimmen heute das Bild an der diagonal durchs Foto verlaufenden Buerschen Straße.

Foto:

Joachim Dierks

Unbekannt; zur Verfügung gestellt von Werner vor der Landwehr

Autor:
Joachim Dierks


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