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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bildung am Wall
Zwischenüberschrift:
Die Höhere Töchterschule am Kanzlerwall um 1920
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Bildung am Wall in Osnabrück hat eine lange Tradition. Das Hauptgebäude der " Höheren Töchterschule" wurde 1876 fertiggestellt, rund dreißig Jahre eher als der " Neubau" des Ratsgymnasiums am Schlosswall etwas weiter südlich. Bis 1970 blieb der Standort am Wall zwischen Martini- und Katharinenstraße städtisches Mädchengymnasium. Dann zog es in einen Neubau an der Kromschröderstraße im Stadtteil Wüste um. Die Universität übernahm die frei gewordenen Gebäude am Wall.

Das historische Lichtenberg-Foto zeigt den Komplex im Jahr 1920, als das dreieinhalbgeschossige Hauptgebäude im romantisierenden Rundbogenstil bereits einen schlichteren zweistöckigen Mittelbau und den wieder dreistöckigen Eckbau zur Katharinenstraße hin angefügt bekommen hatte. Diese Ergänzungsbauten haben den Krieg einigermaßen unbeschadet überstanden, während der Hauptbau den Bomben zum Opfer fiel. 1952/ 53 wurde in einem ersten Wiederaufbauabschnitt der zweistöckige Mittelbau nach Süden hin, in Richtung Martinistraße, verlängert. Ein Natursteinstreifen in der heutigen Fassade rechts neben dem Mitteleingang markiert die Stelle, an der zuvor der Hauptbau von 1876 ansetzte.

Bereits 1848 wurde die städtische Töchterschule als evangelische Antwort auf die private katholische Mädchenschule gegründet und zunächst an der Alten Münze untergebracht. Da bei ständigem Wachstum der Schülerinnenzahlen die Räume nicht mehr ausreichten, wurde 1874 bis 1876 ein für die damalige Zeit vorbildlicher Neubau errichtet. Etwa zeitgleich trug man die mittelalterlichen Befestigungsanlagen ab. Da traf es sich gut, dass Steine aus dem Martiniwall im Schulneubau verwendet werden konnten. Ein anderer Teil diente zur Wegebefestigung in der Wüste.

In der Bürgerschaft war zu jener Zeit eine heftige Diskussion ausgebrochen, was denn an die Stelle der Wallanlagen und - gräben treten solle, nur eine einfache Verkehrsstraße oder eine breite Promenade mit gestalteten Grünanlagen? Nicht wenige hielten die Promenade für überflüssigen Luxus, den nur " Grisetten und Müßiggänger" in Anspruch nehmen würden. Der arbeitsame Osnabrücker habe schließlich seinen Garten für die Bewegung an der frischen Luft.

Die Befürworter der Promenadenlösung setzten sich durch. Dies wohl auch unter dem Eindruck, dass im Zuge der Industrialisierung immer mehr einfache Arbeiterquartiere aus dem Boden gestampft wurden, wo es mit den Gärten nicht weit her war. Die historische Ansicht ist von dem breiten Grünstreifen zwischen den beiden Richtungsfahrbahnen aus aufgenommen worden. Er wurde freilich im Laufe vieler Straßenumgestaltungen immer schmaler. Am linken Bildrand ist das historische Verkehrszeichen mit den fünf Punkten " Einfahrt gesperrt für Fahrzeuge aller Art" zu erkennen.

Die Wall-Promenade hieß in diesem Abschnitt zunächst Kanzlerwall. Damit sollte Reichskanzler Otto von Bismarck für seine Rolle bei der " Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches" geehrt werden. In der NS-Zeit wurde daraus der Braunauer Wall, in Würdigung von Hitlers Geburtsort Braunau am Inn. Nach dem letzten Krieg entschied der Stadtrat sich für eine unpolitische Namensgebung in Anlehnung an die historischen Stadttore. Seitdem ist " Heger-Tor-Wall 14" der Sitz der Universitäts-Fachbereiche Jura und Wirtschaftswissenschaften.

Bildtexte:

Die Höhere Töchterschule am damaligen Kanzlerwall, dem heutigen Heger-Tor-Wall, um das Jahr 1920. Ganz rechts ist das Regierungsgebäude an der Ecke Katharinenstraße zu sehen.

Die Fachbereiche Recht und Wirtschaft der Uni sind nach 1990 am Heger-Tor-Wall 14 eingezogen. Die Gebäudeteile rechts sind noch Vorkriegs-Bausubstanz.

Fotos:

Joachim Dierks / Rudolf Lichtenberg (aus: Rolf Spilker, Lichtenberg Bilder einer Stadt, Band I)
Autor:
Joachim Dierks


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