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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Terror trübt Präsidenten-Besuch
Zwischenüberschrift:
Wulff zeigt türkischem Amtskollegen seine Heimatstadt – Tödlicher Anschlag in Ankara
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Bundespräsident Christian Wulff und der türkische Staatspräsident Abdullah Gül haben gestern bei ihrem Besuch in Osnabrück die Islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück gewürdigt. Überschattet wurde der Besuch von einem tödlichen Anschlag in Ankara.
In Osnabrück erfuhr Gül gestern die Schreckensnachricht. Mindestens drei Menschen kamen in der türkischen Hauptstadt bei der Explosion einer Autobombe ums Leben. Fernsehbilder zeigten unmittelbar nach der Explosion eine schwarze Rauchsäule über der Stadt. Mehrere Fahrzeuge standen in Flammen. In umliegenden Gebäuden und Geschäften gingen Fensterscheiben zu Bruch. Die Polizei nahm eine Frau fest, die wegen der Tat verdächtigt wurde. Sie soll nahe dem Tatort politische Parolen gerufen haben, wie türkische Medien berichteten. Die Hintergründe blieben zunächst unklar.
Gül sagte in Osnabrück, er verurteile den Terror aufs Schärfste. Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Auch Bundespräsident Christian Wulff verurteilte die tödliche Bombenattacke. Er sprach Staatspräsident Gül sowie den Opfern und ihren Angehörigen im Namen aller Deutschen sein ausdrückliches Mitgefühl aus.
In der Universität Osnabrück sprachen beide Staatsoberhäupter mit Professoren und Studierenden über das bundesweit erste Weiterbildungsprogramm für Imame, die Islamische Religionspä-dagogik und Theologie.
Wulff betonte, der Dialog zwischen den Religionen sei von überragender Bedeutung. Dafür habe er sich immer eingesetzt. Die Universitäten hierzulande sieht der Bundespräsident als sehr geeignet an, islamische Theologie zu betreiben. Deutschland sei weltweit das Land mit der längsten und umfassenden Erfahrung mit der Theologie in der Wissenschaft.
Auch Gül würdigte die Arbeit des Zentrums für Interkulturelle Islamstudien an der Universität Osnabrück. Es leiste einen wertvollen Beitrag für qualifizierten islamischen Religionsunterricht. Gül sieht dabei auch die in Deutschland lebenden Türken in der Pflicht. " Jeder Muslim sollte in perfekter Art und Weise Deutsch beherrschen", forderte der türkische Staatspräsident.
In der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) übernahmen Gül und Wulff die Schirmherrschaft für ein Schülerprojekt mit dem Titel " Umwelt baut Brücken": Deutsche und türkische Schüler werden ins jeweils andere Land reisen, um sich über Umweltthemen zu erkundigen. Am Ende werden sie ihre Erfahrungen in unserer Zeitung veröffentlichen.
Osnabrücks Oberbürgermeister Boris Pistorius hatte zuvor die Gäste im Friedenssaal des Rathauses begrüßt. Gül bedankte sich für die herzliche Aufnahme und lobte die Osnabrücker für ihr harmonisches Miteinander. Anschließend trugen er und seine Frau sich gemeinsam mit Bettina und Christian Wulff in das Goldene Buch der Stadt ein.
Wulff hatte den türkischen Staatspräsidenten nach Osnabrück eingeladen, nachdem dieser ihn in seiner türkischen Heimatstadt Kayseri empfangen hatte. Auf dem Marktplatz bereiteten 400 Menschen den Präsidentenpaaren einen begeisterten Empfang mit Fahnen und Sprechchören.
Seiten 3, 17 und 19

Bildergalerie und
Video zum Präsidentenbesuch auf www.noz.de

Bildtexte:

Umjubelter Empfang: Bundespräsident Christian Wulff (rechts), sein türkischer Amtskollege Abdullah Gül sowie Bettina Wulff und Hayrünnisa Gül (links) winkten gestern auf der Osnabrücker Rathaustreppe zahlreichen Schaulustigen zu.

Terror in Ankara: Mindestens drei Menschen starben.

Fotos:

Michael Hehmann / Reuters

Kommentar
Dialog auf Augenhöhe

Ein herzliches, fast familiäres Staatstreffen hat Bundespräsident Wulff seinem türkischen Amtskollegen Gül in Berlin und in seiner Heimatstadt Osnabrück bereitet, das leider von dem Anschlag in Ankara überschattet wurde. Dass Wulff Gül sofort sein tiefes Mitgefühl aussprach, wirkte nicht aufgesetzt, sondern wie ein Zeugnis großer Verbundenheit.

Mit diesem mehrtägigen Staatsempfang im Zeichen der deutsch-türkischen Freundschaft schlägt Wulff einen Bogen zu seiner berühmten Aussage zu Beginn seiner Amtszeit: Der Islam gehört zu Deutschland. Die Themenfelder Integration, Kopftuch und EU-Beitritt der Türkei sind emotional, umstritten und problembeladen. Wulff geht sie an aber klugerweise nicht konfrontativ und vorurteilsbeladen.

Der Bundespräsident setzt auf einen Dialog auf Augenhöhe. Und auf vielfältige Maßnahmen wie etwa die nun gestartete Imam ausbildung. Oder das Pochen auf das Erlernen der deutschen Sprache von Kindesbeinen an. Migrantenfamilien haben dabei eine Bringschuld. Hier gilt es zu fordern und zu fördern. Doch auch die Mehrheitsgesellschaft hat noch nicht verinnerlicht, dass immer mehr Deutsche Mohammed oder Aischa heißen da sind viele Kindergartengruppen schon weiter.

Dieser Mut zur Selbstkritik fehlt Gül leider völlig. Solange der Präsident nicht eingestehen will, dass das Christentum zur Türkei gehört, wirkt ein EU-Beitritt recht utopisch.
Autor:
Christof Haverkamp, Wilfried Hinrichs, Michael Clasen


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