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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Harmonisch, weltoffen und schwer zu filmen
Zwischenüberschrift:
Staatsgäste tragen sich ins Goldene Buch der Stadt ein – Pistorius: Zum Frieden braucht es Hartnäckigkeit
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Das müssen sie sein! Pfeifen, Johlen, Sprechgesänge auf dem Rathausplatz. Er ist da! Bundespräsident Christian Wulff besucht seine Heimatstadt. Ja, ja, das auch. Aber der Jubel gilt dem kleinen schnauzbärtigen Mann an seiner Seite. Der strahlt mit Augen, Mund ach was! mit dem ganzen Gesicht und winkt und schüttelt Hände: Abdullah Gül, türkischer Staatspräsident, ist erstmals in Osnabrück.
Aber die beiden Staatsmänner sind zu spät. Zwanzig Minuten. Im Friedenssaal wartet seit einer Dreiviertelstunde ein halbes Dutzend Filmkameras samt anhängender Teams, dazu Dutzende Fotografen, Schreiber, Radioleute. Viele aus der Türkei.
Eine Journalistin lässt sich gerade einen Namen buchstabieren: B-o-r-i-s P-i-s-t-o-r-i-u-s. Ja, ja, genau, das ist der Mann mit der schmucken goldenen Kette. Dann der Jubel auf dem Marktplatz, und plötzlich kleben alle an den Scheiben, wie Stubenfliegen, die den Himmel suchen.
Draußen surfen Gül und Wulff entlang der Menge. Aus Verzug wird Verspätung. Drinnen hält es einer der Kameramänner nicht mehr aus und filmt durch das geschlossene Fenster. Nach einer Minute des hartnäckigen Ignorierens beugt er sich schließlich doch den physikalischen Widrigkeiten: durch gekrümmtes abgedunkeltes Glas ist nicht gut filmen. Er macht die Kamera aus.
Dann geht es schnell. Die Tür zum Friedenssaal geht auf, viele Männer in Anzügen drängen herein. Oberbürgermeister Boris Pistorius strebt sofort gen Rednerpult. Er spricht sein Bedauern über den Anschlag in Ankara aus, der sich wenige Stunden zuvor ereignet hat.
Danach leitet Pistorius über zum Westfälischen Frieden, den er zur Grundlage eines neuen Europas erklärt. Schon damals habe sich gezeigt, dass es zum Frieden Hartnäckigkeit brauche und Menschen, die miteinander sprechen. " Gerade in schweren Zeiten", sagt Pistorius.
Der Bundespräsident löst Pistorius ab, dankt " für den überaus herzlichen Empfang" und lobt Osnabrück sowie dessen weltoffene und friedfertige Bewohner.
Daran knüpft Gül in seiner Rede an. Er sei beeindruckt vom großen Empfang, den ihm die Osnabrücker bereitet hätten, sagt der türkische Präsident. Dann gratuliert er zum Einklang, in dem die Menschen verschiedener Kulturen in dieser Stadt lebten.
Während der Reden sind die Dolmetscher zu hören und immer wieder das Klicken der Fotokameras. Als sich die Präsidenten samt Gattinnen und gezückten Füller dem Goldenen Buch Osnabrücks nähern, ist der Saal in Blitzlicht getaucht, und das Klicken der Kameras klingt wie Platzregen auf einem Wellblechdach.
Sekunden später ist es vorbei. Männer in Anzügen drängen aus dem Saal, die Präsidenten folgen. Und während draußen wieder das Rufen und Johlen losgeht, trocknet im Goldenen Buch die Tinte der Unterschrift von Abdullah Gül, des ersten türkischen Präsidenten, der die Friedensstadt Osnabrück besucht hat.

Bildtexte:

Historischer Moment: Hier verewigen sich (von links) Hayrünnisa Gül, Bettina Wulff, Abdullah Gül, Christian Wulff. Boris Pistorius ist Zeuge.

Eingeschrieben: die Unterschriften der Gäste im Goldenen Buch.

Fotos:

Jörn Martens
Autor:
msb


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