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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Maßgeschneiderte Girlanden
Zwischenüberschrift:
Die Heger Laischaft schmückt die Altstadt – Festtage mit Fackelzug und Ohrfeige an der Grenze
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück. Ulrich Eibisch steht mit der Girlande im Drahtkorb, und die Hydraulik des Miniradladers pumpt ihn in die Höhe. Unten steht Gerhard Gust mit einer Holzlatte und nimmt Maß. In vier Meter Höhe schmücken Fichtenzweige die Straßen der Altstadt.

Wer noch keine sieben Jahre in Osnabrück lebt, dürfte sich über das Treiben in der Altstadt wundern. Alles sieht nach einem bevorstehenden Fest aus und das ist auch der Fall. Es geht um den Schnatgang der Heger Laischaft. Was das ist, dürfte dem tolopen Volk ebenfalls ein Rätsel sein. Übersetzt ist dies der Grenzgang entlang der ehemaligen Weidegebiete, in die Bewohner der Altstadt ihr Vieh trieben.

Weil die Eigentumsverhältnisse nicht so dokumentiert wurden wie heute, machten sich die Gemeinschaft der Eigentümer regelmäßig auf den Weg, um festzustellen, was " olle use" ist mit einem Ausrufezeichen dahinter ist das der Ruf: " Alles unser!"

Einst teilten sich sechs Laischaften die Ländereien rund um die Stadt, die jedes Jahr abwechselnd feierten. Dass die Heger Laischaft als verbliebene aktive Traditionsgemeinschaft nach wie vor alle sieben Jahre feiert, lässt vermuten, dass es regelmäßig ein Sabbatjahr gegeben haben könnte. Frank Henrichvark hält dies jedenfalls für möglich. Er ist Wort- und Buchhalter der Heger Laischaft und damit ihr geschäftsführender Vorsitzender.

Die älteste Aufzeichnung, in der die Heger Laischaft erwähnt wird, stammt von 1560. Im Laufe der Jahrhunderte legten die Mitglieder neben ihren Weidegebieten auch einen Wald an. Die Viehwirtschaft gaben sie im Laufe der Zeit auf, doch die Forstwirtschaft betreiben sie noch immer im Heger Holz.

Frank Henrichvark geht es bei den allsiebenjährlichen Festwochen darum, die Laischaft " lebendig zu halten". Dass die Mitglieder die Grenzen ihres Territoriums selbst überprüfen, ist längst nicht mehr nötig, doch geht es heute nach wie vor um den Zusammenhalt in der Altstadt.

Zwei Wochen lang holten Mitglieder der Heger Laischaft rund 140 Kubikmeter Fichtenzweige aus ihrem Forstgebiet. Gestern verteilten sie maßgeschneiderte Girlanden für die jeweilige Breite der Gassen insgesamt mehr als 1800 Meter lang. Am heutigen Dienstag um 17 Uhr wird Wort- und Buchhalter Frank Henrichvark vor dem Rathaus das Fest ausrufen. Donnerstag um 20 Uhr beginnt ein großer Fackelumzug durch die Altstadt. Freitag um 14 Uhr treffen sich Mitglieder und Gäste vor dem Rathaus, und um 14.30 Uhr beginnt der eigentliche Schnatgang durch die Heger Straße, entlang der Lotter Straße über den Lien eschweg zum Heger Holz.

Der Tradition folgend, wird der Wort- und Buchhalter einem Jungen eine Ohrfeige zu den Worten " Kikes, dat is olle use" verpassen. So sollte die schmerzhafte Erinnerung den Grenzverlauf dokumentieren. Landvermesser gab es noch nicht.

Samstag um 11 Uhr wird Oberbürgermeister Boris Pistorius die Mitglieder der Heger Laischaft im Friedenssaal des Rathauses empfangen. Es folgen ein Rechenschaftsbericht des Wort- und Buchhalters sowie ein Vortrag von Dr. Hermann Queckenstedt über das Feuerlöschwesen. Dieses Thema ist ebenfalls eng mit der Traditionsgemeinschaft verbunden.

Denn sie schaffte 1722 eine Feuerspritze an, mit der die Mitglieder Brände löschten. Damit waren Mitglieder der Heger Laischaft die Vorgänger der Freiwilligen Feuerwehr.

Bildtexte:

Die Altstadt putzt sich heraus. Ein Miniradlader hilft bei den Vorbereitungen für die Festtage der Heger Laischaft. Fichtengrün und Banner zieren die Gassen.

Beinahe ein halbes Jahrhundert alt ist diese Aufnahme. 1962 schmückte die Laischaft ihre Straßen so.

Fotos:

Jörn Martens/ Emil Harms
Autor:
Jann Weber


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