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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Viel Lob fürs Osnabrücker Islam-Zentrum
Zwischenüberschrift:
Bundespräsident Christian Wulff präsentiert seinem türkischen Gast ein Vorzeigeprojekt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Christian Wulff studierte einst Jura an der Osnabrücker Universität gestern besuchte er dort als Bundespräsident mit seinem türkischen Gast Abdullah Gül ein Vorzeigeprojekt: die islamische Theologie.

Als niedersächsischer Ministerpräsident hat Wulff selbst entscheidend daran mitgewirkt, dass in seiner Heimatstadt der Studiengang Islamische Religionspädagogik entstand. Und dass sich bundesweit einmalig Imame in Osnabrück weiterbilden können. Mit sieben Professuren entsteht hier eines der größten Islam-Zentren Deutschlands.

Fünf Stunden hielten sich Staatspräsident Gül und Wulff gestern in Osnabrück auf, und die Universität war ihre letzte Station. Schaulustige mit schwarz-rot-goldenen deutschen und rot-weißen türkischen Fahnen hatten die beiden Staatsoberhäupter auf dem Marktplatz begrüßt. Dann besichtigten Wulff und Gül das Rathaus, wo 1648 Gesandte aus Europa den Westfälischen Frieden geschlossen hatten. Und in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gaben sie den Startschuss für ein ökologisches Jugendprojekt.

Die Aula im Schloss war der Höhepunkt des Aufenthalts in der Friedensstadt. Für den gebürtigen Osnabrücker Wulff war es so etwas wie ein Heimspiel, als er gestern Nachmittag mit Gül dort einzog, eine große türkisch-deutsche Delegation im Gefolge. Mit im Tross des Bundespräsidenten: Aygül Özkan. Wulff hatte die CDU-Politikerin im April 2010 als erste türkeistämmige Muslimin in Deutschland als Ministerin ins niedersächsische Kabinett geholt. In der Landesregierung ist die Ressortchefin neben den Themen Soziales und Gesundheit für die Integration zuständig. Am Freitag wird Özkan erneut nach Osnabrück fahren dann erhalten die ersten 30 Absolventen des Imam-Weiterbildungsprogramms ihre Abschlussurkunden.

Die islamische Religionspädagogik in Osnabrück und das Zentrum für Interkulturelle Islamstudien (ZIIS) haben sich weit über Deutschland hinaus einen Namen gemacht: Journalisten von arabischen Fernsehsendern wie Al-Dschasira, französische und türkische Zeitungen, der TV-Sender BBC und die " Washington Post" informierten bereits über das Osnabrücker Modell. Meistens positiv.

Ein wenig stolz ist daher nicht nur Claus Rollinger auf das Islam-Zentrum. Der Uni-Präsident sieht in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Themen Migration und Integration seit Langem eine der Stärken seiner Hochschule, wie er gestern bei der Begrüßung der Gäste betonte. Rollinger verwies aber auch darauf, dass es erst nach mühevoller Überzeugungsarbeit von Professoren im Jahr 2007 zur Ausbildung islamischer Religionslehrer kam. Zugleich lobte er das " offene Ohr" des damaligen Ministerpräsidenten Wulff. Ohne ihn, sagte er, wäre die Idee zur Einführung des Schulfaches Islamischer Religionsunterricht nie umgesetzt worden.

Reichlich Dank sagte auch der Osnabrücker Islam-Wissenschaftler Bülent Ucar und Direktor des ZIIS allen, die an der Entstehung des Islam-Zentrums mitgewirkt hatten, darunter " unserem früheren Landesvater Christian Wulff". Mit Ucar im Team lehren, forschen und arbeiten muslimische Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden mit deutschen, saharisch-österreichischen, türkischen, kurdischen, bosnischen und arabischen Wurzeln. " Wir sind international hervorragend vernetzt und arbeiten mit zahlreichen Theologen aus türkischen Universitäten zusammen", betonte Ucar.

Der Wissenschaftler beließ es aber nicht bei der Bestandsaufnahme, sondern hatte auch Forderungen parat: So verlangte er vor den Präsidenten, dass der Islam in Deutschland als Religionsgemeinschaft verfassungsrechtlich anerkannt wird. Und dass der Staat die Muslime anerkennt.

Reichlich Lob für die Uni gab es auch von Staatspräsident Gül. Er betonte, dass der Islam von verantwortungsvoll ausgebildeten Lehrern unterrichtet werde, die die universellen Werte und Rechte achteten. Nur so könne verhindert werden, dass Schüler in eine " falsche Richtung gelenkt werden". Die Lehrer könnten dazu beitragen, dass deutsche Muslime Stolz für ihr Land empfinden könnten, sagte Gül. Gleichzeitig erneuerte er seine Forderung an die hierzulande lebenden Muslime, Deutsch zu lernen: " Jeder Muslim, der hier lebt, sollte perfekt die deutsche Sprache beherrschen. Der Islam ist universell. Man kann ihn in jeder Sprache erlernen."

Bundespräsident Wulff erinnerte daran, dass Deutschland weltweit das Land mit der längsten und umfassendsten Erfahrung mit der Theologie in der Wissenschaft ist, sei es in der Rabbinerausbildung oder der christlichen Theologie. " Deutsche Universitäten sind sehr geeignet, islamische Theologie zu betreiben", fügte er hinzu.

Positiv überrascht vom Besuch der beiden Präsidenten zeigte sich Avni Altiner. Der Vorsitzende der Schura Niedersachsen freute sich besonders darüber, dass sich Gül so offen für den islamischen Religionsunterricht in Deutschland ausgesprochen hatte. Keine Selbstverständlichkeit, hatte doch der türkische Staat das Osnabrücker Modell der Islam-Ausbildung mit einer gewissen Skepsis betrachtet.

Bildtext:

Fähnchen schwenken auf dem Marktplatz: Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül und Bundespräsident Christian Wulff wurden gestern bejubelt.

Foto:

Reuters
Autor:
Christof Haverkamp


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